BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR/Renate Roßberger
Bildrechte: BR/Renate Roßberger

Jeder zweite Walderbe in Bayern hat nichts mit Land- und Forstwirtschaft zu tun - ist also mehr oder minder "ahnungslos" in Sachen Waldpflege. Doch es gibt gute Hilfen, wie man seine Pflichten als Privatwaldbesitzer trotzdem schafft.

30
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Plötzlich Privatwaldbesitzer: Was tun, wenn man einen Wald erbt?

Jeder zweite Walderbe in Bayern hat nichts mit Land- und Forstwirtschaft zu tun - ist also mehr oder minder "ahnungslos" in Sachen Waldpflege. Doch es gibt gute Hilfen, wie man seine Pflichten als Privatwaldbesitzer trotzdem schafft.

30
Per Mail sharen
Von
  • Renate Roßberger
  • BR24 Redaktion

Immer öfter erben Menschen ein Stück Wald, haben aber keine Ahnung vom Holzfällen oder von der Waldpflege. Das passiert durch den landwirtschaftlichen Strukturwandel in den letzten Jahren immer öfter in Bayern.

Onlinemarketing-Managerin wird Waldbesitzerin

Die 30-jährige Lisa Kaml stammt aus dem Bayerischen Wald, lebt aber inzwischen im oberbayerischen Rosenheim, wo sie an einer Hochschule arbeitet. Mindestens einmal im Monat fährt sie nach Hause zu den Eltern und nutzt dann die Zeit auch, um nach ihrem eigenen Wald zu schauen. Drei Hektar in der Nähe von Zwiesel im Kreis Regen hat sie 2017 als Schenkung von ihrer Mutter erhalten und sich darüber gefreut.

"Ich bin dem Bayerischen Wald sehr verbunden. Deshalb war das für mich wichtig, dass ich einen Teil davon quasi besitze. In meinem Wald, der ursprünglich meinem Opa gehört hat, habe ich außerdem immer als Kind gespielt." Lisa Kaml, Privatwaldbesitzerin

Als Waldbesitzerin hat sie aber auch Pflichten: Sie muss zum Beispiel Fichten, die vom Borkenkäfer befallen sind, oder Bäume, die durch Schneebruch geknickt wurden, fällen. Sonst könnten sich Schädlinge auch in den Wäldern der Nachbarn ausbreiten. Gleiches gilt für Bäume am Waldrand, die auf eine Straße stürzen könnten. Wenn sie nichts tut, haftet sie für die Schäden anderer. Das kann teuer werden.

Wenn Laien Hand anlegen

Lisa Kaml hat das Glück, dass ihr Onkel die Waldarbeit erledigt. Er hat dafür noch die Ausrüstung und die Kenntnisse. Ihr Bruder will jetzt ebenfalls Holzfällen lernen. Das Brennholz nutzt die Familie für die eigenen Kachelöfen.

Wer nicht auf Verwandte zurückgreifen kann und selbst zwei linke Hände hat, kann zum Beispiel einen Pflegevertrag mit der Waldbesitzervereinigung in seiner Region abschließen. Die übernimmt dann alles, kontrolliert zum Beispiel Borkenkäferbefall, Standsicherheit der Bäume oder schaut, ob etwas nachgepflanzt werden muss. In der Regel wird dann ein professionelles Rücketeam mit den nötigen Arbeiten beauftragt - zum Beispiel Josef Saller in Bodenmais. Er findet es sinnvoll, dass Laien bei der Waldarbeit nicht selbst Hand anlegen.

"Erstens kostet die Technik viel Geld, auch für Kleinwaldbesitzer, zum Beispiel Seilwinde, Rückewagen oder Traktor. Und dann muss jemand auch mit der Technik vertraut oder damit aufgewachsen sein. Wenn man keine Erfahrung hat, ist die Arbeit sehr gefährlich. Deshalb gibt es da auch immer wieder Unfälle." Josef Saller, Rücke-Unternehmer

Ein Pflegevertrag und das Holzfällunternehmen kosten zwar Geld. Aber weil die Profis auch den Verkauf des Holzes übernehmen, bleibt für den Waldbesitzer am Ende trotzdem Geld übrig. Nur in den letzten zwei Jahren gab es teils Minusgeschäfte, weil der Holzpreis wegen zu viel Borkenkäferholz auf dem Markt niedrig war. Inzwischen haben die Holzpreise wieder angezogen.

Versicherungen helfen

Waldbesitzer können ihren Gewinn zum Beispiel in Pflegearbeiten stecken oder ihre Versicherung zahlen. Pflicht für alle Waldbesitzer ist die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau, von der man automatisch als Waldbesitzer angeschrieben wird. Sie ist auch sinnvoll, weil sie Unfallfolgen bei der Waldpflege absichert - für den Waldbesitzer, seine Familie und für Verwandte, die dabei helfen. Dringend empfohlen wird zusätzlich eine Haftpflichtversicherung, um Schäden durch umgestürzte Bäume abzusichern. Außerdem sind alle Waldbesitzer automatisch Mitglied der jeweiligen Jagdgenossenschaft - das ist kostenlos.

Privatwald als Last - doch lieber verkaufen?

Mehr als die Hälfte der 2,61 Millionen Hektar Wald in Bayern gehört privaten Besitzern. Jeder zweite Walderbe hat aber nichts mehr mit der Land- und Forstwirtschaft zu tun.

"Insbesondere in Bayern haben wir hier einen Querschnitt durch die Bevölkerung. Vom Sozialhilfeempfänger bis zum Professor ist alles mit dabei und das macht es schon spannend." Stefan Schaffner, Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Regen

Das Wichtigste ist, dass man eine Beziehung zu seinem Wald hat, ihn schätzt und als Wert empfindet, betont Stefan Schaffner: "Der Rest findet sich dann schon." Nur, wenn jemand wirklich gar nichts mit seinem Waldbesitz anfangen kann und ihn sogar als Last empfindet, kann man über einen Verkauf nachdenken, rät Schaffner, der im Landkreis Regen die privaten Waldbesitzer betreut. Die Preise für Wald sind momentan gut, weil Wälder als Geldanlage gefragt sind. Der Hektar Wald wird derzeit für 20.000 bis 30.000 Euro gehandelt, gute Lagen noch höher, so Schaffner.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!