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Pietät contra Infektionsschutz: Beerdigungen in Corona-Zeiten | BR24

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Diejenigen, die ein Todesfall betrifft, erleben momentan Beerdigungen, die steril und seltsam weit weg wirken. Auch das Sterben ist sehr viel einsamer als zuvor.

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Pietät contra Infektionsschutz: Beerdigungen in Corona-Zeiten

Schwierige Zeiten für Hinterbliebene: Wegen der Corona-Krise gelten auch für Beerdigungen strenge Bestimmungen. Zum Beispiel müssen die Trauernden am Grab einen Mindestabstand einhalten. Andernfalls muss der Bestatter einschreiten.

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So nah wie in diesen Zeiten ist das Thema Tod selten. Jeden Tag berichten die Nachrichten, wie viele Menschen wieder an oder mit Corona gestorben sind. Diejenigen, die ein Todesfall betrifft, erleben allerdings momentan Beerdigungen, die steril und seltsam weit weg wirken.

Strenge Regeln bei einer Beerdigung

Das Sterbeglöckchen läutet noch, wenn jemand gestorben ist. Aber sonst ist alles anders bei einer christlichen Beerdigung. Kein Rosenkranzgebet in der Kirche, keine Messe, kein Trauerzug.

Sarg oder Urne müssen schon am Grab stehen, wenn die Beerdigung beginnt, sagt Sepp Schlecht. Er ist Diakon im Pfarrverband Bodenmais-Böbrach im Kreis Regen und hat in den letzten Wochen zusätzlich als Seelsorger in Viechtach bei Beerdigungen ausgeholfen, weil der Viechtacher Pfarrer selbst an Corona erkrankt und in Quarantäne war. Nicht einmal die Trauergäste dürfen sich umarmen, erzählt er weiter. Nur maximal 15 Verwandte ersten und zweiten Grades sind zugelassen, im Sicherheitsabstand von eineinhalb Metern zueinander um das Grab. Der Sarg wird erst ins Grab abgesenkt, wenn alle weg sind und der Beerdigungstermin darf nicht öffentlich bekannt sein.

Der Tod lässt sich nicht verschieben

Verboten ist sogar, sich nach der Bestattung noch zuhause zusammenzusetzen. Die meisten Hochzeiten werden mangels offener Wirtshäuser verschoben, Taufen ebenfalls, weil dort nur noch maximal fünf Angehörige dabei sein dürfen. Aber den Tod kann man nicht verschieben und auch nicht das derzeit oft recht einsame Sterben.

In den Kliniken herrscht Besuchsverbot. Sterbebegleitung ist nur noch am Telefon erlaubt, wenn der Patient überhaupt noch sprechen kann. Am schlimmsten finden die Seelsorger, dass auch Angehörige nur noch in Ausnahmefällen in die Kliniken dürfen. Nicht mehr rechtzeitig an das Sterbebett zu kommen, ist später extrem belastend.

Trauermessen nachholen - nur wann?

Sterben und Tod brauchen Rituale. Wenigstens die ausgefallenen Trauermessen sollen häufig nachgeholt werden, wahrscheinlich gemeinsam für alle Toten einer Pfarrei. Nur wann das sein wird, das ist noch völlig unklar.