Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Altötting/Ingolstadt:Chemie-Gefahr für Kinder größer als gedacht | BR24

© BR/Hans Häuser

Zwei Chemikalien, die im Raum Altötting und bei Ingolstadt im Boden schlummern, sind für Kinder offensichtlich deutlich gefährlicher als bisher angenommen. Die Industriechemikalien PFOA und PFOS gelten unter anderem als möglicherweise krebserregend.

10
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Altötting/Ingolstadt:Chemie-Gefahr für Kinder größer als gedacht

Zwei Chemikalien, die im Raum Altötting und bei Ingolstadt im Boden schlummern, sind für Kinder offensichtlich deutlich gefährlicher als bisher angenommen. Die Industriechemikalien PFOA und PFOS gelten unter anderem als möglicherweise krebserregend.

10
Per Mail sharen
Teilen

Die Belastung mit den Chemikalien PFOA und PFOS ist für Kinder offenbar deutlich gefährlicher, als bisher angenommen. Das geht aus einer Antwort des Bayerischen Umweltministeriums auf eine Anfrage des SPD-Landtagsabgeordneten Florian von Brunn hervor.

PFOA war bei der Herstellung im Raum Altötting in Trinkwasser und Boden gelangt. PFOS war unter anderem in Löschschaum an zahlreichen bayerischen Bundeswehrstandorten im Einsatz, etwa bei Ingolstadt. Europäische und Bundesbehörden schätzen das Risiko von Gesundheitsschäden durch beide Stoffe seit etwa einem Jahr deutlich höher ein. Beide Chemikalien gelten unter anderem als möglicherweise krebserregend und schädlich für die Fortpflanzungsfähigkeit.

Gefährdet: Kinder und ältere Menschen

Wenn sich Kinder in belasteten Gebieten durchschnittlich ernähren, besteht das Risiko, dass sie mehr PFOA zu sich nehmen als die Menge, die als unbedenklich gilt. Das schreibt Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber von den Freien Wählern sinngemäß in der Stellungnahme, die dem Bayerischen Rundfunk vorliegt.

Beim ebenfalls möglicherweise krebserregenden PFOS ist die Gefahr demnach nicht ganz so groß, hier sind aber auch Kleinkinder und ältere Menschen gefährdet, falls sie überdurchschnittlich viele belastete Lebensmittel zu sich nehmen.

Trinkwasser nicht belastet

Bayerns Umweltminister bezieht sich auf aktuelle Einschätzungen des Bundesinstituts für Risikobewertung. Gleichzeitig glaubt er, dass es tolerierbar ist, wenn Menschen vorübergehend größere Mengen zu sich nehmen als empfohlen. Wichtig sei, dass die Belastung in absehbarer Zeit wieder zurückgehe. Glauber will sich deshalb auf Bundes- und Europaebene für mehr Schutz von Boden und Lebensmitteln stark machen.

Das Trinkwasser gilt ihm zufolge ohnehin in allen betroffenen Gebieten inzwischen wieder als unbelastet.

Bereits vor einigen Wochen hatte das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) auf BR-Anfrage mitgeteilt, dass es die allermeisten Lebensmittel im Raum Altötting für unbedenklich hält.

Ernährungsempfehlungen von Staatsregierung gefordert

Der SPD-Landtagsabgeordnete Florian von Brunn wirft der Staatsregierung dagegen vor, das Thema zu verharmlosen und sich aus der Verantwortung zu stehlen. Er fordert klare Empfehlungen zum Verzehr von Lebensmitteln in den belasteten Gebieten. Und umfassende Informationen, wie sich vor allem Kleinkinder vor PFOA und PFOS schützen lassen.

💡 Was ist PFOA?

PFOA steht als Abkürzung für "Perfluorooctanoic Acid", übersetzt Perfluoroctansäure. Wegen ihrer thermischen und chemischen Stabilität sowie ihrer Beständigkeit gegen UV-Strahlung und Verwitterung gehört PFOA zu den langlebigen und schwer abbaubaren Stoffen. PFOA wurde ab Ende der 1960er-Jahre im Industriepark Gendorf, einem Ortsteil von Burgkirchen an der Alz, als Hilfsstoff zur Produktion von Fluorpolymeren verwendet. Das Problem: PFOA ist möglicherweise krebserregend und war über das Abwasser in die Alz gelangt. Zudem gelangte es über die Abluft in die Atmosphäre und wurde als Niederschlag im Boden abgelagert. Die Produktion von PFOA in Gendorf wurde zwischen 2003 und 2004 eingestellt; seit 2008 wird es dort gar nicht mehr verwendet. (Erklärt von Veronika Beer, BR24-Nachrichten)

Diese Lebensmittel können PFOS und PFOA enthalten

Die unabhängige Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) in Parma warnt in PFOS-Risikogebieten vor dem Verzehr von Fleisch und Fleischprodukten, Eiern, Fisch und Meeresfrüchten. PFOA ist, wenn die Böden belastet sind, vor allem in dort erzeugter Milch und Milchprodukten, Trinkwasser, Fisch und Meeresfrüchten zu finden.

© BR

Im Kreis Altötting ist das Trinkwasser mit der eventuell krebserregenden Chemikalie PFOA verunreinigt. Die Chemikalie ist für Kinder deutlich gefährlicher als bisher angenommen. So das bayerische Umweltministerium in der Antwort auf eine SPD-Anfrage.