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Vom Klinikum Ingolstadt aus sollen schon bald Drohnen lebenswichtige Medikamente zu kleineren Krankenhäusern in der Region transportieren

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Pilotprojekt in Ingolstadt: Medikamente per Drohne

Im Notfall zählt jede Minute. Wenn ein wichtiges Medikament für eine Notoperation fehlt, bringt das gewöhnlich ein Kurier per Auto. Damit das künftig schneller geht, sollen am Klinikum Ingolstadt schon bald Drohnen zum Einsatz kommen.

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Von
  • Christoph Dicke

Der Flug ist fast lautlos. Mit drei kleinen Elektro-Propellern surrt die Drohne über das Testgelände in Gilching bei München. Hier sitzt der Entwickler und Hersteller der kleinen, weißen Trinity-Fluggeräte. Sie sehen aus wie Modell-Segelflieger. Spannweite: über 2 Meter, Gewicht: keine fünf Kilo.

Diese Drohnen der als Start-Up begonnenen Firma Quantum Systems sollen die Zukunft sein für den eiligen Medikamententransport. Durch ihre verstellbaren Propeller können sie senkrecht starten und landen. Am Klinikum Ingolstadt ist nun das Pilotprojekt „Med in Time“ gestartet. Ziel in zwei Jahren: der Medikamententransport per Drohne. Der Bund fördert das Projekt mit rund einer Million Euro.

Technische Herausforderungen für die kommenden Jahre

Firmengründer Florian Seibel sieht noch viel Entwicklungsarbeit in dem auf zwei Jahre angelegten Projekt. Denn gerade in den Wintermonaten können schnell die Propeller einfrieren. "Das sind technische Herausforderungen, die wir in den nächsten Jahren meistern müssen, um eben solche kleinen Propeller enteisen zu können.“

Drohne in einer halben Stunde an der Ilmtalklinik

Die eiligen Medikamente, die Leben retten, sind in einer kleinen Box im Rumpf der Drohne verstaut. Testpartner ist das Klinikum Ingolstadt, das in der Region über den größten Vorrat an Notfallmedikamenten verfügt. Es beliefert Rettungsdienste und Krankenhäuser der Umgebung – wie die Ilmtalklinik in Pfaffenhofen an der Ilm. Ein Auto-Kurier benötige vom Ingolstädter Westen nach Pfaffenhofen rund 50 Minuten – aber nur bei normalem Verkehr, sagt Klinik-Apothekenleiter Peter Linhardt: "Dagegen ist eine Drohne, da es in der Luft kaum Staus gibt, wahrscheinlich immer in 30 bis 35 Minuten vor Ort.“ Maximal 100 km/h schnell sind die Trinity-Drohnen, je nach Wind. Bei starkem Sturm müssen sie allerdings am Boden bleiben.

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Klinikum Ingolstadt - mit 1.200 Betten das größte Krankenhaus der Region

Drohnen sollen in zwei Jahren Notfalldienst übernehmen

In zwei Jahren sollen die Drohnen den Notfalldienst übernehmen. Wenn zum Beispiel ein Patient, der mit Blutverdünnern behandelt wird, plötzlich notoperiert werden muss, dann braucht er so schnell wie möglich ein Gegenmittel, damit er bei der OP nicht zu viel Blut verliert.

Doch diese Medikamente sind sehr teuer. Werden sie nicht gebraucht, verfallen sie. Eine zentrale Verteiler-Apotheke sei daher sinnvoll, um die kleinen Häuser zu entlasten, sagt Linhardt: "Da kostet eine Packung schon mal 1.000 Euro.“ Wenn bei solchen Medikamenten nach zwei Jahren das Haltbarkeitsdatum abläuft, hat die Klinik den Schaden. Dann lieber Geld sparen durch die Just-in-Time-Lieferung per Drohne. Die Notfall-Flüge auf Anforderung sollen jedenfalls billiger sein als die Ausfälle durch abgelaufene Medikamente.

Neue Gesetzeslage hilft den Medikamenten-Drohnen

Bislang allerdings dürfen Drohnen hierzulande nicht außerhalb der Sichtweite fliegen. Das ändert sich zum Jahreswechsel, freut sich Quantum-Chef Florian Seibel, wenn EU-Recht zu unbemannten Flugkörpern in deutsches Recht übernommen wird: "Dann werden Flüge auch außerhalb der Sichtweite möglich sein – also entlang von Bahntrassen, über Felder (…) und auch der Transport von Medikamenten ist da erfasst.“

Dann könnte es eng werden im Luftraum – auch wenn die Drohnen nicht höher als hundert Meter über der Erde fliegen dürfen. "Was nicht passieren darf, ist, dass der Rettungshubschrauber eine Drohne trifft. Das wäre ein Worst-Case-Szenario. Die beiden Systeme müssen miteinander sprechen und interagieren“, sagt Seibel - damit die Drohnen, deren Ziele und Routen einprogrammiert sind, notfalls selbständig ausweichen können.

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