BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR/Julia Demel
Bildrechte: BR/Julia Demel

Wegen Corona waren in Altenheimen lange keine Besuche möglich. Senioren haben sehr darunter gelitten. Heime bereiten sich vor, auch in der kalten Jahreszeit Besuche zu ermöglichen.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Pflegeheime rüsten sich für Besucher im Winter

Die Bewohner von Alten- und Pflegeheimen zählen zur Corona-Risikogruppe. Nach einigen schweren Ausbrüchen zu Beginn der Krise wurden viele Heime abgeriegelt. Jetzt steigen die Zahlen wieder, doch wie kann ein Besuchsverbot vermieden werden?

Per Mail sharen
Von
  • Julia Demel

Seit einem Jahr lebt Wolfgang Schaar im Pflegezentrum Hephata in Nürnberg. Der 77-Jährige freut sich auf seine Enkelin Katharina. Doch bevor die zu ihm gelassen wird, muss sie eine ganze Prozedur überstehen: Telefonische Voranmeldung, Empfang durch einen Mitarbeiter, Eintrag in die Besucherliste, Hände desinfizieren. Erst dann dürfen sich die beiden sehen, aber nur in der Besucherzone und mit 1,5 m Abstand. Umarmen dürfen sie sich nicht.

Körperkontakt ist nicht erlaubt: "Ist schon hart!"

Wolfgang Schaar sagt, es sei "schon hart" für ihn, dass er seine Enkelin nicht wie früher in die Arme schließen darf. Trotzdem sind die beiden froh, dass sie sich überhaupt wieder sehen dürfen. Der Großvater hat eine schwierige Zeit hinter sich. Nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt musste er bei seiner Rückkehr ins Pflegeheim für zwei Wochen in Quarantäne und durfte niemandem begegnen.

Partyzelte und Tablets - sollen Kontakte ermöglichen

Das Pflegezentrum tut viel, um den Bewohnern weiterhin Kontakte zu Verwandten zu ermöglichen. Zum Beispiel wurden Tablets angeschafft für eine digitale Kommunikation. Im Sommer gab es eine "Besuchszone" am Gartenzaun. Für die kalte Jahreszeit haben sie jetzt beheizbare Partyzelte vor dem Eingang aufgestellt. Einrichtungsleiter Andrew Scheffel schildert, dass die Bewohner in der Zeit, als das Heim abgeriegelt war, sich wie in einem Hochsicherheitstrakt gefühlt und sehr gelitten hätten: "Man braucht einfach die Nähe zu seinen Lieben, das ist ganz wichtig fürs Wohlbefinden, gerade bei dementen Menschen."

Demente Bewohner hörten auf zu essen

Scheffel erklärt weiter, den Bewohnern ohne Demenz habe man die Situation im totalen Lockdown erklären können, sie seinen aber auch traurig gewesen. Die dementen Bewohner hätten sich aber ohne Bezug zu ihren Vertrauenspersonen zum Teil sehr zurückgezogen, manche hätte sogar das Essen eingestellt. Insofern sei eine solche Situation für sie genauso bedrohlich wie die Bedrohung durch das Coronavirus.

Sind Schnelltests die Lösung für Pflegeheime?

Der Kontakt zu Verwandten, so wie er jetzt möglich ist – mit Abstand – sei deswegen für die Bewohner auf jeden Fall besser als nichts. Einrichtungsleiter Andrew Scheffel hofft aber auf die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn angekündigten Schnelltests.

Wenn die Schnelltests kommen würden, das würde sehr helfen, um den Körperkontakt zu ermöglichen. Die Nähe, die die Bewohner brauchen, die wir alle brauchen, wäre dann wieder da. Das würde sehr viel Entspannung bringen, nicht nur hier im Heim, in der ganzen Gesellschaft. Andrew Scheffel, Leiter Pflegezentrum Hephata

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!