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Pflegeskandal in Augsburger Heim: Erschreckende Zustände | BR24

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Altern in Würde: Damit wirbt der Korian-Konzern, der in Bayern über ein Tochterunternehmen 48 Pflegeheime betreibt. Die Realität sieht offenbar anders aus - zumindest in einem Augsburger Pflegeheim. Angehörige von Bewohnern erheben schwere Vorwürfe.

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Pflegeskandal in Augsburger Heim: Erschreckende Zustände

Altern in Würde: Damit wirbt der Korian-Konzern, der auch in Bayern expandiert. Im Augsburger Pflegeheim der Gruppe sieht die Realität jedoch anders aus. Angehörige von Bewohnern erheben schwere Vorwürfe.

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Anita Pampel-Gholar blättert durch eine Mappe. Darin liegen Bilder, die ihre demenzkranke Mutter im Heim zeigen - mit blauen Flecken, verdreckt und ungepflegt. Gleich will sie Vertreter der Korian-Gruppe, deren Tochterunternehmen das Heim betreibt, mit diesen Bildern konfrontieren. Vor allem mit den Fotos, die ihre Mutter nach einer Operation zeigen. Wieder zurück im Heim habe sie Blut erbrochen, berichtet die Tochter: Mehrmals, aber die Pflegerin habe ihre Mutter lediglich umgezogen.

Schwerste Hygiene-Mängel

"Auf mein Bitten hin wurde der Notarzt geholt", so die Angehörige. "Der war fassungslos über ihren Zustand und sagte, meine Mutter hätte verbluten können." Im Klinikum seien dann auch schwerste Hygiene-Mängel festgestellt worden: "Man hat mich gefragt, ob meine Mutter Kohlen schaufelt, weil sie so schwarze Fingernägel hatte."

© Anita Pampel-Gholar

Nur drei von etlichen schockierenden Bildern, die Pampel-Gholar gemacht hat: eine kotverschmierte Toilette ...

© Anita Pampel-Gholar

... erbrochenes Blut auf einem Nachthemd ...

© Anita Pampel-Gholar

.. und der Fuß einer Heimbewohnerin.

Auch andere Angehörige berichten von Missständen: Toilettensitze, die mit Kot beschmiert sind, zu wenig zu essen – und: offenbar völlig überfordertes Personal. Anita Pampel-Gholar berichtet von Angestellten, die sie gebeten hätten, die Heimaufsicht über die Missstände zu informieren: "Und zwar in den Abendstunden, weil da gebe es keine ausgebildete Pflegekraft."

Betreiber expandiert in ganz Europa

Vor einer Woche sei das Heim am Schäfflerbach unangemeldet inspiziert worden, erklärt die Heimaufsicht der Stadt Augsburg dem Bayerischen Rundfunk. Was dabei herausgekommen ist, dürfe man aber nicht mitteilen.

Die Korian-Gruppe expandiert in ganz Europa. In Bayern betreibt sie mittlerweile 48 Heime und 14 ambulante Dienste. Hinter Korian stehen die französischen Großbank Credit Agricole und ein kanadischer Pensionsfonds. Eine Konstellation, die Robert Hinke von der Gewerkschaft Verdi kritisch sieht.

Hat das Management am Personal gespart?

Er erinnert daran, dass Finanzinvestoren renditeorientiert seien. Am Ende könne man solche Gewinne nur erzielen, "indem man outsourct, Tarifflucht betreibt, mit möglichst wenig qualifiziertem Personal auskommt und im Zweifelsfall an der Stellschraube Pflegeschlüssel dreht".

Korian beteuert, in Augsburg den Pflegeschlüssel nach der Übernahme des Heims sogar erhöht zu haben – um sechs Vollzeitkräfte. Die Fachkraftquote sei erfüllt.

Investor entschuldigt sich

Anita Pampel-Gholar merkt davon nichts. Auch die vielen Feste, Konzerte und die fröhliche Atmosphäre seien in den letzten Jahren verschwunden. Dem Personal will Pampel-Gholar aber keine Vorwürfe machen. Dieses sei chronisch überlastet.

Die Fotos ihrer Mutter, die sie den Korian-Vertretern vorgelegt hat, haben jedoch erste Wirkung gezeigt. Das Unternehmen hat Fehler eingestanden, sich bei den Angehörigen entschuldigt und Besserung gelobt.

© BR

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