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Das Kultusministerium hat am Mittag ausdrücklich klargestellt: Distanzunterricht in den Schulen bleibt vor Weihnachten grundsätzlich möglich.

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Piazolo reagiert: "Distanzunterricht weiter möglich"

Nach teils heftiger Kritik an Kultusminister Piazolo hat sein Haus die Vorgaben für die Schulen präzisiert: Selbstverständlich sei Distanzunterricht "weiterhin möglich", teilte das Ministerium mit. Piazolo selbst wies Rücktrittsforderungen zurück.

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Von
  • Petr Jerabek

Wegen Corona müssen am Mittwoch alle Schulen in Bayern schließen. Dann soll es laut bayerischem Kultusministerium bis Ende der Woche nur für alle Abschlussklassen sowie die Q11 des Gymnasiums einen "verpflichtenden Distanzunterricht geben". Für alle anderen Klassen findet er "nicht statt", wie Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) in einem Brief an die bayerischen Eltern schrieb. Für diesen überwiegenden Teil der Schüler solle "Distanzlernen" angeboten werden. Dabei sollen die Kinder und Jugendlichen eigenständig wiederholen, üben und vertiefen. Oppositionspolitiker sowie Lehrer und Schulleiter werteten dies als Verbot des Distanzunterrichts und reagierten teils empört.

Piazolo wehrt sich gegen Kritik

Das Kultusministerium stellt nun in einer Pressemitteilung klar, dass der Distanzunterricht "weiterhin möglich" bleibe - wiederholt allerdings, dass für die meisten Jahrgangsstufen "Angebote zum Distanzlernen bereitgestellt" würden. Ein besonderes Augenmerk gelte in diesen Tagen den Abschlussklassen, für die übrigen Jahrgangsstufen habe man sich "bewusst uns gegen verpflichtenden Distanzunterricht entschieden - auch, um in der besonderen Lage kurz vor Weihnachten etwas Druck von allen Beteiligten zu nehmen". Selbstverständlich könne "die Schule dabei – je nach Gegebenheiten vor Ort – auch alle digitalen Formen und Strukturen des Distanzunterrichts nutzen".

Piazolo sagte dem BR, im Grunde ändere es sich gar nicht so viel. Man habe den Schulen nur mehr Flexibilität ermöglichen wollen. Rücktrittsforderungen wies er zurück.

Der Minister verteidigte in der Rundschau im BR Fernsehen zudem die immer wieder als instabil kritisierte Lernplattform Mebis. Im Sommer sei die Plattform getestet worden. Jetzt müsse sich das System in der Praxis bewähren. Mebis laufe weitgehend zuverlässig, nur morgens zwischen 8 und 9 Uhr ruckele es manchmal. Piazolo versprach hier Abhilfe, die Techniker seien dran.

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Kultusminister Piazolo nimmt in der Rundschau im BR Fernsehen Stellung.

Schulleiter: Chance vertan

So mancher Lehrer und Schulleiter in Bayern hatte das Schreiben des Ministers als klares Distanzunterricht-Verbot verstanden und bereits geplante oder sogar vorbereitete Angebote daraufhin wieder abgesagt. Der Brief enthalte eine Vorgabe, die er kaum ignorieren könne, twitterte beispielsweise ein oberbayerischer Realschulleiter und zeigte sich enttäuscht. "Bäm. Kein Distanzunterricht für die Jahrgangsstufen 5 bis 9 vorgesehen, nur Material verteilen. Alle Vorbereitungen umsonst." Das sei eine "vertane Chance, in großem Stil zu testen, was funktioniert und wo es hakt". Auch von anderen Lehrern findet man in den sozialen Netzwerken ähnliche Kritik.

Die Initiative "Familien in der Krise" zeigte ebenfalls wenig Verständnis für das Vorgehen des Ministeriums. Es sei "einfach nur schleierhaft", warum engagierte Lehrkräfte und lernwillige Schülerinnen und Schüler "hier einfach so ausgebremst werden", sagte Tobias Oelbaum von der Initiative. Statt Unterricht daheim hätten die Schüler "jetzt halt frei". Die Anzahl der Kontakte werde das nicht verringern. "Und warum man sich den Luxus weiterer fehlender Schulstunden leistet, weiß wohl allein Kultusminister Piazolo."

FDP: "Pleiten, Pech und Piazolo"

Die FDP-Landtagsfraktion forderte sogar Piazolos Rücktritt. "Den sogar in der Schulordnung verankerten Distanzunterricht abzusagen, ist eine Kapitulationserklärung", sagte FDP-Bildungsexperte Marin Fischbach der dpa. In der Corona-Krise zeigten sich die Schwächen des Ministers überdeutlich. Schon in den vergangenen Wochen habe Piazolos Stuhl aufgrund der ständig überworfenen Hygienevorschriften kräftig gewackelt. Die Vorgabe zum Distanzlernen sei "jetzt der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt". Piazolo müsse daraus die Konsequenzen ziehen und seinen Platz freimachen. FDP-Fraktionschef Martin Hagen twitterte: "Pleiten, Pech und Piazolo."

Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze beklagte: "Das ist nicht Laptop und Lederhose, sondern weiterhin nur Arbeitsblatt und Lederhose." Zuvor hatte schon der bildungspolitische Sprecher der Fraktion, Max Deisenhofer, von einer Kapitulation des Ministers gesprochen. Der Generalsekretär der bayerischen SPD, Uli Grötsch, sprach von einer "krachende Watschn" für Lehrer Eltern und Schüler. Erst habe es Distanzunterricht gegeben, dann nicht und nun heiße es: "Macht's, was ihr wollt!" So stehle man sich aus der Verantwortung und schade denen, für deren Wohl man zuständig sei. AfD-Fraktionschef Ingo Hahn kritisierte "das katastrophale Krisenmanagement von Piazolo aufs Schärfste".

Söder ermahnt Piazolo

In seiner Regierungserklärung im Landtag stärkte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) zwar Piazolo den Rücken. Gleichzeitig verlangte er aber, dass Wechsel- und Distanzunterricht im neuen Jahr problemlos funktionieren müssen. "Meine klare Botschaft: Bis zum Januar muss dann genau geklärt sein, dass es im Wechsel- und Distanzunterricht keine Missverständnisse und keine Probleme gibt", sagte Söder. "In drei Tagen was zu organisieren ist nicht einfach, aber bis 10. Januar muss das alles stehen." Der Regierungschef betonte, er gehe davon aus, dass es wegen Corona auch nach dem 10. Januar noch Wechselunterricht geben werde.

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