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Besuche in Pflegeheimen unter Auflagen erlaubt | BR24

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Immer mehr Angehörige von Pflegebedürftigen wünschen sich ein Ende des Besuchsverbots in Pflegeheimen. Die sozialen Träger warnen jedoch vor zu schnellen Schritten. Noch seien die Heime schlecht vorbereitet.

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Besuche in Pflegeheimen unter Auflagen erlaubt

Der Wunsch nach einem Ende des Besuchsverbots in Pflegeheimen war groß, vor allem bei Angehörigen und Pflegebedürftigen. Ab dem Wochenende ist es nun soweit - unter strengen Auflagen. Die sozialen Träger warnten im Vorfeld vor zu schnellen Schritten.

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Das coronabedingte Besuchsverbot in Pflegeeinrichtungen wird gelockert: Ab dem Wochenende sind wieder Besuche von einer festen Kontaktperson erlaubt - unter strikten Hygiene- und Schutzmaßnahmen. Das wird viele ganz besonders freuen, denn am Sonntag ist Muttertag. Ministerpräsident Söder sagte in der Pressekonferenz nach der Kabinettssitzung, die Besuche sollten möglichst im Freien stattfinden, es müsse eine Maske getragen und Abstand gehalten werden.

Offenbar fehlt es an Schutzkitteln in Pflegeeinrichtungen

Noch vor Bekanntwerden der Lockerungen hat der Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt AWO in München, Jürgen Salzhuber, allerdings gewarnt: Die Einrichtung seien bis dato schlecht auf den erneuten Besuch von Angehörigen vorbereitet. Vor allem zwei Probleme müssten behoben werden:

"Wir brauchen Schutzkittel und die Möglichkeit, unsere Mitarbeiter und Bewohner testen zu können, als präventive Maßnahme. Ohne diese beiden Dinge würde ich mich weigern, die Heime wieder zu öffnen." Jürgen Salzhuber, Vorsitzender Arbeiterwohlfahrt München

Denn eine Lockerung ohne entsprechenden Schutz, so Salzhuber, würde das Virus in die Heime bringen. In der Tat wurden Pflegekräfte in Heimen bislang nur getestet, wenn sie Symptome aufzeigten.

Träger nehmen Beschaffung in eigene Hand

Zudem verlassen sich immer weniger Träger auf die zentrale Beschaffung von Schutzkleidung durch den Krisenstab der Staatsregierung. Münchenstift, AWO, Diakonie – immer mehr Träger kümmern sich wieder selbst um Kittel und Masken - es sei für sie der aussichtsreichere Weg.

Gesichtsmasken aus dem 3D-Drucker

Die Arbeiterwohlfahrt hat sich für ihre elf Heime in München teure Fieber-Scangeräte gekauft. Damit könnten Besucher vor Betreten von Besuchsräumen gemessen werden. Die Besuchsräume sind speziell eingerichtet: Angehörige erhielten einen speziellen Gesichtsschutz aus dem 3D-Drucker, damit sie mit ihren verwandten Pflegebedürftigen sprechen können - mit Distanz und einer Plexiglasscheibe dazwischen.

Masken und Gesichtsschutz gäbe es genügend. Die Zahl an Einweg-Schutzkitteln reiche aber hinten und vorne nicht, so die AWO. Bei Besuchen von Angehörigen bräuchte es pro Einrichtung mindestens 100 Kittel pro Woche. Auch andere soziale Träger fühlen sich vom Krisenstab der Staatsregierung schlecht versorgt, so die Rückmeldung auf mehrere BR-Anfragen.

Kreative Idee eines Seniorenheims im Landkreis Fürth

Das Oberasbacher Willy Bühner Seniorenheim des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) hat einen Besuchscontainer aufgestellt. Hier können sich Heimbewohner mit ihren Angehörigen treffen und miteinander reden - durch eine Plexiglasscheibe, die die beiden Räume in den Wagen trennt. "Das ist eine Alternative, aber kein gleichwertiger Besucherersatz", sagte Arthur Sieder vom BRK Fürth noch vor Bekanntwerden der Lockerungen. Für den Besuchswagen gibt es ein ausgefeiltes Hygienekonzept.

SPD: Endlich Corona-Tests bei allen Pflegekräften

Die SPD-Landtagsabgeordnete Ruth Waldmann fordert, künftig alle Pflegekräfte beständig auf den Coronavirus zu testen, ähnlich wie auf den Intensivstationen vieler Kliniken. Waldmann ist stellvertretende Vorsitzende des Gesundheitsausschusses und kann die fehlenden Abstriche gerade in Heimen nicht nachvollziehen: "Wenn wir hören, dass die Testkapazitäten inzwischen da sind und nicht ausgeschöpft werden, dann frage ich mich, warum hier jetzt nicht regelmäßig getestet werden kann."

Besuchskonzepte: Einrichtungen haben sich vorbereitet

Von der Kommunalen Altenhilfe Bayern, über Caritas, Diakonie, AWO, das Bayerische Rote Kreuz und das München-Stift – alle Heimbetreiber sind im Prinzip für Besuch und haben dafür bereits jeweils eigene Konzepte ausgearbeitet. Die Vorschläge reichen von einer Begrenzung auf einen Besucher pro Bewohner, über eine telefonische Anmeldung bis zur Idee, Besuche ausschließlich im Freien stattfinden zu lassen. Über allem steht die Priorität: durch strikte Hygieneregeln die Heime frei vom Coronavirus zu halten. Daniel Wagner von der Diakonie Bayern schlägt etwa Corona-Schnelltests bei Heimgästen vor. So könnte innerhalb von Minuten das Infektionsrisiko ausgeschlossen werden.

Auch der Seniorenbeirat der Stadt Landshut hat ein Hygienekonzept für Besucher vorgelegt - und fordert dafür mehr entsprechende Schutzausrüstung und Tests.

Das Menschliche im Vordergrund

Mit Blick auf den Muttertag hatte Ministerpräsident Söder bereits im Vorfeld gesagt, ihm sei es wichtig, wieder Besuchsmöglichkeiten für Mütter und Großmütter zu schaffen. Das Menschliche müsse im Vordergrund stehen, so Söder. Deshalb sei ihm der familiäre Bereich besonders wichtig.

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