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Piazolo will Druck in der Grundschule frühzeitig abfangen | BR24

© pa/dpa/Patrick Pleul

Schulkinder

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    Piazolo will Druck in der Grundschule frühzeitig abfangen

    Bei manchen Kindern entsteht der Eindruck, es ginge um Leben und Tod statt um den Übertritt auf die weiterführende Schule, berichten Lehrerinnen bei "jetzt red i". Kultusminister Piazolo schlägt Maßnahmen vor, um den Druck frühzeitig abzufangen.

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    Emil geht in die vierte Klasse und erzählt in der Sendung "jetzt red i" davon, dass sich einige Mitschüler inzwischen nicht mehr zum Spielen verabreden möchten. "Ich habe keine Zeit, ich muss lernen", heiße es dann. Der Grund: Es bleibt nicht mehr viel Zeit bis zu den Übertrittszeugnissen. "In unserem Umfeld wünschen sich alle: Mein Kind soll aufs Gymnasium", erzählt Emils Mutter. Entsprechend hoch sei der Druck. "Ich finde das schlimm", sagt Emil. Zustimmendes Nicken im Publikum und auch auf dem Podium von Kultusminister Michael Piazolo (FW) und dem Vorsitzenden des Bildungsausschusses Markus Bayerbach (AfD).

    "Mama, dieses Jahr geht es um Leben und Tod"

    Der Druck werde von oben nach unten bis zu den Schülern weitergegeben, kritisiert eine Mutter und fordert eine Änderung des Systems. Welche Ausmaße das in der Grundschule annehmen kann, erzählen Eltern und Lehrerinnen: "Wegen der Noten bin ich hoffnungslos" habe ein Schüler seiner Mutter in einem Brief geschrieben und ein anderer habe nach der ersten Woche in der vierten Klasse zuhause erzählt: "Mama, dieses Jahr geht es um Leben und Tod."

    Individuelle Förderung und Beratung sollen verbessert werden

    Erstmals seit 60 Jahren ist das Bildungsministerium nun nicht in CSU-Hand, sondern wird von den Freien Wählern geführt. Kultusminister Michael Piazolo stellt aber klar: "Es gibt kein System ohne Druck und es gibt kein perfektes System." Trotzdem müsse man versuchen, die Angst vor dem Übertritt zu verringern.

    "Dass wir noch stärker den einzelnen Schüler in den Blick nehmen. Individuelle Förderung angesichts einer sehr heterogenen Gesellschaft. Und ich möchte auch die Beratung stärken. Mehr Schulpsychologen, mehr Sozialpädagogen. Dass man hier solche Dinge auch abfängt. (…) Es muss irgendwo ein Druck da sein und das müssen wir frühzeitig abfangen." Kultusminister Michael Piazolo (FW)

    Die Maßnahmen der letzten Jahre in der Schulpolitik hätten eigentlich zum Ziel, das System zu flexibilisieren und den Druck zu nehmen, so der Minister. Die Noten seien verändert worden, Probeunterricht möglich und der Elternwille sei gestärkt worden. Jetzt ginge es darum, mehr Grundschullehrer auszubilden und einzustellen. Entsprechendes sei mit dem kürzlich verabschiedeten Haushaltsplan der Staatsregierung möglich: "Über 50 Prozent aller neuen Stellen sind Lehrer", betont der Minister.

    Imageproblem: Mittelschule ist mehr als nur "Restschule"

    Die Vorschläge aus dem Publikum, was sich ändern könnte, sind vielfältig. Viele Eltern wünschen sich eine individuellere, ganzheitliche Förderung. Damit es am Ende nicht nur um den Notendurchschnitt in Deutsch, Mathe und Heimat- und Sachunterricht geht. Für den Übertritt aufs Gymnasium braucht man derzeit einen Schnitt von 2,33 in diesen Fächern. Aber auch eine Verlängerung der gemeinsamen Schulzeit bis in die fünfte, sechste oder sogar zehnte Klasse halten manche für einen besseren Weg. Diese Option schließt Kultusminister Michael Piazolo aus. Auch AfD-Politiker Markus Bayerbach will am bestehenden System festhalten. Seiner Meinung nach müsse das Ansehen von Real- und vor allem Mittelschule wieder aufgewertet werden.

    "Wir haben viele Kinder, die eigentlich nicht aufs Gymnasium gehören, aber der Ehrgeiz der Eltern ist so. Wir haben Eltern, die ihre Kinder gut einschätzen können, wir haben Eltern, die ihre Kinder sehr schlecht einschätzen können oder auch nicht mit unserem deutschen Bildungssystem vertraut sind." Markus Bayerbach (AfD)

    Wie sehr die Mittelschule unter ihrem Image leidet, verdeutlicht ein Lehrer in der Sendung. Die Schüler müssten in der fünften Klasse erst einmal aufgebaut werden, bis sie merken, dass die Mittelschule nicht schlimm ist. "Die Mittelschule soll keine Restschule sein, sondern als weiterführende Schule angesehen werden", fordert er. Schließlich führe sie zu dualer Ausbildung im Handwerk. Vielleicht nimmt das ja dem ein oder anderen den Druck vor dem Übertritt.