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Pflegekräfte in der Coronakrise: Mehr Lob - aber nicht mehr Lohn | BR24

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Seit 19 Jahren arbeitet Barbara Gruber schon als Pflegefachkraft. Durch die Corona-Krise erfährt sie jetzt außergewöhnlich viel Wertschätzung. Finanziell wirkt sich diese neue Dankbarkeit für sie leider überhaupt nicht aus.

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Pflegekräfte in der Coronakrise: Mehr Lob - aber nicht mehr Lohn

Durch die Corona-Krise haben Pflegekräfte mehr Zeitdruck, erfahren aber auch viel Wertschätzung. Finanziell wirkt sich diese Dankbarkeit für sie allerdings nicht aus - auch wenn Wohlfahrtsverbände wie die Caritas gerne mehr zahlen würden.

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Kurz vor neun Uhr. Barbara Gruber ist an diesem Morgen schon zu ihrer dritten Klientin unterwegs. Ihre Zeit ist knapp bemessen. Und mit "Corona" wird die Zeit nun noch knapper. Die Minuten, die sie für die vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen braucht, fehlen ihr dann bei der Pflege der Menschen. Auch das Arbeiten mit Maske - ungewohnt und auf Dauer anstrengend. "Es ist auf jeden Fall eine Herausforderung man kriegt auch weniger Luft, und ich bin am Ende des Tages nach der Arbeit viel mehr kaputt als sonst."

Pflegekräfte für die Menschen oft der einzige Kontakt

Oft sind die Pflegekräfte die einzigen Besucher für die alten Menschen. "Die Verwandten wollen ihre Angehörigen nicht anstecken, deswegen sind wir oft die einzigen, die noch kommen und so eine Verbindung zur Außenwelt darstellen", sagt Barbara Gruber.

Seit 19 Jahren arbeitet sie als Pflegefachkraft. Ihr Beruf hat durch die Corona-Krise mehr Aufmerksamkeit, wird als systemrelevant bezeichnet - doch finanziell wirkt sich die neue Dankbarkeit für sie und alle anderen nicht aus.

"Da hab ich mich schon öfter mal geärgert, wenn es dann um die Bezahlung geht. 'Was das kostet so viel?' Dann sage ich: 'Ja, aber sie kriegen auch viel Leistung dafür.' Der Automechaniker verlangt, was weiß ich, 65 Euro in der Stunde, und ich dürfte nicht mal 40 Euro für die Pflege verlangen." Barbara Gruber, Pflegefachkraft

Rettungsschirme für Pflegekräfte?

Zwischen 2.830 und 3.540 Euro brutto im Monat verdient eine Pflegefachkraft bei der Caritas nach dem Tarifvertrag. Wegen der Corona-Pandemie bräuchte die Caritas jetzt deutlich mehr Personal für die Altenpflege, doch Pflegekräfte sind schwer zu finden.

Die Caritas in München würde Barbara Gruber und ihre Kolleginnen gerne besser bezahlen, doch es gibt offenbar keinen finanziellen Spielraum, weil sie an die Tariftreue gebunden sind. "Das ist tatsächlich ein Dilemma, weil alle natürlich sagen, die Mitarbeiter sollen mehr verdienen", sagt Doris Schneider, die Geschäftsführerin der Caritas Altenheime in der Erzdiözese München und Freising.

"Ich glaube, es ist eine gesellschaftliche Frage, was uns die Pflege und auch die Begleitung von älteren Menschen wert ist. Und wenn man sich anschaut, über welche Rettungsschirme für die Autoindustrie nachgedacht wird und wie wenig Geld im sozialen Bereich ist, dann glaube ich, braucht es insgesamt eine andere Prioritätensetzung in unseren gesellschaftlichen Werten."

Dankbarkeit allein reicht nicht

Denn die Pflegekassen deckeln ihren Zuschuss, sie sind nicht bereit, mehr zu zahlen. Noch mehr Kosten auf die Pflegebedürftigen abzuwälzen, ist ebenfalls schwierig. Der Münchner Diözesan-Caritasdirektor Georg Falterbaum stellt Überlegungen an, ob man nicht grundsätzlich das Gehaltsniveau für pflegende Berufe deutschlandweit anheben sollte.

Momentan motiviert die Dankbarkeit die Pflegekräfte - doch je länger die Krise andauert, desto dringender wird eine ernsthafte Diskussion um gerechtere Bezahlung für soziale Berufe.

Mehr zum Thema "Konsequenzen aus Corona für die Kirchen" in STATIONEN am Mittwoch, 27. Mai 2020 um 19 Uhr im BR-Fernsehen und im Anschluss in der Mediathek.

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