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Pink Ladies - im Einsatz für vermisste Haustiere | BR24

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Es ist eine Situation, die Tierbesitzer fürchten: Die geliebte Katze, der geliebte Hund ist verschwunden, es nagt die Ungewissheit. Die "Pink Ladies" aus Irsee bringen tote Haustiere ihren Besitzern im Allgäu zurück - und helfen als Trauerbegleiter.

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Pink Ladies - im Einsatz für vermisste Haustiere

Es ist eine Situation, die Tierbesitzer fürchten: Die geliebte Katze, der geliebte Hund ist verschwunden, es nagt die Ungewissheit. Die "Pink Ladies" aus Irsee bringen tote Haustiere ihren Besitzern im Allgäu zurück - und helfen als Trauerbegleiter.

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Von
  • Viktoria Wagensommer
  • Susanne Hofmann

Ihre leuchtend pinken Warnwesten wecken positive Assoziationen - dabei hat der Einsatz der "Pink Ladies" aus Irsee im Allgäu mit dem Tod zu tun, dem Tod von Haustieren. Wenn sie überfahren am Straßenrand liegen, weiß ihr Besitzer das meistens nicht, sondern vermisst sein geliebtes Tier. Hier treten die "Pink Ladies", 17 Allgäuer Frauen mit einem Herz für Tiere, auf den Plan.

"Es muss schnell gehen"

"Wir sind alle Tierliebhaber, teilweise schon Freaks", sagt Christiane Schrade, die Gründerin der Gruppe und als Sucherin im Ostallgäu unterwegs. Täglich bekommt sie auf ihr Smartphone Fotos toter und entstellter Haustiere, vor allem überfahrener Katzen. Ist Schrade in der Nähe des Fundorts, fährt sie sofort los: "Bei toten Tieren muss es schnell gehen." Für die Entsorgung überfahrener Haustiere sind im Allgemeinen städtische Bauhöfe oder Straßenmeistereien zuständig. Die legten aber oft kein Wert darauf, tote Haustiere ihren Besitzern zuzuordnen, beobachtet Schrade. Deshalb sei bei einer Meldung Eile geboten, damit die Tiere nicht vor ihrer Identifizierung entsorgt werden und somit für immer verschwinden.

Wichtigstes Arbeitsgerät: Ein Chip-Lesegerät

413 überfahrene oder verendete Katzen und Hunde wurden im vergangenen Jahr bei Schrade und ihren Mitstreiterinnen gemeldet - meist über Messengerdienste oder regionale Facebook-Gruppen. Die Mission der "Pink Ladies": die Tiere ihren Besitzern zurückbringen.

Im Einsatz tragen die ehrenamtlich engagierten Tierliebhaberinnen pinke Westen und pinke Gummihandschuhe. Ihr wichtigstes Arbeitsgerät: Ein Chip-Lesegerät. Denn viele der Tiere, die sie aufsammeln, sind gechipt und können so zugeordnet werden. In 178 Fällen konnten die Frauen 2019 die Besitzer ausfindig machen - und die toten Tiere ein letztes Mal zurück nach Hause bringen. Einfach ist das nicht.

Die Identifizierung ist eine Herausforderung

Denn überfahrene Haustiere seien oft völlig entstellt, sagt Schrade und zeigt Bilder auf ihrem Smartphone. "Manchmal gibt es die Katzen nur noch stückweise." Eine weitere Herausforderung: Mithilfe eines Chip-Lesegeräts können die "Pink Ladies" in Haustier-Datenbanken zwar nach den Besitzern suchen. Allerdings sind deutschlandweit mehr als die Hälfte aller Katzen und Hunde nicht in einem entsprechenden Register vermerkt. Das ergab eine Umfrage im Auftrag des Deutschen Tierschutzbundes 2018.

Den Tieren werde zwar seit 2011 ein Chip zur Kennzeichnung eingesetzt, sagt Astrid Behr vom Bundesverband Praktizierender Tierärzte. Das Registrieren in einer Datenbank würden die Besitzer aber oft vergessen. In dem Fall kann das betroffene Tier nicht identifiziert werden. Es gibt auch keine bundesweite Kennzeichnungspflicht für Haustiere, nur einen Flickenteppich aus regionalen Regelungen.

Aufwendige Detektiv-Arbeit

Für Christiane Schrade und ihre Mitstreiterinnen beginnt bei Tieren ohne Registrierung oder ganz ohne Chip eine aufwendige Detektiv-Arbeit. Helfen können auch Tätowierungen: War ein Tier zum Beispiel vor 2011 beim Tierarzt in Behandlung, besteht die Chance, es anhand einer entsprechenden Tätowierung zu identifizieren. "Nach welchem System tätowiert wird, ist aber oft unterschiedlich", sagt Christiane Schrade. "Deshalb haben wir 130 Tierärzte im Allgäu angerufen und gefragt, wie sie das machen."

Tiere sind Familienmitglieder für Betroffene

Für ihr Engagement haben die Helferinnen oft persönliche Gründe. "Pink Lady" Petra Zech zum Beispiel erzählt von ihrem Kater Franz, der nach deren Verschwinden lange auf ihre Katze Sissi wartete. Gründerin Christiane Schrade vermisst seit 2015 ebenfalls zwei Katzen. "Wir wissen alle, wie sich das anfühlt", sagt die 50-Jährige. "Wenn wir Tiere vermissen, sind das für uns Familienmitglieder."

Abschied in Würde

Deswegen gehören zur Ausrüstung der "Pink Ladies" auch Plastikblumen - für einen Abschied in Würde. "Die meisten Besitzer wollen das Tier beerdigen", sagt Schrade. "Die brauchen das zum Verarbeiten." Als Beispiele nennt sie Eltern, die ihren Kindern nun erklären könnten, was mit ihrer Katze geschehen sei. Oder ein älteres Ehepaar, deren Haustier nach dem Auszug der Kinder noch für Leben im eigenen Heim gesorgt hatte. "Du weinst dann mit diesen Menschen mit", sagt Schrade.

Seltene Glücksfälle

Ein "Scheißjob" sei das schon manchmal, sagt die 50-Jährige. Wenn man dann noch am Straßenrand als "Leichenfledderer" beschimpft werde, mache es das noch mal schwieriger. Es gebe aber auch Erfolgserlebnisse: So konnten die "Pink Ladies" einen Kater, der seit Ende Januar vermisst war, nach einem knappen halben Jahr zu seinem Besitzer zurückbringen - lebendig. Auch wenn solche Fälle eher die Ausnahme sind: Gewissheit für die trauernden Besitzer der Haustiere ist für die "Pink Ladies" Motivation genug.

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  • Viktoria Wagensommer
  • Susanne Hofmann
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