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Schule und Corona: Piazolo erwägt Sonderweg für Bayern | BR24

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Bayerns Kultusminister Michael Piazolo kann sich beim Thema Schulföffnung einen bayerischen Sonderweg vorstellen. Morgen beraten die Kultusminister der Länder offiziell darüber - Piazolo aber behält sich Abweichungen vor.

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Schule und Corona: Piazolo erwägt Sonderweg für Bayern

Bayerns Kultusminister Michael Piazolo kann sich beim Thema Schulföffnung einen bayerischen Sonderweg vorstellen. Morgen beraten die Kultusminister der Länder offiziell darüber - Piazolo aber behält sich Abweichungen vor.

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Von
  • BR24 Redaktion
  • Marlene Thiele
  • Irene Esmann

Wie geht es nach den Weihnachtsferien weiter an den Schulen im Freistaat? Die Entscheidung soll im Laufe der kommenden Woche fallen, schon am Montag beraten darüber die Kultusminister der Länder. Möglich ist aber auch, dass Bayern einen Sonderweg geht. "Wir schauen, was ist für Bayern das Beste", so Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk.

Einen vollen Präsenzunterricht ab dem 11. Januar könne er sich nicht vorstellen, sagte Bayerns Kultusminister Michael Piazolo dem Bayerischen Rundfunk. Die aktuellen Corona-Infektionszahlen seien zu hoch, der Gesundheitsschutz von Lehrkräften und Kindern gehe vor. Trotzdem: ganz zu bleiben sollen die Schulen nach dem Willen Piazolos wenn möglich nicht - er hofft auf Wechselunterricht gerade für die Jüngsten:

"Denn das ist jedem, der mit Schule zu tun hat, auch klar: den direkten Kontakt zwischen Lehrerinnen und Schülern kann keine Technik ersetzen, gerade auch bei den kleineren Schülerinnen und Schülern. " Kultusminister Piazolo

Kultusminister denkt an bayerischen Sonderweg

Piazolo schließt diesbezüglich auch einen bayerischen Sonderweg nicht aus. Wobei sich die Verantwortlichen der Länder bislang ohnehin noch nicht auf eine gemeinsame Linie einigen konnten, wie sie ab dem 11. Januar mit den Schulen verfahren wollen. Gerade dort, wo die Infektionszahlen nicht so hoch sind, wie etwa in Bayern oder Sachsen, können sich die Länderchefs offenbar vorstellen, die Schulen wieder ganz zu öffnen. Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hatte vorab gefordert, zumindest Grundschulen ab 11. Januar wieder zu öffnen. Genaueres soll zunächst morgen bei der Kultusministerkonferenz und dann am Dienstag bei der Konferenz der Ministerpräsidenten und der Kanzlerin vereinbart werden.

Notbetreuung in Aussicht gestellt

Für Familien mit jüngeren Schul- sowie Kita-Kindern stellte Bayerns Kultusminister aber erneut Notbetreuungsmöglichkeiten in Aussicht. Und angesprochen auf die Schulplattform Mebis sagte Piazolo, man tue alles, um diese und andere technische Systeme aufzurüsten. Doch, so Piazolo, es könne natürlich immer an der ein oder anderen Stelle "hakeln". Bayern sei dennoch auf alles vorbereitet.

Piazolo will Wechselunterricht für die Grundschulen

Ähnlich hatte er sich zuvor gegenüber der "Augsburger Allgemeinen" (Montagsausgabe) geäußert: "Bildung ist Ländersache, es kann durchaus sein, dass Bayern am Ende eigene schulpolitische Vorstellungen umsetzt."

Piazolo selbst bevorzugt für die Grundschulen nach den Ferien den sogenannten Wechselunterricht, bei dem die Schüler abwechselnd daheim und in der Schule lernen sollen. Viele Schulen hätten diese Modell bereits im Dezember praktiziert, meist pendelten die Kinder dafür tageweise zwischen Zuhause und Klassenzimmer. "Wechselunterricht wäre für die Jüngsten eine Möglichkeit, wenigstens teilweise in persönlichem Kontakt mit den Lehrkräften zu bleiben", so der Kultusminister.

Bezogen auf alle Schularten plädierte Piazolo für differenzierte Lösungen. Er denke, ein System aus Wechsel- und Distanzunterricht sei ein sinnvoller Weg, abgestuft nach dem Alter der Schülerinnen und Schüler sowie den Schularten.

Söder: Schulöffnung zum jetzigen Zeitpunkt ist "verantwortungslos"

Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ist gegen "überstürzte Öffnungen von Schulen und Kitas". Es wäre aus seiner Sicht "angesichts der hohen Infektionszahlen verantwortungslos, Lehrer und Schüler einfach wieder komplett in die Schulen zu schicken". Er sehe derzeit "keinen vernünftigen Politiker", der von frühzeitigen Öffnungen rede, so Söder.

Unterstützung gab es auch vom Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV). Präsidentin Simone Fleischmann hält eine Schulöffnung zum jetzigen Zeitpunkt für "verantwortungslos". Der BLLV kämpfe für den Schutz der Kollegien und für Bildungsgerechtigkeit, twitterte sie am Sonntag.

Der Bayerische Philologenverband fordert klare Konzepte: "Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln" sei keine Strategie auf Dauer, hieß es auf Twitter. "Jetzt Inzidenzen auf unter 50 bringen und darunter halten - das muss das erste Ziel sein."

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