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Physiotherapeuten zwischen Verständnis und Verdienstausfall | BR24

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Die Coronakrise trifft viele Menschen in ganz Bayern wirtschaftlich ins Mark. Angestellte im Einzelhandel sind besonders betroffen, ebenso wie Gastronomen oder Physiotherapeuten. Ein Beispiel aus Raubling im Landkreis Rosenheim.

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Physiotherapeuten zwischen Verständnis und Verdienstausfall

Die Coronakrise trifft viele Menschen in ganz Bayern wirtschaftlich ins Mark. Sogar Berufe aus dem medizinischen Bereich müssen Einschränkungen hinnehmen, namentlich Physiotherapeuten. Ein Beispiel aus Raubling im Landkreis Rosenheim.

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Ministerpräsident Markus Söder hatte am 20. März diverse Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie verkündet. Dabei erwähnte er auch die Physiotherapeuten:

"Jeder kann auch weiterhin medizinisch versorgt werden und zum Arzt gehen. Aber es gibt für einige Bereiche Einschränkungen. Physiotherapeuten beispielsweise nur im Notdienst, in Notfällen." Markus Söder

Alexander Seifert aus Raubling im Landkreis Rosenheim ist Physiotherapeut. Er ist angestellt in einer großen Praxis und hat Verständnis für diese Einschränkung:

"Ich persönlich finde sie absolut richtig. Man kommt den Patienten doch sehr nahe, auch körperlich nahe, sei es in den Massagen oder in der Krankengymnastik. Da ist sicherlich einmal die Gefahr, dass man diesen Virus übertragen bekommt, beziehungsweise dass man eventuell Überträger ist." Alexander Seifert, Physiotherapeut

"Ein gewaltiger finanzieller Einschnitt"

Viele Physiotherapie-Praxen haben wegen der Einschränkungen geschlossen oder machen täglich nur für kurze Zeit für Notfälle auf. Etwa um frischoperierte Menschen zu behandeln, damit Gelenke nicht versteifen. Das hat Auswirkungen: Alexander Seifert und seine Kollegen beispielsweise werden ab 1. April in Kurzarbeit gehen, Ende offen. Bei allem Verständnis für die Einschränkungen ist das nicht so leicht, vor allem für angestellte Physiotherapeuten:

"Das wird ein gewaltiger finanzieller Einschnitt sein, wir Physiotherapeuten, Masseure und so weiter sind finanziell relativ schlecht gestellt mal von vorneherein, uns trifft es natürlich hart mit diesem Kurzarbeitergeld. Aber gut – wir müssen aus der Situation das Beste machen – wie so viele." Alexander Seifert

Forderung: Rettungsschirm auch für Physiotherapeuten

Hans Ortmann ist selbstständiger Physiotherapeut in Mühldorf und Bundesvorsitzender des Verbandes Physikalische Therapie e.V. Auch er befürchtet massive Folgen der Einschränkungen für die Physiotherapeuten:

"Auch bei uns bedeutet Kurzarbeit ein Stück weit Einschränkung, das heißt, es wird an der Jacke der oberste Knopf auch noch ganz eng zugeknöpft. Wenn wir mit einer schwarzen Null rauskommen oder einfach nicht in die Insolvenz müssen oder gar eine Praxis schließen müssen, dann sind wir mit einem blauen Auge davongekommen." Hans Ortmann

Wie die Physiotherapeuten gehören auch Ergotherapeuten, Logopäden und Podologen zu den sogenannten "Heilmittelerbringern". Sie alle sehen sich immer näher am Rande des wirtschaftlichen Ruins. Die Verzweiflung wachse allerorts, heißt es in einem offenen Brief des Spitzenverbandes der Heilmittelverbände an die Politik. Viele Patienten glauben, dass die Praxen wegen der verhängten Kontaktverbote geschlossen seien, das sei aber nicht korrekt. Heilmittelerbringer seien systemrelevant, sie dürften und müssten weiterhin Patienten behandeln. Deshalb müsse ein weiterer Rettungsschirm ganz selbstverständlich auch für Therapeuten gelten, fordert die Verbandsvorsitzende Ute Repschläger in dem Brief.

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