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Bildrechte: BR/Laura Grun

Beim Bürgerentscheid in Pfofeld haben 52 Prozent der Wählerinnen und Wähler gegen ein Feriendorf des Unternehmens Center Parcs am Brombachsee gestimmt. Die Pläne sind damit vom Tisch.

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Knappe Entscheidung gegen Center Parcs – Spaltung in Pfofeld?

Mit einer knappen Mehrheit haben sich die Pfofelder beim Ratsbegehren am Sonntagabend gegen einen Center Parcs im Fränkischen Seenland ausgesprochen. Erleichterung und Bedauern machen sich in der kleinen Gemeinde breit – ist nun Ruhe?

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Von
  • Annika Svitil

Mit einer Wahlbeteiligung von 84,2 Prozent haben fast alle der 1.303 wahlberechtigten Pfofelderinnen und Pfofelder beim Bürgerentscheid gestern Abend abgestimmt. Mit 52,4 Prozent haben sich die Gegner von Center Parcs letztendlich durchgesetzt. Ein deutlicheres Ergebnis wäre besser, so auch die Gegner. Sie befürchten, dass das Thema die Gemeinde weiterhin spalten könnte.

Knappes Ergebnis überrascht Bürgermeister nicht

Dass es eine "enge Sache" wird, war Reinhold Huber, 1. Bürgermeister von Pfofeld (Unabhängige Wählergemeinschaft Pfofeld), klar, sagte er dem Bayerischen Rundfunk. Er ist froh, dass die Wahlbeteiligung so hoch war, damit sei auch der Wille der ganzen Bevölkerung gut abgebildet. Was die Zukunft bringen wird, kann das Gemeindeoberhaupt noch nicht einordnen. So sei er auch nicht sicher, ob man aus Gemeindesicht erleichtert sein oder betrübt sein sollte. Jetzt müsse man abwarten, was aus dem ehemaligen Munitionslager, der Muna, werde – ein Interessent werde sich sicher melden.

Center Parcs akzeptiert das Ergebnis

"Das ist Demokratie", sagte Jan Janssen, der Projektverantwortliche von Center Parcs Fränkisches Seenland, dem BR nach der Entscheidung gestern Abend. Er habe überhaupt nicht mit dem negativen Ergebnis gerechnet. Die Enttäuschung sei daher groß. Dennoch müsse Center Parcs die Entscheidung akzeptieren und das tue man auch. Damit zieht sich der niederländische Feriendorfbetreiber mit seinen Plänen am Brombachsee zurück.

Bürgerinitiative von Sieg überwältigt

Mathias Herrmann, 2. Vorstand der Bürgerinitiative "Seenland in Bürgerhand", ist erleichtert. Er gibt aber auch zu, dass er sich ein deutlicheres Ergebnis gewünscht hätte. Nun rechnet er damit, dass die Diskussionen in Pfofeld weitergehen. Herrmann ist gespannt, was die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA), Eigentümerin des Geländes, nun mit dem Muna-Areal vorhat. Ob es zum Beispiel Pläne mit der Gemeinde geben wird oder es im Sinne einer Ausgleichsfläche als Naturschutzgebiet weiterentwickelt werde.

Die Bürgerinitiative hatte sich gegründet, als im vergangenen Sommer die Pläne von Center Parcs konkret wurden. Sie befürchtete, dass das Feriendorf das Fränkische Seenland mit Touristen überschwemmen würde. Gleichzeitig wollte man den Muna-Wald als wertvolles Naturschutzgebiet erhalten.

Landratbedauert Ausgang und dankt Center Parcs

Natürlich hätte sich die Ansiedlung von Center Parcs positiv auf das ganze Fränkische Seenland und die Region herum ausgewirkt, erklärt Landrat Manuel Westphal (CSU) am Morgen. Als Verbandsvorsitzender des Zweckverbandes Brombachsee und gleichzeitig Vorsitzender des Tourismusverbandes Fränkisches Seenland, bedauert er daher die Entscheidung gegen das Feriendorf. Dennoch sei es die Wahl der Pfofelderinnen und Pfofelder gewesen und das Ergebnis werden auch angenommen. Westphal spricht den Betreibern von Center Parcs seinen Dank für die bisherige Zusammenarbeit aus.

"Die Linke" und Bund Naturschutz loben Bürgerinitiative

Die Bezirkstagsfraktion der Linken zeigt sich in ihrer Mitteilung nach dem Ratsbegehren sehr erleichtert. Dass die Entscheidung dank der Bürgerinitiative "Seenland in Bürgerhand" tatsächlich in Bürgerhand überging, sei ein großer Erfolg gegen einen zunächst "übermächtigen Gegner", heißt es von Felix Goldhorn, der sich als Kreisrat im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen aktiv gegen das Projekt einsetzte. Die Bezirksräte Titus Schüller und Uwe Schuldbach danken der Bürgerinitiative, dass der "ökologischen Irrsinn einer Center-Parcs-Anlage" nun Geschichte sei.

Der Bund Naturschutz dankt ebenfalls der Bürgerinitiative sowie allen Wählerinnen und Wählern, die gegen das Feriendorf gestimmt haben. Richard Mergner, Landesvorsitzender des Bund Naturschutzes, ist optimistisch, was die Beseitigung der Altlasten und Munition auf der Muna durch die BIMA betrifft. Die Kreisgruppe Weißenburg-Gunzenhausen will sich künftig an einem Konzept für das Areal beteiligen.

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