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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Uli Deck

Die Pleitewelle der Energieversorger lässt immer mehr Verbraucher in die "Ersatzversorgung" rutschen.

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Pleite bei Energieversorgern: Kunden fallen in Ersatzversorgung

Auch in Bayern sind viele Verbraucher von der Insolvenz- und Kündigungswelle von Energieversorgern betroffen. Immer mehr fallen damit in die Ersatzversorgung des Grundversorgers. Die Stadtwerke Bamberg und Forchheim verzeichnen steigende Zahlen.

Von
Claudia GrimmerClaudia Grimmer
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Die Zahl der Kunden, die aufgrund der Insolvenz oder der Einstellung von Lieferverträgen ihres Anbieters keinen Strom oder kein Gas geliefert bekommen, steigt weiter. Im Bereich Bamberg, Hallstadt und Stegaurach seien bis jetzt rund 1.000 Verbraucher betroffen, so die Stadtwerke Bamberg gegenüber BR24. Die Stadtwerke Forchheim melden rund 230 Verbraucher. Sie fallen damit automatisch in die Ersatzversorgung. Die übernimmt der Grundversorger vor Ort. In vielen Fällen sind das Stadtwerke.

Zahl über betroffene Verbraucher gibt es nicht

Ende Oktober hätten die ersten Discounter für Strom und Gas die ersten Kündigungen an ihre Kunden verschickt, so die Verbraucherzentrale Bayern. Meist arbeiteten Billiganbieter wie Stromio oder Immergrün nicht mit langfristigen Verträgen, sondern kauften Strom dann ein, wenn er günstig ist. Bis vor kurzem hat das funktioniert, doch mittlerweile zeigen die Preise für Strom und Gas nur noch nach oben. Die Discounter konnten ihr Preisangebot nicht halten, kündigten Verträge oder mussten gar Insolvenz anmelden.

Ersatzversorgung durch örtlichen Grundversorger

Davon betroffene Kunden fallen damit in die Ersatzversorgung ihres Grundversorgers. Meist sind das die Stadtwerke. Forchheim halte trotz allem den Preis für Gas und Strom seit Januar 2020 stabil, so das Unternehmen. Das ist nicht bei allen Grundversorgern so. Viele erhöhten ihre Preise Ende Dezember oder Anfang Januar speziell für Neukunden, die über eine Ersatzversorgung zum Energieversorger kamen.

Teilweise hohe Preise für Neukunden

Die Verbraucherzentrale Bayern bemängelt, dass es eine solche Benachteiligung von Kunden auch im Freistaat gibt, die aufgrund der Einstellung von Lieferverträgen von Gas oder Strom in die Ersatzversorgung zurückfallen. Als ein Beispiel nannte die Verbraucherzentrale ein schwäbisches Stadtwerk. Der Anbieter verlange teilweise einen 100 Prozent höheren Preis für die Ersatzversorgung als für Bestandskunden in der Grundversorgung.

"Wir halten die unterschiedlichen Preise in der Grund- und Ersatzversorgung für unrechtmäßig und rechtswidrig." Marion Gaksch, Verbraucherzentrale Bayern

Zu hohe Preise: Anbieter verstoßen gegen Energierecht

Ein juristisches Vorgehen dagegen könne aber in Bayern aufgrund der personellen Besetzung der Verbraucherzentrale nicht erfolgen. Die Verbraucherzentrale NRW (Nordrhein-Westphalen) hat bereits Abmahnungen an Grundversorger verschickt, die von den neuen Kunden Preise verlangen, die deutlich höher liegen als die des bisherigen Kundenstamms. "Es handelt sich hier um einen Verstoß gegen ein Bundesgesetz, das eine Grund- und Ersatzversorgung gleichstellt", so die Verbraucherzentrale Bayern. Da die Grundversorger zum Teil ihre marktbeherrschende Stellung zu Lasten der betroffenen Haushalte missbrauchten und als Energieanbieter von der neuen Kundschaft auch noch deutlich überhöhte Preise verlangen, verstießen sie gleich doppelt gegen geltende Vorschriften des Energierechts.

18 von 23 NRW-Anbietern verlangen bei Neukunden doppelten Preis

Eine aktuelle Marktstichprobe unter 23 Anbietern in NRW habe ergeben, dass 18 Unternehmen einen Neukundentarif für die Stromgrundversorgung eingeführt hätten. Die Differenz zwischen Neukunden- und Bestandskundenpreise dieser Anbieter betrage dabei durchschnittlich mehr als das Doppelte. Die Verbraucherzentrale NRW hat dagegen juristische Mittel eingelegt und die Energiekartellbehörde NRW eingeschaltet.

Verbraucherzentrale Bayern fehlt Personal

"Auch wir werden in unseren bayerischen Stellen regelrecht überschwemmt von Verbraucher-Anfragen, die aufgrund von Einstellungen der Lieferung von Gas oder Strom aus ihren Verträgen rausgefallen sind", beschreibt Marion Gaksch von der Verbraucherzentrale Bayern derzeit die Situation. Das werde sich auch in den nächsten Wochen und Monaten nicht ändern. Wartezeiten von bis zu zwei Wochen seien derzeit normal. "Je nachdem wie viele Anfragen weiterhin reinkommen, kann es sein, dass wir aufgrund unserer engen personellen Kapazitäten den Service gar nicht mehr anbieten können oder Wartezeiten auf einen Beratungstermin Monate dauern."

"Wir bräuchten dringend personelle Unterstützung, denn das Problem der Verbraucher mit Problemen mit Strom- oder Gasanbietern wird zunehmen. Marion Gaksch, Verbraucherzentrale Bayern

Die Stellen bei der Verbraucherzentrale sind landesgefördert, sprich sie werden über den Freistaat finanziert. In anderen Bundesländern, vor allem NRW oder Rheinland-Pfalz, seien die Beratungsstellen viel besser ausgestattet.

Zentralregister über insolvente Energieversorger gefordert

Die Verbraucherzentrale Bayern bemängelt zudem, dass es noch immer keine zentrale Erfassung für insolvente Energieversorger gebe. Selbst die Bundesnetzagentur habe keine zentrale Registrierung von insolventen Anbietern. Das macht es auch für Verbraucher schwierig festzustellen, welcher Energieversorger beispielsweise Insolvenz angemeldet hätten, bemängelt die Verbraucherzentrale Bayern.

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