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Plädoyers im Fall Sophia Lösche: Mord oder Totschlag? | BR24

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Der mutmaßliche Mörder von Sophia Lösche soll lebenslang hinter Gitter. Das forderten Staatsanwaltschaft und Nebenklage vor dem Landgericht Bayreuth. Der Angeklagte soll die Studentin aus Amberg getötet und ihre Leiche in Spanien verbrannt haben.

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Plädoyers im Fall Sophia Lösche: Mord oder Totschlag?

Im Prozess um die getötete Sophia Lösche wurden heute am Landgericht Bayreuth die Plädoyers gehalten. Die Staatsanwaltschaft sowie die Familie von Sophia fordern eine lebenslängliche Haftstrafe wegen Mordes. Die Verteidigung plädiert auf Totschlag.

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Im Fall um die getötete Studentin Sophia Lösche wurden heute am Landgericht Bayreuth die Plädoyers gehalten. Dass der 42-jährige Lkw-Fahrer die 28-jährige Tramperin aus Amberg, Sophia Lösche, im Juni 2018 getötet habe, darin war sich heute die Oberstaatsanwältin mit dem Anwalt der Familie des Opfers, aber auch mit dem Verteidiger einig. Doch in ihren Plädoyers vor dem Landgericht Bayreuth bewerteten sie den Tathergang völlig anders. Und das ist entscheidend für die Strafe: Mord oder Totschlag.

Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Haftstrafe

Die Staatsanwaltschaft fordert eine lebenslange Haftstrafe. Für sie steht fest: Der angeklagte Marokkaner sei mit der Studentin nach einem missglückten Annäherungsversuch in Streit geraten. Auf dem Autobahnparkplatz Sperbes im Landkreis Bayreuth habe er sie erst verletzt und dann – um diese Straftat zu verdecken – schließlich brutal mit seinem Radmutterschlüssel ermordet.

Verteidigung plädiert auf Totschlag

Dagegen sieht der Verteidiger eine mindestens zehnjährige Haftstrafe wegen Totschlags für angemessen. Denn gleich die ersten Schläge seien massiv und tödlich gewesen.

"Uns macht es krank, die Wahrheit nicht zu kennen"

Die Eltern und der Bruder des Opfers betonten in ihren Schlussworten, dass es ihnen nicht um Rache oder Hass gehe. Doch für sie seien auch nach 16 Verhandlungstagen noch viele Fragen offen. "Uns macht es krank, die Wahrheit nicht zu kennen“, so der Vater heute wörtlich zu dem Angeklagten. Der Lkw-Fahrer betonte, er habe nicht die Absicht gehabt, die Frau zu töten. Er habe die Nerven verloren. Die Familie plädierte, dass das Gericht in seinem Urteil die besondere Schwere der Schuld feststellt – damit könnte der Angeklagte nicht automatisch nach 15 Jahren entlassen werden.

"Sophia war nicht rettbar"

Der Anwalt der Familie betonte, dass dieser Prozess nur habe stattfinden können, weil Freunde und Verwandte schnell und hartnäckig nach Sophia Lösche gesucht und wichtige Beweismittel gesichert hätten. Zeitgleich hätten die Polizeistellen in Bayern und Sachsen noch über ihre Zuständigkeiten diskutiert, so der Anwalt. Dagegen hatte die Oberstaatsanwältin betont, dass der Mord nicht zu verhindern gewesen wäre. "Sophia war nicht rettbar“, so die Oberstaatsanwältin.

Umgang mit Vermisstenfällen

Ob man mit Vermisstenfällen anders umgehen müsse, sei eine politische Frage und könne nicht im Gerichtssaal geklärt werden. Auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks hatte das Innenministerium in München bereits zum Prozessauftakt Mitte Juli erklärt, dass organisatorische Maßnahmen zur Beschleunigung veranlasst werden. Das Urteil soll am Mittwoch der kommenden Woche fallen.