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Projekt "Tele-Notarzt": Rettung für Patienten auf dem Land? | BR24

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Tele-Notarzt

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    Projekt "Tele-Notarzt": Rettung für Patienten auf dem Land?

    Was tun, wenn der Fachkräftemangel auf dem Land Rettungsdienste und ärztliche Notfallversorgung erreicht? Das Projekt "Tele-Notarzt" sucht in Niederbayern seit einem Jahr Lösungen per Telemedizin. Was heißt das für Patienten und Rettungsteams?

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    Der Tag beginnt früh für Jennifer Ernst und Stephan Andresen. Es ist Donnerstag, sieben Uhr morgens, Arbeitsbeginn an der Rettungswache Deggendorf-Nord für ein besonderes Team. Zunächst werden das Fahrzeug und das Einsatzmaterial gecheckt.

    Zur gleichen Zeit in der Leitstelle Straubing: Arbeitsbeginn auch für einen besonderen Notarzt, Markus Wertmann. Er ist Tele-Notarzt und wird die Deggendorfer aus der Ferne dirigieren.

    "Auf der einen Seite ist ein Tele-Notarzt nichts anderes als ein regulärer Notarzt draußen am Patienten. Was man hier wirklich lernen muss, ist aber, dass man den Patienten nicht in dem Sinne untersuchen kann: Jemand hat Bauchweh, da wird man in der Regel hingehen und sagt, ok, tut's mehr rechts, mehr links, mehr oben, mehr unten weh? Diese Möglichkeit haben wir hier nicht." Markus Wertman, Tele-Notarzt

    Tele-Notarzt-Team seit einem Jahr im Einsatz

    "Tele-Notarzt" heißt das Pilotprojekt, das die Notfallversorgung auf dem Land künftig verbessern soll. Schon seit gut einem Jahr sind die Deggendorfer als Tele-Notarzt-Team unterwegs.

    Stephan Andresen vom Team Deggendorf 71-3 fährt eine spezielle Kamera hoch, die von nun an das Auge des Notarztes sein wird. Lebensrettende Medikamente dürfen die Sanitäter aber nicht verabreichen - das dürfen sie nur mit ärztlicher Unterstützung. Gleich darauf ertönt von der Straubinger Leitstelle aus der erste Alarm.

    "Wir fahren jetzt ins BRK-Altenheim auf einen Notarzteinsatz Neurologie. In der Bemerkung steht, dass der Patient zu hohen Blutdruck und eine verwaschene Sprache hat. Das könnte ein Schlaganfall sein, wir müssen uns erst mal anschauen, was genau vorliegt." Stephan Andresen

    Ferneinsatz nur mit Einverständnis des Patienten oder seines Betreuers

    Mit der kompletten Notfallausrüstung inklusive Bodycam geht es eilig ins Altenheim. Doch dann kommt der Datenschutz dem Team in die Quere. Die Aktivierung des Tele-Notarztes muss abgebrochen und ein regulärer alarmiert werden. Denn der Betreuer der Patientin müsste für den Ferneinsatz sein Einverständnis geben, ist aber nicht erreichbar. Zum Glück ist das Altenheim des Deggendorfer Klinikums nur wenige hundert Meter entfernt.

    "Ja, helfen konnten wir, aber eben nicht mit dem Tele-Notarzt. Mit dem wäre es jetzt natürlich einfacher gewesen, weil wir uns den physischen hätten sparen können. Der ist jetzt wegen einer Lapalie, die wir allein auch hätten behandeln können, angerückt." Stephan Andresen

    Projekt "Tele-Notarzt" als Reaktion auf Ärztemangel

    Der Ärztemangel gab für das bayerische Pilotprojekt den Anstoß. Denn auf dem Land gehen die Zahlen der Krankenhäuser und Ärzte seit Jahren zurück. Die Folge: Manche Notfall-Stützpunkte sind über Stunden verwaist und die Anfahrtswege werden für die Sanitäter immer länger.

    Ein weiterer Einsatz für das Deggendorfer Team: mit Sirene und Vollgas zu einer älteren Frau mit Schmerzen im Bauchraum. Eine Nachbarin hat die Leitstelle alarmiert. Diesmal darf der Tele-Notarzt eingeschaltet werden.

    "Seit gestern Nacht linksseitige abdominelle Beschwerden, so ausstrahlend, sie hat jetzt Angst, dass sie womöglich einen Darmverschluss hat. Sie gibt Schmerzen auf einer Skala von eins bis zehn so sieben, acht an. Ich könnte dir gleich die Vitaldaten per Telemetrie schicken, wenn du willst."

    Direkt vom Rettungswagen aus können Videos, Fotos und Vitaldaten wie EKG-Werte in Echtzeit übertragen werden. Der Tele-Notarzt kann sich so und mit Hilfe der Sanitäter ein Bild von der medizinischen Situation vor Ort machen und die lebensrettenden Medikamente verordnen.

    Unter Überwachung von Blutdruck und EKG werden auf Anweisung des virtuellen Notarztes Blutdrucksenker und Schmerzmittel verabreicht, dann ist die Patientin stabil genug für den Transport ins 20 Minuten entfernte Krankenhaus. Wertvolle Zeit ist gewonnen worden durch den Einsatz der Telemedizin, der Sinn des Pilotprojektes.

    Und dann geht es für das Team zurück zur Wache. Tele-Notarzt und Deggendorf 71-3 sind für den nächsten Einsatz bereit.