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Piazolo kündigt Teamlehrkräfte an und erntet Kritik | BR24

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Bei der Pressekonferenz am 22.7.20 sprach Bayerns Kultusminister Michael Piazolo über die personelle Lage an den Schulen.

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Piazolo kündigt Teamlehrkräfte an und erntet Kritik

Bayerns Kultusminister Piazolo sieht die Schüler im kommenden Schuljahr gut mit Lehrkräften versorgt. Unter anderem soll es 800 neue Teamlehrkräfte geben. Von Opposition und Verbänden kommt Kritik. Die SPD etwa spricht von "Zahlenspielereien".

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Von
  • Sebastian Kirschner
  • BR24 Redaktion

Das bayerische Kultusministerium sucht 800 zusätzliche sogenannte Teamlehrkräfte, um in der Corona-Sondersituation den zusätzlichen Bedarf an Lehrkräften zu decken. In einer Pressekonferenz heute Vormittag hat Kultusminister Michael Piazolo (FW) zur personellen Lage für das kommende Schuljahr gesprochen. Bayern kämpft seit Längerem mit einem Lehrermangel. Piazolo bezeichnete die reguläre Lehrerversorgung als gesichert. "Aber zusätzlich brauchen wir einen pragmatischen, einen flexiblen Einsatz der Lehrkräfte gerade in Zeiten von Corona", so der Minister.

4.600 Lehrkräfte werden eingestellt

4.600 Lehrkräfte würden im kommenden Schuljahr eingestellt. Abzüglich der Pensionierungen bleiben 1.000 neu geschaffene Lehrerstellen. Die nun zusätzlich gesuchten Teamlehrkräfte, also Quereinsteiger, sollen Lehrkräfte unterstützen, die coronabedingt nicht ins Klassenzimmer können. Mit einer umfangreichen Werbekampagne wirbt der Minister sowohl um fertig ausgebildete Lehrkräfte als auch um Hochschulabsolventen mit "pädagogischen Geschick und kommunikativem Talent". Das Projekt ist auf ein Jahr angelegt.

Philologenverband: Gerade mal "Normalbedarf"

Der Bayerische Philologenverband (bpv) kritisierte, dass die angekündigten Neueinstellungen gerade mal den "Normalbedarf ohne Corona" abdecken würden. Wenn ab Herbst die absehbaren Ausfälle unter den Lehrkräften einträten, "brauchen wir deutlich mehr Köpfe", sagte bpv-Vorsitzender Michael Schwägerl. Die angekündigte Teamlehrkräfte seien "nur ein Signal, mehr nicht", die 800 angekündigten Vollzeitstellen stünden schließlich 4.400 Schulen gegenüber. Zudem laufe die Maßnahme ins Leere. Die Regierung stelle den Schulen zwar Geld für diese Lehrkräfte zur Verfügung - die aber gebe es schlicht nicht, vor allem nicht in ländlichen Regionen.

Grüne: "Last-Minute-Suche"

Der Grünen-Landtagsabgeordnete Thomas Gehring sagte, die Corona-Pandemie wirke in Bayerns Schulsystem "wie ein Krisenbeschleuniger". Die "Last-Minute-Suche" nach 800 Teamlehrern sei ein Eingeständnis Piazolos, dass die lange bestrittene Lehrerlücke von 1.400 Lehrkräften "drängende Realität" sei. Die SPD-Abgeordnete Simone Strohmayr bezeichnete die Maßnahmen des Ministers gegen den Lehrermangel als völlig unzureichend. Zwei Tage vor Schuljahresende die Schulen mit der Suche nach Teamlehrern zu beauftragen, sei aberwitzig. Auf ein Jahr befristete Verträge schafften demnach keinen großen Anreiz für die potenziellen Aushilfslehrkräfte. Die SPD-Landtagsfraktion sprach am Mittwoch von "Zahlenspielereien und Hokuspokus-Maßnahmen".

Piazolo: "Enorme Herausforderung"

Piazolo hatte zuvor in seiner Pressekonferenz gesagt, die Planung der Unterrichtsversorgung sei jedes Jahr eine enorme Herausforderung. Nach Ansicht des Ministers bekomme der Freistaat dies aber gut hin, der erwartete Bedarf entspreche im Großen und Ganzen auch dem tatsächlichen. Dies sei beim "Unternehmen Schule" in Bayern mit rund 1,7 Millionen Schülern, gut 6.000 Schulen und fast 150.000 Lehrerinnen und Lehrern nicht einfach.

Piazolo zufolge sei Bayern für das nächste Schuljahr gewappnet, auch wenn die Pandemie hundertprozentige Planungen verhindere. "Wir sind, soweit das in Corona-Zeiten noch möglich ist, gut vorbereitet." Der zum kommenden Schuljahr erwartete Lehrermangel im Umfang von etwa 1.400 Vollzeitstellen an Grund-, Mittel- und Förderschulen könne abgefangen werden. Die Maßnahmen der Staatsregierung, zu denen unter anderem Mehrarbeit für viele Lehrer und spätere Rente zählen, hatten Pädagogen und Verbände als ungerecht und belastend kritisiert.

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Ab September soll der Unterricht wieder möglichst normal laufen. Kultusminister Piazolo will 800 Lehrer zur Verstärkung einstellen. Wie das wohl wird, nach den Ferien? Auf jeden Fall eine große Herausforderung.

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