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Pflegeschulen lassen Frühjahrs-Ausbildung ausfallen | BR24

© Nikolaus Nützel/BR

Viele Pflegeschulen in Bayern haben den für April geplanten Ausbildungslehrgang gestrichen. Grund ist ein Gesetz, das die Pflege verbessern soll - doch dessen Umsetzung verzögert sich. Kritiker sehen die Schuld dafür bei der Staatsregierung.

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Pflegeschulen lassen Frühjahrs-Ausbildung ausfallen

Viele Pflegeschulen in Bayern haben den für April geplanten Ausbildungslehrgang gestrichen. Grund ist ein Gesetz, das die Pflege verbessern soll - doch dessen Umsetzung verzögert sich. Kritiker sehen die Schuld dafür bei der Staatsregierung.

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Die Bayerische Krankenhausgesellschaft (BKG), aber auch die Landtags-SPD und die Gewerkschaft Verdi schlagen Alarm: Eine Reihe großer Pflegeschulen in Bayern wird zum April keinen Ausbildungsgang starten, obwohl das theoretisch möglich wäre. Erst im Herbst nehmen sie wieder künftige Pflegerinnen und Pfleger auf. Hintergrund ist eine Umstellung der Ausbildung, die die Staatsregierung nach Ansicht von Kritikern nicht rechtzeitig umsetzt.

Künftig soll es nicht mehr drei verschiedene Ausbildungen in der Pflege geben – nämlich Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege. Vielmehr sollen die Berufseinsteiger ab nächstem Jahr eine einheitliche Ausbildung bekommen. Einen Rahmen für die entsprechenden neuen Lehrpläne hat die Bundesregierung im Sommer veröffentlicht. Die Landesregierungen sollen diese Vorgaben jeweils für ihr Bundesland umsetzen.

Ein Jahrgang von Pflegekräften wird fehlen

Doch etliche Pflegeschulen beklagen, der Zeitplan, um sich darauf einzustellen, sei zu knapp. In Bayern sei mit entsprechenden Vorgaben nicht vor Weihnachten zu rechnen, sagt die Sprecherin der Sozialstiftung Bamberg, Brigitte Dippold. "Bis April bleibt dann aber zu wenig Zeit, die Ausbildung anzupassen."

Deswegen lässt die Sozialstiftung den Frühjahrs-Pflegekurs mit 25 Teilnehmern ausfallen und bietet im Oktober vier Kurse an, statt wie sonst üblich drei. "Wir hoffen, dass wir dann trotzdem die fürs Gesamtjahr geplanten 120 Pflegeschüler haben", sagt Dippold. "Wir brauchen die Leute ja."

Auch an der Uniklinik Augsburg und beim Klinikum Ingolstadt fallen die Frühjahrs-Kurse aus. Selbst wenn es gelinge, im Herbst 2020 den Wegfall des Kurses im Frühjahr zu kompensieren, lasse sich eines nicht ändern, sagt Thomas Warnken, Sprecher des Klinikums Augsburg: "Es werden im Frühjahr 2023 keine Absolventen zur Übernahme in ein Beschäftigungsverhältnis zur Verfügung stehen." Sondern erst wieder im Herbst.

Kritiker sehen Schuld bei der Staatsregierung

Den Wegfall der Ausbildungskurse im Frühjahre findet der Geschäftsführer der BKG, Siegfried Hasenbein, sehr ärgerlich.

"Wenn es so sein sollte, dass die Mehrzahl der Ausbildungsjahrgänge im April nicht starten kann, dann hielt ich das für fatal, für fast skandalös - wo jeder Mensch weiß, wie groß unser Problem in der Pflege ist. Dann kann man nicht einfach auf einen Ausbildungskurs verzichten, nur weil man nicht in der Lage war, die Umsetzung des Gesetzes zeitgerecht vorzubereiten." Siegfried Hasenbein, Geschäftsführer BKG

Die Verantwortung trägt nach Ansicht der Landtags-SPD die bayerische Staatsregierung, weil sie die neuen Regeln nicht rechtzeitig umgesetzt habe. Auch der zuständige Landes-Fachbereichsleiter der Gewerkschaft Verdi, Robert Hinke, sieht ein Versagen der Politik. Handwerkliche Fehler seien aber auch vom Bundesgesundheitsministerium gemacht worden.

"Angesichts des dramatischen Personalbedarfs in der Pflege kann sich unsere Gesellschaft einen auch nur vorläufigen Rückgang an Auszubildenden nicht leisten." Robert Hinke, Gewerkschaft Verdi

Ausfall auf Anraten des Ministeriums?

Das Kultusministerium weist die Vorwürfe zurück. Ein Entwurf des neuen Lehrplans werde voraussichtlich im November an die Schulen gegeben, erklärt Sprecher Günther Schuster. "Die Schulen entscheiden, ob sie zum 1. April 2020 starten können", so Schuster.

Pflegeschulen-Träger halten dem allerdings entgegen, das Ministerium habe ihnen empfohlen, den April-Termin ausfallen zu lassen. "Das haben wir auf Anraten der Bezirksregierung und des Ministeriums gemacht", sagt Dippold von der Sozialstiftung Bamberg. Auch das Uni-Klinikum Augsburg erteilt die gleiche Auskunft: "Die Bayerische Staatsregierung und auch die Regierung von Schwaben haben angeraten, einen Ausbildungsbeginn im April ausfallen zu lassen."