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Bildrechte: Stadt Deggendorf

Die Stadt Deggendorf will Schulunterricht im Freien ermöglichen. Dazu könnten Schülerinnen und Schüler in Festzelten unterrichtet werden. Oberbürgermeister Christian Moser hat das Projekt vorgestellt.

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Pilotprojekt: Stadt Deggendorf will Unterricht in Festzelten

Die Stadt Deggendorf will Schulunterricht im Freien ermöglichen. Dazu könnten Schülerinnen und Schüler in Festzelten und auf Fußballplätzen unterrichtet werden. Das Pilotprojekt liegt nun dem Kultusministerium zur Genehmigung vor.

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  • Sarah Beham
  • BR24 Redaktion

Die Stadt Deggendorf will Unterricht in Festzelten und auf Fußballplätzen ermöglichen - doch dafür braucht es noch die Genehmigung aus dem Kultusministerium. Deggendorfs Oberbürgermeister Christian Moser (CSU) hat heute sein Pilotprojekt "Schule im Freien - wohl bedacht" vorgestellt.

Nach Monaten zuhause: Schule im Freien

Mit diesem Projekt will die Stadt endlich wieder Unterricht im Klassenverbund ermöglichen - inzidenzunabhängig - wie es heißt. Die Schüler in Stadt und Landkreis sind seit Monaten im Homeschooling wegen Corona.

Für das Pilotprojekt will Moser Festzelte auf Sport- oder Fußballplätzen in der Nähe von Schulen aufstellen: "Die Zelte sind 300 Quadratmeter groß, ein normales Klassenzimmer nur 70 Quadratmeter." Somit wäre genug Platz für die ganze Klasse, die Schüler könnten genug Abstand einhalten, so Moser. Außerdem wären die Zelte bei schlechtem Wetter überdacht, die Seitenwände könnten während des Unterrichts offenbleiben zum Durchlüften.

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Unter so einem Zelt könnte "Schule im Freien" stattfinden

Lehrer sprechen durch Mikrofone

Müssen die Schüler Toiletten aufsuchen, könnten sie die bestehenden Sanitäreinrichtungen der Sportvereine nutzen. Die Zelte sollten mit Lautsprecheranlagen ausgestattet werden, die Lehrer würden mit Mikrofonen Unterricht halten. "Wir müssen andere und neue Wege gehen, um den Unterricht zu ermöglichen", so der Oberbürgermeister. Das Pilotprojekt wäre so ein Ansatz.

Grundschule Rettenbach als Pilotschule

Das staatliche Schulamt hat laut Moser Gefallen an der Idee gefunden. "Die sagen auch, wir brauchen neue Ideen." Für das Pilotprojekt hat Moser laut eigener Aussage schon eine Schule gefunden, die Unterricht in Festzelten abhalten könne und wolle: die Grundschule Rettenbach. Insgesamt gibt es hier rund 100 Schüler in den Klassenstufen 1 bis 4. "Wenn sich die Schüler wieder in ihrem Klassenverband sehen könnten, wäre es für sie gut, aber auch für die Eltern", meint Christian Moser.

Einnahmequelle für Festzeltbesitzer

Die Ansteckungsgefahr sei in den Festzelten gering. "Wir sehen gerade, wie alle Feste abgesagt werden. Die Festzeltverleiher wären vielleicht auch froh, wenn sie uns die Zelte leihen könnten." Pro Zelt und somit pro Klasse rechnet Moser mit Kosten in Höhe von 10.000 Euro. Das müsse die Stadt zahlen - aber Moser hofft auf finanzielle Unterstützung vom Ministerium.

Pilotprojekt: Vorbild für ganz Bayern?

Ohnehin brauche es für das Pilotprojekt zunächst die Genehmigung von Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler). Moser hofft darauf, und sollte auch noch finanzielle Unterstützung aus München kommen, wäre man sofort bereit.

"Auch wenn sich die Idee im ersten Moment crazy anhört, sollte man darin Chancen sehen. Man muss sich irgendwo trauen, loszugehen." Christian Moser, Oberbürgermeister in Deggendorf

Seine Idee hat Moser heute ans Kultusministerium geschickt. Er sieht darin ein Vorbild für ganz Bayern, um Schüler wieder in den Präsenzunterricht zu holen - zumindest für die Sommermonate.

BLLV begrüßt kreative Ideen zum Präsenzunterricht

Das in Deggendorf geplante Pilotprojekt stößt beim Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) grundsätzlich erst einmal auf Zustimmung. Alles was regional machbar sei, um Präsenzunterricht zu ermöglichen, sei gut, sagte Simone Fleischmann, BLLV-Präsidentin auf Nachfrage des BR. Voraussetzung müsse sein, dass die Gesundheit der Lehrer und selbstverständlich nicht zuletzt der Schüler gewährleistet werden könne. "Wenn sich herausstellen sollte, dass Unterricht in Bierzelten vor Ort die Lösung der Wahl ist, und damit auch alle mitgehen, dann kann man sich solche kreativen Lösungen gut überlegen", so Fleischmann. Keine Frage, der Präsenzunterricht sei das, wonach sich alle sehnen. Solche Konzepte müssten dann aber vor Ort entschieden und koordiniert werden, mit den Lehrern, den Schulleitern und den kommunalen Sachaufwandsträgern. "Es muss stimmig sein für vor Ort", sagt Fleischmann. Und der Gesundheitsschutz müsse Vorrang haben.

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