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Piazolo: Maskenpflicht im Unterricht vorerst an allen Schularten | BR24

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Bislang galt in Bayern ein Stufenplan, was die Schulen angeht. Je nach Infektionsgeschehen in einem Landkreis traten automatisch bestimmte Regelungen in Kraft. Dieser Stufenplan wurde nun aufgehoben.

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Piazolo: Maskenpflicht im Unterricht vorerst an allen Schularten

Maskenpflicht im Unterricht auch für Grundschüler, offene Schulen unabhängig vom Inzidenzwert: Mit diesen Neuerungen starten Bayerns Schüler nach den Herbstferien in den Unterricht. Der Leistungsdruck soll laut der Staatsregierung sinken.

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Bayerns Schulen bleiben künftig unabhängig vom Corona-Inzidenzwert vor Ort offen - und sollen von den Behörden vor Ort nur nach Infektionsfällen in der Schule teils oder ganz geschlossen werden. Das hat Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) heute Vormittag in München bestätigt. Bereits gestern war bekannt geworden, dass der bisherige Drei-Stufen-Plan de facto außer Kraft gesetzt ist. Dieser hatte zwar keinen Automatismus beinhaltet, ab einem Inzidenzwert von 50 aber geteilte Klassen im Freistaat nahegelegt.

Auch Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bekräftigte heute, dass es keine fixen Corona-Inzidenzwerte gebe, bei denen Schulen Präsenz- und Distanzunterricht abwechseln müssten. "Schule und Kita bleiben in Bayern geöffnet", sagte Söder. Das gelte so lange, bis ein Gesundheits- oder Schulamt feststelle, dass die Infektionsgefahr in einer bestimmten Einrichtung zu groß sei.

Maskenpflicht im Unterricht vorerst an allen Schularten

Laut einem Sprecher des bayerischen Kultusministeriums wird die Maskenpflicht im Unterricht ab kommender Woche vorerst an allen Schularten einschließlich Grundschulen gelten, unabhängig vom Inzidenzwert vor Ort. Der Sprecher verwies auf eine entsprechende Anordnung des Gesundheitsministeriums. Ausnahmen durch die örtlichen Gesundheitsbehörden soll es nur noch im Einzelfall geben. Zuletzt hatten sich mehrere Kommunen der bisherigen Forderung der Staatsregierung widersetzt, ab dem Inzidenzwert 50 auch für Grundschüler eine Maskenpflicht anzuordnen, etwa die Landeshauptstadt München.

Angesichts des "Lockdown light" wolle man zum Schutz von Lehrern und Schülern eine einheitliche Maskenpflicht haben, sagte Piazolo. "Nicht nur auf dem Schulgelände, sondern auch im Unterricht." Nach dem gestrigen Schulgipfel hatte Piazolo dem BR gesagt: "Je mehr Maske getragen wird, desto länger können wir auch Schulen offen halten."

Lehrer-Verband: Mehr Maskenpflicht war absehbar

Beim Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) hat man nach dem gestrigen Schulgipfel mit einer Ausweitung der Maskenpflicht gerechnet. Dass vorerst auch Grundschüler im Unterricht eine Maske tragen müssen, sei ihr klar gewesen, sagte BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann auf BR-Anfrage. Bei dem Treffen sei aber nicht explizit darüber gesprochen worden.

Elternverband BEV: Klassenteilung statt Maskenpflicht

Der Bayerische Elternverband (BEV) hält eine erweiterte Maskenpflicht angesichts anderer Möglichkeiten für den falschen Weg. Man sei entsetzt, dass dem Kultusministerium nichts anderes einfalle, als "auf Biegen und Brechen" den Präsenzunterricht zu erhalten, sagte der BEV-Landesvorsitzende Martin Löwe auf BR-Anfrage. Man habe schon im Mai Klassenteilungen vorgeschlagen - auf Grundlage einer Abfrage, welche Schüler zu Hause unterrichtet werden können.

Löwe räumte aber ein, dass man beim Präsenzunterricht und den aktuellen Inzidenzwerten kaum um eine Maskenpflicht herumkomme. Die Maske sei ein "notwendiges Übel", werde aber von den meisten Schülern akzeptiert. Löwe sagte, er selbst habe viele Grundschüler auf das Thema Maske angesprochen: "Und die sagen: Ja, ist halt so."

Söder: weniger Proben, weniger Druck

Ministerpräsident Söder äußerte sich derweil auch deutlich zum Leistungsdruck im Corona-Schulalltag, den zuletzt viele Eltern und Schüler beklagt hatten. Er forderte, Lehrpläne im Zweifel anzupassen und nicht im Eiltempo Proben schreiben zu lassen. Piazolo hatte bereits Anfang der Woche erklärt, dass man angesichts vieler Beschwerden über zu viele Leistungsnachweise in diesem Punkt gegensteuere.

Zugleich kündigte Söder an, auch nach diesem Schuljahr solle das Vorrücken in die nächste Klassenstufe großzügiger gehandhabt werden. Wenn jemand dennoch nicht versetzt werde, dann solle das nicht auf die Schulkarriere angerechnet werden. "Ziel ist, dass aus einem nicht normalen Schuljahr trotzdem ein faires Schuljahr wird.", sagte Söder.

Piazolo zieht optimistische Zwischenbilanz

Man halte das "Prinzip der Fairness" gegenüber den Schülern hoch, versicherte auch Piazolo. Er zeigte sich zudem offen für eine Anpassung der bisherigen Regel, dass Schüler bei einem bestätigten Corona-Fall in der eigenen Klasse für 14 Tage in Quarantäne müssen - unabhängig davon, ob sie selbst negativ getestet werden. Man werde die Quarantäne-Regelung allerdings nicht im Alleingang "leichtfertig umschmeißen", betonte Piazolo - sondern nur gedeckt von wissenschaftlichen Erkenntnissen und auch nicht in einem bayerischen Alleingang.

Der Kultusminister präsentierte auch eine Zwischenbilanz des bisherigen Schuljahres seit Anfang September, "nach acht Wochen Regelbetrieb unter Hygieneauflagen". Weit über 90 Prozent des Unterrichts habe vor Ort stattgefunden, sagte Piazolo, "auch wenn eher über geschlossene Klassen berichtet wird".

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In Bayern sol ab kommender Woche eine Maskenpflicht an allen Schulen gelten, so Kultusminister Piazolo in einer Pressekonferenz.