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Nicht alle Eltern sind in der Lage, sich um ihre Kinder zu kümmern. Gründe können Drogensucht, familiäre Konflikte oder psychische Erkrankungen sein. In vielen Regionen Deutschlands sind Pflegefamilien jedoch nur schwer zu finden.

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Pflegefamilien in Nürnberg: dringend gesucht

Durch die Corona-Krise ist der Druck auf einige Familien so gewachsen, dass Eltern mit ihren Kindern völlig überfordert sind. Das Nürnberger Jugendamt etwa sucht derzeit nach Pflegefamilien, die diesen Kindern ein sicheres Heim bieten können.

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Von
  • Constanze Schulze

Große Sorge bereite den Mitarbeitern des Jugendamtes in Nürnberg, dass in den vergangenen Wochen vermehrt Kinder in Obhut genommen werden mussten, erklärt Sozialpädagogin Christine Hofmann. Rund 40 Kinder sind aktuell in Obhut des Jugendamtes, etwa 30 von ihnen können nicht zu ihren leiblichen Eltern zurückkehren.

"Wir kriegen mit, dass momentan sehr viele Kinder in Obhut genommen werden und wir rechnen damit, und das hat sicherlich mit der Corona-Zeit zu tun, dass in den nächsten Wochen mehr Meldungen kommen und wir verstärkt Pflegefamilien suchen müssen", berichtet Sozialpädagogin Christine Hofmann.

Wieso können Kinder nicht in bei ihren leiblichen Eltern bleiben?

Die Gründe dafür, dass Kinder nicht bei ihren leiblichen Eltern bleiben können, sind vielschichtig. Vor allem in Ballungsräumen, in Brennpunktvierteln, scheint spätestens mit der Corona-Krise der Druck auf viele ohnehin angespannte Familien gestiegen zu sein. Für 30 Kinder werden in Nürnberg Pflegefamilien gesucht, viele von ihnen hätten keine einfache Vorgeschichte, sagt Susanne Schneider-Flentrup von der Fachstelle für Vollzeitpflege.

"Natürlich gibt es Gewalt und Missbrauchserfahrungen, Vernachlässigungen. Es gibt Kinder, die im Mutterleib schon mit Alkohol oder Drogen zu tun hatten und es ist sehr vielfältig, was sich daraus ergibt. Es ist aber nicht so, dass alle Kinder alle Schwierigkeiten mitbringen."

Wer ist geeignet, ein Pflegekind aufzunehmen?

Das Nürnberger Jugendamt und der Pflegekinderdienst überprüfen die Bewerber sehr genau. Sie wägen ab, wer geeignet ist, ein Kind aufzunehmen. Laut Susanne Schneider-Flentrup müssen sie vor allem eines erfüllen: Sie müssen kinderfreundlich sein und den Pflegekindern ein neues, stabiles und liebevolles Umfeld geben. Geeignet seien dafür viele Menschen. "Wir haben sowohl gleichgeschlechtliche Paare, Alleinerziehende, Paare ohne Kinder, Paare mit Kindern oder schon erwachsenen Kindern und das ist es auch, was wir uns wünschen. Wir brauchen Vielfalt in den Familien, weil unsere Kinder auch vielfältig sind, wir wünschen uns, dass sich viele einfach mal mit dem Thema auseinandersetzen."

Was müssen Pflegeeltern nachweisen?

Voraussetzung dafür, ein Pflegekind aufzunehmen, ist aber natürlich auch, dass die Pflegeltern weder drogen- noch alkoholabhängig sind. Sie müssen außerdem ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen. Damit will der Gesetzgeber sicherstellen, dass Kinder nicht von einschlägig vorbestraften Personen betreut werden. Bei der Vermittlung wird für ein ganz bestimmtes Kind gezielt nach einer geeigneten Pflegefamilie gesucht, die gut auf die Bedürfnisse dieses Kindes eingehen kann. Es ist ein langer und intensiver Prozess, bis tatsächlich entschieden wird, welche Pflegeeltern für ein Kind in Frage kommen.

Wie lange bleiben die Kinder in der Vollzeitpflege?

Oft würden Familien aber zögern, ein Pflegekind aufzunehmen, weil sie Vorurteile haben. Viele Menschen glauben, dass ihnen die Pflegekinder wieder weggenommen werden, berichtet Sozialpädagogin Christine Hofmann. "Die Kinder wären ja nur für kurz da, die muss man alle wieder hergeben, die bleiben nicht. Oder manchmal besteht auch das Vorurteil, warum machen die das eigentlich, machen die das wegen dem Geld? Das sind schon Vorurteile, die ich auch gern aus der Welt geschafft hätte." Denn in den allermeisten Fällen bleiben Pflegekinder, bis sie erwachsen sind und ausziehen wollen.

Wo können sich potentielle Pflegeeltern informieren?

Familien, die Pflegekinder aufnehmen möchten, können sich beim Nürnberger Jugendamt in der Fachstelle für Vollzeitpflege oder bei den Pflegekinderdiensten melden. Dazu zählen: "Die Rummelsberger Dienste für junge Menschen gGmbH", "SOS- Jugendhilfen Nürnberg-Fürth-Erlangen" und der "Sozialdienst katholischer Frauen". Die jeweiligen Mitarbeiter informieren über die besondere Situation der leiblichen Eltern und die Pflegekinder. Sie geben außerdem einen Überblick, welche Auswirkungen die Aufnahme eines Pflegekindes auf die Familie haben kann und welche Voraussetzungen für die Aufnahme erforderlich sind.

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