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Die Nachfrage nach einem Ausbildungsplatz in der Pflege nimmt immer mehr ab. Doch gerade hier ist der Personalmangel hoch.

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Pflegenotstand: Nachwuchsprobleme in der Krankenpflege

Die Pflege hat ein Nachwuchsproblem, auch in Bayern. Der Pflegenotstand ist akut, dem Beruf fehlt es schlichtweg an Attraktivität. Dennoch entscheiden sich noch immer junge Menschen für eine Ausbildung, sogar in Zeiten von Corona.

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Florian DeglmannFlorian Deglmann
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Dass es einen Pflegenotstand in Deutschland gibt, ist vielen Menschen spätestens durch die Corona-Pandemie bewusst geworden. Fachleuten und Betroffenen ist dieser Umstand allerdings bereits seit Jahren bekannt. Auf Missstände wird schon lange hingewiesen. Viel habe die Politik allerdings nicht unternommen, um den Pflegeberuf attraktiver zu gestalten, heißt es von Kritikern. Schicht- und Wochenendarbeit, anstrengende lange Dienste, mangelnde Wertschätzung in der Gesellschaft und schlussendlich auch die geringe Bezahlung sind alles Faktoren, die junge Menschen vor einer Pflegeausbildung zurückschrecken lassen.

Versorgungslage in Bayern dramatisch

Die Lage sei dramatisch, sagt Bernhard Krautz von der Vereinigung der Pflegenden in Bayern (VdPB). Er und seine Kollegen geben immer wieder Studien in Auftrag, um herauszufinden, wie es um die Pflegesituation im Freistaat bestellt ist, so auch die Studie "Pflegepersonalbedarf Bayern 2020", die das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung (DIP) und das AGP Sozialforschung durchgeführt haben.

Studie belegt Pflegenotstand

Eine zentrale Erkenntnis daraus lautet laut Krautz: "Trotz unsicherer Datenlage kann man festhalten: Die Engpässe drohen nicht, sie existieren bereits. Als mittelbare Indikatoren für bereits bestehende Engpässe sind nicht betreibbare Klinikbetten und Pflegeheimplätze zu werten; hierüber wird immer wieder punktuell und regional berichtet. Aktuell erhalten wir verstärkt Hinweise auf die Geschäftsaufgabe von ambulanten Pflegediensten aufgrund von Personalmangel."

Neben dem quantitativen gebe es auch einen qualitativen Versorgungsengpass. "Katastrophale Zustände" wie in einem Pflegeheim am Schliersee seien in diesem Zusammenhang ein sehr deutliches Warnsignal.

Krankenpflegeschule Lichtenfels: Bewerbungen gehen zurück

Für eine qualitativ hochwertige Ausbildung versuchen die Verantwortlichen an der Berufsfachschule für Krankenpflege in Lichtenfels zu sorgen. Auch hier ist das Nachwuchsproblem bekannt, die Bewerbungen in den vergangenen Jahren sind zurückgegangen, sagt Schulleiter Harald Engel. Auch er fordert die Politik zum Handeln auf. Für den neuen Jahrgang im September habe er 30 Ausbildungsplätze zur Verfügung, besetzt sind bislang lediglich vier davon.

Auch wenn die Situation in der Pflege angespannt ist, möchte Engel nicht alles schlecht reden: "Klar sorgen die Rahmenbedingungen bei vielen Pflegenden für Frust. Dennoch haben wir einen wunderschönen Beruf. Was wir von den Menschen zurückbekommen, das können nicht viele Berufe bieten."

Arbeit mit Menschen als Motivation

So sehen das auch die Schülerinnen und Schüler der aktuellen Abschlussklasse in Lichtenfels, denen Harald Engel ein hohes Maß an Motivation und Leidenschaft attestiert. Eine von ihnen ist Magdalena Zech, die sich nach ihrem Abitur aus Liebe zur Arbeit an und mit Menschen für den Pflegeberuf entschieden hat. "Es wird nie langweilig, es gibt ganz verschiedene Aufgabengebiete und man kann sich in allen Fachbereichen ausprobieren und sich dann später entscheiden, wo man hin möchte."

Eine lebensverändernde Entscheidung hat auch Alexandra Jentzsch getroffen. Die Auszubildende hat fast drei Jahrzehnte im Marketing gearbeitet, ehe sie sich für den Wechsel in die Pflege entschied. Die Schichtarbeit und der Arbeitsalltag seien hart, sagt sie, dennoch bereue sie ihre Entscheidung nicht: "Wenn die Patienten einfach dankbar sind, oder wenn man Erfolge hat, zum Beispiel auch im Unterricht, das macht sehr viel Spaß. Von der Seite her ist es für mich genauso, wie ich es eigentlich wollte. Und ich wusste nach 28 Jahren Werbeagentur: Das kann es noch nicht gewesen sein, da muss etwas Neues her!"

Ausbildungsrückstand kaum aufholbar

Die Begeisterung für den Pflegeberuf ist in der Lichtenfelser Pflegeschule durchaus zu spüren. Dennoch müsste es laut Schulleiter Engel insgesamt deutlich mehr Auszubildende, aber auch Ausbildungsmöglichkeiten geben.

Das sieht auch Bernhard Krautz von der VdPB so: "Wir wissen jedoch jetzt schon, dass der jetzt ausgebildete Nachwuchs keinesfalls ausreichen wird, die in den kommenden Jahren altersbedingt ausscheidenden Kolleginnen und Kollegen zu ersetzen. So viele wie dafür nötig wären, können wir gar nicht ausbilden."

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Die Pflege hat ein Nachwuchsproblem, auch in Bayern. Der Pflegenotstand ist akut, dem Beruf fehlt es schlichtweg an Attraktivität. Dennoch entscheiden sich noch immer junge Menschen für eine Ausbildung, sogar in Zeiten von Corona.

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