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Prozess vor dem Arbeitsgericht: Kammer Schweinfurt

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Pflegeheim Gleusdorf: Arbeitsgericht gibt Ex-Mitarbeitern Recht

Pflegeheim Gleusdorf: Arbeitsgericht gibt Ex-Mitarbeitern Recht

Die Schweinfurter Kammer des Arbeitsgerichts Würzburg hat zugunsten von sieben ehemaligen Beschäftigten der Seniorenresidenz Gleusdorf geurteilt. Die Pflegekräfte hatten gegen ihre teils fristlosen Kündigungen und auf Lohnfortzahlung geklagt.

Die Kammer Schweinfurt des Arbeitsgerichts Würzburg urteilte zugunsten der ehemaligen Pflegekräfte der Seniorenresidenz Schloss Gleusdorf im Landkreis Haßberge. Wie der Richter mitteilte, seien die fristlosen Kündigungen des Arbeitgebers nicht berechtigt gewesen. Die sieben klagenden Pflegekräfte hätten ihre Arbeitsunfähigkeit durch Atteste belegen können.

Heim-Betreiber hat Insolvenzantrag gestellt

Das beklagte Unternehmen, die MCC Seniorenresidenz Duisburg GmbH, kam nicht zur Verhandlung. Der Vorsitzende Richter sagte in der Sitzung, dass der Anwalt des Unternehmens erst Dienstagnachmittag (11.01.2022) darüber informiert habe, dass niemand komme. Darüber hinaus habe der Anwalt das Gericht darüber in Kenntnis gesetzt, dass das Unternehmen am Dienstagnachmittag beim Amtsgericht Bamberg Insolvenzantrag gestellt habe.

Senioren mussten in andere Heime verlegt werden

Wie berichtet, hatten sich im August letzten Jahres viele Mitarbeiter krankgemeldet. Daraufhin konnten alle 52 Bewohner nicht mehr versorgt werden. Das Landratsamt Haßberge ordnete darauf an, dass alle Bewohner in andere Einrichtungen verlegt werden. Die Mitarbeiter hatten sich krankgemeldet. Der Arbeitgeber glaubte laut Gericht, dass sich die Leute abgesprochen hätten. Das glaubt das Gericht nicht. Auch eine Pflichtverletzung sei den Leuten nicht nachzuweisen. Seit dem Vorfall wird die Seniorenresidenz nicht mehr betrieben.

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Seniorenresidenz Schloss Gleusdorf

Mitarbeiter durch Überlastung krank geworden

Überraschend war: MCC hatte dem Arbeitsgericht 44 Mitarbeiter angegeben, von denen nur noch drei im letzten August zur Arbeit gekommen seien. Jetzt war nur noch von 16 Mitarbeitern die Rede. Ein Anwalt sagte, dass in dem Haus ein eklatanter Personalnotstand geherrscht habe. Durch die Arbeitsüberlastung seien seine Mandanten krank geworden.

Ehemalige Mitarbeiter berichten von katastrophalen Zuständen

Nach ihren Verfahren sagten ehemalige Mitarbeiter, dass bis zum letzten August in dem Haus katastrophale Zustände geherrscht hätten. Von den Decken sei Putz auf die Bewohner gefallen. Die Pflegekräfte hätten die Senioren zum Teil nur mit lauwarmen oder manchmal auch nur kaltem Wasser waschen können, weil kein warmes Wasser aus den Leitungen gekommen sei. Inkontinenz-Material habe regelmäßig gefehlt und die Mitarbeiter hätten immer wieder nach Versorgungsmaterial für die Senioren bei der Leitung fragen müssen. Seit August ist die Einrichtung geschlossen. Ende Januar und im Februar werden vom Arbeitsgericht weitere Klagen von ehemaligen Mitarbeitern verhandelt.

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