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Das neue Schuljahr in Bayern hat begonnen - und der größte Wunsch aller ist es, dass die nächsten Monate so normal wie möglich verlaufen. Kultusminister Piazolo hat bei Bayern 3 erklärt, was in diesem Schuljahr anders werden soll - und muss.

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Piazolo: "Corona nimmt keine Rücksicht auf Schule"

Das neue Schuljahr in Bayern hat begonnen - und der größte Wunsch aller ist es, dass die nächsten Monate so normal wie möglich verlaufen. Kultusminister Piazolo hat bei Bayern 3 erklärt, was in diesem Schuljahr anders werden soll - und muss.

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Von
  • Christian Ribbers

"Wir haben nie gesagt: Wir sind das Kultusministerium, wir haben die perfekte Lösung. Es sind viele neue Erfahrungen gemacht worden. Wir alle haben jetzt angefangen, mit Corona zu leben. Leider."

In den Sommerferien hat er viele Gespräche geführt, verrät Piazolo. Mit Schülerverbänden, mit Eltern, mit Lehrern. Sich Erfahrungen von vor Ort angehört. Häufig auch Tipps bekommen, von denen man jetzt einige umsetzen will.

Beispiel: Schulbus. Viele BAYERN 3-Hörer beklagen sich darüber, dass es zwar ausgeklügelte Hygiene-Maßnahmen an den Schulen gibt, die Schüler aber vorher in "bumsvollen S-Bahnen und Schulbussen" unterwegs sind.

Entzerrung des Unterrichts und Verstärkung bei Bussen

Piazolo verspricht für das neue Schuljahr einen doppelten Plan: "Zum einen: Unterrichtszeiten entzerren. Schule muss nicht immer um 8 Uhr beginnen. Sie kann auch später beginnen." Die zweite Möglichkeit sei die Verstärkung der Busse. Man habe im Kabinett entschieden, so Piazolo, dass es für die Kommunen zusätzliches Geld für Verstärkerbusse geben solle. "Trotzdem wird es natürlich immer wieder in vereinzelten Fällen dazu kommen, dass Busse zu voll sind. Aber deshalb gibt es ja auch die Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr", erklärt der Kultusminister.

Und nicht nur dort. Die Maskenpflicht gilt zum Beginn dieses Schuljahres auch an allen weiterführenden Schulen in Bayern. Kritik an dieser Maßnahme kann er nicht nachvollziehen. "Wir schauen natürlich immer, wo Lockerungen in unserer Gesellschaft möglich sind", sagt Piazolo. "Wer in eine Gaststätte gehen will, der kann das tun, muss es aber nicht. Bei Schule ist das anders. Wir haben eine Schulpflicht in Deutschland, die Schüler müssen in die Schule und deswegen müssen wir hier auch besonders vorsichtig sein."

Piazolo: Haben aus drei Dingen gelernt

Wie verläuft das neue Schuljahr? Können Abschluss-Prüfungen im nächsten Frühjahr ganz normal stattfinden? Und wenn ja, mit dem gleichen Lernstoff wie sonst? All diese Fragen kann Piazolo nicht beantworten, weil Corona auf Schule keine Rücksicht nehme, wie er es ausdrückt.

Ziel ist es, im Regelbetrieb zu bleiben. Aber niemand weiß natürlich, wie sich die Infektionszahlen entwickeln. Unabhängig davon nennt er im BAYERN 3-Interview drei Dinge, aus denen man in den vergangenen Monaten gelernt habe:

  • An vielen Schulen soll es in den Kernfächern Brückenangebote geben, also eine Art Nachhilfe. Hier sollen Schülerinnen und Schüler betreut werden, die auf Probe versetzt worden sind oder "die hier und da noch Schwächen haben".
  • Das Thema "Distanz-Unterricht" ist in der Schulordnung jetzt klar geregelt, sagt Piazolo. Zum Beispiel, wie mündliche Prüfungen digital laufen können. Aber auch, wie man online mehr Struktur in den Tag der Schüler bringen kann - etwa mit einem "virtuellen Startschuss in den Tag".
  • In den nächsten Wochen und Monaten soll eine Lernplattform mit Videos online gehen - eine Art "mebisTube". Dort können sich die Schüler Clips zu einzelnen Unterrichtsthemen anschauen, es sollen aber keine Unterrichtsstunden 1:1 abgebildet werden.

Elternverbände kritisieren Maßnahmen

Grundvoraussetzung für einen Regelbetrieb ist nach Ansicht von Piazolo allerdings auch die strikte Einhaltung der umfangreichen Hygiene-Regeln. Vor allem die Maskenpflicht steht dabei im Fokus. Genau daran stören sich aber viele Eltern. Und auch einige Elternverbände halten die Maßnahme für überzogen.

Susanne Arndt, Vorsitzende des Landeselternvereins der Gymnasien Bayern, sieht insbesondere die psychologische Entwicklung der Kinder gefährdet. Die Elternsprecherin spricht von einer unglücklichen Situation: "Ich bin keine Maskengegnerin. Auf den Gängen oder dem Pausenhof ist Mund-Nasen-Schutz angemessen", sagt Arndt. Im Unterricht hält sie die Maske allerdings für deplaziert.

"Ein schüchterner Schüler wird sich vielleicht auch weniger melden, der Lehrer ist vielleicht etwas schwerer zu verstehen in den hinteren Reihen, weil auch das Sprechen für Lehrkräfte sehr schwierig ist." Susanne Arndt, Vorsitzende des Landeselternvereins der Gymnasien Bayern

Digitalisierung sei zu schleppend verlaufen

Arndt beklagt auch, dass neben den ganzen Corona-Regeln zum Schulanfang die Digitalisierung zu kurz gekommen sei. Noch vor den Sommerferien war das selbstgesteckte Ziel des Kultusministers, im Wochenwechsel immer nur eine Hälfte einer Klasse in den Präsenzunterreicht zu schicken. Die andere Hälfte sollte im Digitalunterricht zuhause lernen. Dafür brauchte es aber umfangreiche Investitionen in Technologie und Know-How. Das erkannte damals auch die Staatsregierung.

In den letzten Wochen seien diese Investitionen in die Digitalisierung der Schulen allerdings viel zu schleppend verlaufen, kritisiert Susanne Arndt. Viele Kommunen hätten kaum Geld für digitale Lernmittel bekommen. "Ich hoffe jetzt, dass die Hürden für den Digitalpakt etwas gesenkt werden und es letztlich den Kommunen nicht so schwergemacht wird, auf diese Gelder zuzugreifen, das ist das Hauptproblem.", so die Vorsitzende des Elternvereins.

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