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Piazolo sagt Distanzunterricht ab – Schulleiter verärgert | BR24

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Symbolfoto: Ein junges Maedchen sitzt am Wohnzimmertisch an einem Laptop und macht Homeschooling

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    Piazolo sagt Distanzunterricht ab – Schulleiter verärgert

    Morgen beginnt der Lockdown in Bayern – nicht nur die meisten Geschäfte, auch alle Schulen und Kitas schließen. Viele Schulen haben sich auf Distanzunterricht vorbereitet – doch die Ansage aus dem Kultusministerium lautet dagegen: Distanzlernen.

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    Von
    • Eva Eichmann
    • BR24 Redaktion

    Die meisten Schülerinnen und Schüler in Bayern werden ab morgen allein vor ihrem Schulstoff sitzen. Denn nur für die Abschlussklassen und an den beruflichen Schulen gibt es tatsächlich Distanzunterricht. Für die restlichen Schüler ist "Distanzlernen" angesagt – ein kleiner, aber wichtiger Unterschied im Vokabular des Kultusministers Michael Piazolo (Freie Wähler). In einem Schreiben aus dem Kultusministerium von gestern heißt es: "Letzter Unterrichtstag vor Weihnachten ist bereits am Dienstag. In den Abschlussklassen einschließlich der Q11 des Gymnasiums findet verpflichtender Distanzunterricht statt."

    Für alle anderen Klassen damit nicht. In einem Brief des Ministers an die Eltern im Freistaat heißt es dazu klipp und klar: "Distanzunterricht findet in den betreffenden Klassen nicht statt. Die Lehrkräfte stellen aber für die unterrichtsfreien Tage Materialien zum Üben, Vertiefen und Wiederholen zur Verfügung."

    Grüne werfen Piazolo "Kapitulation" vor

    Für Max Deisenhofer, den bildungspolitischen Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion, eine Kapitulation des Ministers. Dass nach acht Monaten Pandemie jetzt nicht flächendeckend Distanzunterricht stattfindet, das habe ihn doch überrascht, sagt er dem BR. "Anscheinend traut das Ministerium es den Schulen oder der eigenen Lernplattform Mebis immer noch nicht zu, digitalen Unterricht dann auch hinzubekommen", so Deisenhofer. Besonders ärgerlich sei das für alle Lehrerinnen und Lehrer, die in den letzten Tagen jetzt schon den Distanzunterricht vorbereitet hätten. Statt Laptop und Lederhose hieße es also weiterhin Arbeitsblatt und Lederhose an Bayerns Schulen, ärgert sich Deisenhofer.

    Schulen kündigen Online-Unterricht an und sagen ihn wieder ab

    Viele Schulen in Bayern hatten bereits Online-Unterricht vorbereitet und angekündigt. Jetzt rudern sie zurück und informieren die Eltern, dass kein Unterricht per Video stattfinden wird. Viele Schulleiter und Schulleiterinnen sind verärgert. Ein Schulleiter aus Oberbayern schreibt auf Facebook: Es sei "zum in die Tischkante beißen – wir haben alles fertig und könnten am Mittwoch perfekt vorbereitet in den Distanzunterricht starten, und dann kommt 36 Stunden vorher die Info aus dem Kultusministerium." Unverständnis kommt auch von den Eltern. In manchen Schulen – die in Corona-Hotspots liegen – wird bereits im Distanzunterricht unterrichtet. Doch auch der endet morgen.

    Kultusministerium will nichts verbieten

    Im Kultusministerium zeigt man sich überrascht von den verunsicherten Schulen. Ein Sprecher sagte, man habe versucht, den Druck aus den Schulen nehmen. Außerdem gehe es ja nur um drei Schultage. Verbieten wolle man den Distanzunterricht nicht. Vielleicht müsse man noch mal auf die Schulleiter zugehen und sie informieren.

    Lehrerverband kritisiert "katastrophales Krisenmanagement"

    Das Kultusministerium steht allerdings nicht nur wegen der Frage des Distanzunterrichts in der Kritik. Heinz-Peter Meidinger, der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, wirft den Landesregierungen und Schulministerien in der Corona-Pandemie ein "teilweise katastrophales Krisenmanagement" vor.

    Man habe es versäumt, sich auf eine neue Phase des Wechselunterrichts vorzubereiten, etwa durch mehr Tempo bei der digitalen Modernisierung der Schulen, sagte Meidinger der "Passauer Neuen Presse". "Das rächt sich jetzt." Oft mangele es an schnellem Internet. "Bei der Versorgung der Schulen mit schnellem Internet stehen wir nicht viel besser da als im März diesen Jahres. Und schnelles Internet ist die Grundvoraussetzung dafür, dass Videokonferenzsysteme funktionieren", sagte Meidinger. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands fordert deswegen ein Gesamtkonzept, "wie in Pandemie-Zeiten die Bildungsqualität und die Zukunftschancen unserer Kinder und Jugendlichen gesichert werden können."

    Landes-Eltern-Vereinigung mit Brandbrief im November

    Noch im November hatte auch die Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien in einem Brandbrief an Kultusminister Piazolo beklagt, dass an den Schulen "digitales Chaos" herrsche. Den Schulen fehle auch der technische Support.

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