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Pilotprojekt für Bewässerung: Winzer aus Iphofen wollen Zuschuss | BR24

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Die geringen Niederschläge machen Frankens Weinbauern zu schaffen. Auf der Suche nach Lösungen will das bayerische Umweltministerium nun drei Pilotprojekte für Bewässerung von Weinbergen fördern.

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Pilotprojekt für Bewässerung: Winzer aus Iphofen wollen Zuschuss

Das Bayerische Umweltministerium will drei Pilotprojekte für Bewässerung im Freistaat fördern. Auch der Weinbauort Iphofen bewirbt sich um Zuschüsse für sein Projekt. Die Winzer planen, Wasser aus dem Main in die Weinberge zu transportieren.

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Von
  • Jürgen Gläser

Der Klimawandel ist längst in Bayern angekommen. 2018, 2019 und teilweise auch in diesem Jahr war es viel zu trocken und zu heiß. Der Kampf gegen die Trockenheit hat begonnen. Das bayerische Umweltministerium will nun drei Pilotprojekte für Bewässerung im Freistaat fördern: Jeweils eins für Gemüse, für Hopfen und für Wein. Mitte Dezember endet die Bewerbungsfrist. Acht Weinbauorte aus Franken bewerben sich mit ihren Bewässerungsprojekten für die Förderung, darunter auch Iphofen im Landkreis Kitzingen. Es geht es um viel Geld und um die Zukunft des Weinbaus.

Wasser aus dem Main für die Weinberge

An der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG) im unterfränkischen Veitshöchheim befasst sich der Weinbauökonom Daniel Heßdörfer mit dem Wasserbedarf für den Weinbau in Franken. 6.200 Hektar Weinberge gibt es derzeit. Um mit dem Klimawandel zurecht zu kommen, müssten 2.000 Hektar davon künftig bewässert werden.

1,3 bis 1,5 Millionen Kubikmeter Wasser werden dafür gebraucht, hat Daniel Heßdörfer berechnet. Dieses Wasser soll in den Wintermonaten aus dem Main entnommen und in Speicherseen und -becken gelagert werden. "Wir müssen dafür nur zwei Prozent der Durchflussmenge entnehmen und hätten an fünf Tagen den Wasserbedarf für den ganzen Sommer gedeckt", sagt Heßdörfer.

Winzer in Iphofen bewerben sich um Förderung

Wasser aus dem Main in die Weinberge zu bringen, planen auch die Winzer in Iphofen im Landkreis Kitzingen. Denn am Steigerwaldrand fehlt Wasser, sagt Johannes Ruck, der Vorsitzende des Weinbauvereins: "Das Wasserwirtschaftsamt erlaubt uns, im Winter Wasser aus dem Main in Kitzingen zu entnehmen." Von dort aus soll das Wasser über eine sieben Kilometer lange Pipeline in einen Speichersee nach Iphofen gepumpt werden. Im Sommer soll es dann weiter über Leitungen hinauf in die Weinberge kommen. Mit diesem Projekt bewerben sich die Winzer aus Iphofen für die Förderung des Bayerischen Umweltministeriums.

Klimawandel sorgt für Ertragseinbußen

Wenn Iphofen den Zuschlag für das Projekt bekäme, würde der Freistaat die Hälfte der Kosten und damit acht Millionen Euro übernehmen. Für jedes Weingut blieben damit rund 30.000 Euro je Hektar Rebfläche als Eigenanteil. "Das ist viel Geld. Aber es ist eine Investition in die Zukunft", sagt Matthias Mend von der LWG in Veitshöchheim. Er hat die Wirtschaftlichkeit des Projekts berechnet. Mend geht davon aus, dass durch den Klimawandel auf jeden Betrieb Ertragseinbußen von bis zu 20 Prozent zukommen – ohne Bewässerung.

Weinbau und Landwirtschaft auf Zuschüsse angewiesen

Egal, ob beim Gemüseanbau in Niederbayern, beim Hopfenanbau in Mittelfranken oder im fränkischen Weinbau – ohne eine Bezuschussung durch den Freistaat Bayern werde die Bewässerung künftig nicht funktionieren, sagt Andreas Maier, Präsident der LWG in Veitshöchheim: "Ich sehe diese Aufgabe nicht nur auf den Wein bezogen, sondern als gesamtgesellschaftliche Aufgabe."

Man könne das mit der Flurbereinigung und der Dorferneuerung vergleichen, wofür der Freistaat Bayern sehr viel Geld in die Hand genommen habe, um die ländlichen Räume und den Weinbau zu stützen. Allein durch den Weintourismus bleiben laut Maier jährlich über drei Milliarden Euro Umsatz in der Region.

Entscheidung fällt im Januar

Ohne ein staatlich gefördertes Bewässerungssystem sieht Winzer Johannes Ruck für den Weinbau in Iphofen schwarz: "Ohne Wasser schaut es hier im Keuper schlecht aus. Das wäre das Ende des Weinanbaus in Iphofen." Im Januar 2021 will das Bayerische Umweltministerium entscheiden, wer den Zuschlag für die drei Pilotprojekte in Bayern erhält.

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Das Bayerische Umweltministerium will drei Pilotprojekte für Bewässerung im Freistaat fördern. Auch der Weinbauort Iphofen bewirbt sich um Zuschüsse für sein Projekt. Die Winzer planen, Wasser aus dem Main in die Weinberge zu transportieren.

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