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Pfleger schreiben Tagebuch für Koma-Patienten | BR24

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Das Intensivtagebuch soll Menschen, die im Koma lagen, helfen, die Zeit nachvollziehen zu können.

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Pfleger schreiben Tagebuch für Koma-Patienten

Eine Idee von Pfleger Wolfgang Wack aus Schwandorf ist Vorbild für Krankenhäuser in ganz Deutschland. Er hat sich für ein sogenanntes Intensivtagebuch eingesetzt. Es soll Menschen, die im Koma lagen, helfen, die 'verpasste' Zeit nachzuvollziehen.

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Fast jeden Tag liest Hannelore Wopperer aus Schwandorf in ihrem Intensivtagebuch. Weil die Lunge der 68-jährigen nicht mehr richtig gearbeitet hat, lag sie über zwei Wochen im Koma. Lange wusste sie nicht, was in dieser Zeit mit ihr passiert ist.

"Die Zeit in der ich im Koma lag? Da weiß ich eigentlich gar nichts. Das ist ein großes schwarzes Loch. Ich versuche mit dem Tagebuch herauszufinden, was da war, weil es mich belastet." Hannelore Wopperer.

Fachbegriffe und Geräte werden erklärt, PflegerInnen stellen sich vor

Das Intensivtagebuch ist ein Heft mit grünen Zweigen auf dem Cover. Alle Koma-Patienten, deren Angehörige zustimmen, bekommen es vom St. Barbara Krankenhaus in Schwandorf geschenkt. Im Heft ist ein kleines "Intensiv-Lexikon". Darin wird zum Beispiel erklärt, was "Sedieren" bedeutet. Die Pfleger haben Fotos von sich eingeklebt, um sich vorzustellen oder von Hand etwas hineingeschrieben, zum Beispiel, dass Hannelores Kinder zu Besuch waren oder, dass sie in ein Spezialbett gelegt wurde. Hannelore Wopperer liest ein paar Zeilen im Intensivtagebuch. Nach und nach erinnert sie sich an einzelne Momente und die Menschen, die sich um sie kümmerten. Einer von ihnen war Wolfgang Wack.

Auf Initiative von Wolfgang Wack wurde das Buch eingeführt

Krankenpfleger Wolfgang Wack hat das Tagebuch auf der Intensivstation des St. Barbara Krankenhauses in Schwandorf eingeführt. Obwohl die Zeit pro Patient knapp ist, nimmt sich das ganze Team gerne ein paar Minuten, um etwas Persönliches ins Buch zu schreiben.

"Wir stehen in der Verantwortung, den Patienten gesund zu entlassen - nicht nur physisch sondern auch psychisch. Wir wollen mit dem Buch eine Hilfe geben, damit auch das Psychische mitbehandelt wird." Wolfgang Wack, Krankenpfleger
© St. Barbara Krankenhaus

Wolfgang Wack, Krankenpfleger auf der Intentsivstation des St. Barbara Krankenhauses Schwandorf

Krankenhäuser in ganz Deutschland werden aufmerksam

Für das Intensivtagebuch wurde das St. Barbara Krankenhaus inzwischen sogar mit zwei bedeutenden Branchenpreisen ausgezeichnet. So wurden Krankenhäuser in ganz Deutschland auf die Idee aufmerksam, was das Team besonders freut, denn die Idee zu übernehmen, ist ausdrücklich erlaubt.

"Ich will eigentlich nur andere Intensivstationen einladen, diese Idee weiterzutragen, weil es eine tolle Sache ist für jeden Patienten. Auch das Team wird positives Feedback gekommen, was sich natürlich auch positiv auf die Motivation auswirkt. Und es macht nicht deutlich mehr Arbeit, also keine Angst davor!" Wolfgang Wack, Krankenpfleger

Tagebuch wird inzwischen auch in anderen Bereichen angewendet

Ein Krankenhaus soll das Tagebuch zum Beispiel schon nach der Geburt von Frühchen angewendet haben, sodass die Kinder später nachvollziehen können, was in den ersten Tagen ihres Lebens auf der Krankenhausstation und sonst in der Welt passiert ist.

Krankenhausaufenthalt bleibt in positiver Erinnerung

Dank den Notizen von Wolfgang Wack konnte sich Hannelore Wopperer wieder an einzelne Momente im Krankenhaus erinnern. Zum Beispiel, dass sie sich ein Eis von den Pflegern gewünscht hat. Der Krankenhausaufenthalt ist ihr trotz ihrer schweren Krankheit als etwas Schönes in Erinnerung geblieben.

"Man kann sich das gar nicht vorstellen, was die für einen gemacht haben. Das ist das Wunderbarste, was ich in Bezug auf Krankenhaus sagen kann." Hannelore Wopperer, Patientin
© BR

Eine Idee eines Pflegers aus Schwandorf macht in Krankenhäusern in ganz Deutschland Schule: Das Intensivtagebuch. Koma-Patienten können damit nachvollziehen, was mit ihnen und auf der Welt geschehen ist, als sie von all den nichts mitbekommen haben.