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Würzburger Babymord-Prozess: Totschlag oder Körperverletzung? | BR24

© piicture-alliance/dpa

Justizzentrum Würzburg

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    Würzburger Babymord-Prozess: Totschlag oder Körperverletzung?

    Wegen der Ermordung eines acht Monate alten Säuglings muss sich ein 24-jähriger Mann aus Gemünden vor dem Landgericht Würzburg verantworten. Nun sind die Plädoyers vorgetragen worden.

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    Von
    • BR24 Redaktion
    • Carolin Hasenauer

    Zwischen sieben und 12 Jahren Freiheitsstrafe bewegen sich die Forderungen der Verteidigung und der Staatsanwaltschaft im sogenannten Babymord-Prozess bei den Schlussvorträgen am Würzburger Landgericht. Vom Mordvorwurf, der in der Anklage so noch formuliert war, sind die Verfahrensbeteiligten mangels ausreichender stichhaltiger Beweise abgerückt. Ob der angeklagte 24-Jährige aus Gemünden im Landkreis Main-Spessart den acht Monate alten Sohn seiner damaligen Freundin vorsätzlich getötet hat, bleibt daher ungeklärt. Das Urteil soll am 22. Februar fallen.

    Richter rät Staatsanwaltschaft Anklagepunkte fallen zu lassen

    Vor dem heutigen Verhandlungstag hatte der Richter der Staatsanwaltschaft dazu geraten, einige Anklagepunkte fallen zu lassen: Die in der Anklage aufgelisteten gewalttätigen Übergriffe auf Mutter und Kind vor dem tödlichen Vorfall seien wohl nicht beweisbar trotz der vielen Zeugen, die im Verfahren bereits gehört worden waren. Der Vorwurf des Mordes könne mangels eindeutiger Beweise auch als Totschlag oder Körperverletzung mit Todesfolge gewertet werden, zieht das Gericht Bilanz aus der Beweisaufnahme.

    Angeklagter 24-Jähriger laut Gutachterin voll schuldfähig

    Zuletzt hatte die psychiatrische Sachverständige dem Angeklagten volle Schuldfähigkeit attestiert. Der regelmäßige Drogenkonsum des 24-Jährigen sei kein sogenannter mildernder Umstand für das Urteil. Der Gemündener hatte hauptsächlich Cannabis konsumiert, eine Droge, die sein aggressives Verhalten eher reduzieren würde – trotzdem soll er im Dezember 2019 den acht Monate alten Sohn seiner damaligen Freundin umgebracht haben.

    Staatsanwalt: Baby als "Störfaktor" zwischen dem Mann und seiner Freundin

    Die Staatsanwaltschaft Würzburg wirft dem Mann vor, das Kind mit stumpfer Gewalt malträtiert und schließlich erstickt zu haben. Die heute 21-jährige Mutter hatte ihren Sohn leblos in seinem Bett gefunden. Der 24-Jährige soll das Kind als "Störfaktor" empfunden haben. Der Angeklagte hätte eine "tiefe Abneigung gegenüber dem Kind" entwickelt und sich in der Partnerschaft mit seiner damaligen Freundin, der Mutter des Kindes, gestört gefühlt. Warum es zu dem Vorfall kam, das kann das Gericht bis heute nicht vollständig beantworten, vieles bleibt im Dunkeln.

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