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Pflege von älteren Menschen in Zeiten von Corona | BR24

© BR/Sarah Beham

Corona bei Senioren

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Pflege von älteren Menschen in Zeiten von Corona

Besuchsverbote in Altenheimen, Großeltern, die ihre Enkel nicht mehr betreuen: Bayern fährt die "Schutzstrategie für Risikogruppen" in Zeiten von Corona hoch. Dazu zählen vor allem ältere Menschen. Wie man sie schützt, worauf man achten soll.

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Ältere Menschen sind besonders gefährdet in Zeiten von Corona. Deswegen gibt es Besuchsverbote in Altenheimen und es wird Großeltern geraten, ihre Enkel am besten nicht mehr zu betreuen: Das alles soll Risikogruppen schützen.

Alltag der Senioren voller Unsicherheit

Das Bayerische Rote Kreuz (BRK) betreibt sechs Heime im Landkreis Deggendorf. Gerhard Gansl ist hier Kreisgeschäftsführer. Er weiß, dass der Alltag der Senioren jetzt vor allem von Unsicherheit geprägt ist. Sie haben Angst, dass sie sich anstecken können. Das führt dazu, "dass sie einfach nicht mehr vor die Tür gehen, die bleiben im Heim. Es gibt ja Pflegebedürftige, die liegen im Bett. Andere aber sind noch rüstig, die in die Stadt zum Einkaufen gehen – das haben die Leute alle eingestellt."

Coronavirus: Alles Wissenswerte finden Sie hier.

Die Übersichtskarte zu den aktuellen Coronavirusfällen in Bayern finden Sie hier.

Maßnahmen in Heimen in der Corona-Krise

Für den Schutz der Risikogruppe der älteren Menschen, gibt es auch in den Deggendorfer Heimen einige Maßnahmen:

1. Die Besuchszeit wurde auf eine Stunde maximal am Tag pro Bewohner reduziert. Wie Gansl sagt, zeigen sowohl Senioren als auch Angehörige viel Verständnis für diese Maßnahme. Die Heime rufen dazu auf, nur wichtige Besuche abzuhalten, alles andere sollte über den telefonischen Kontakt geregelt werden. Ganz wichtig: Vor allem Enkelkinder sollten daheim bleiben.

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich will nicht den Großeltern die Enkelkinder vorenthalten, man soll das auf das notwendige Maß reduzieren. Kinder kennen nichts, sind aber Träger des Virus – hier sollte man vorsichtig agieren. Da geht es um den Schutz für den Senior. Gerhard Gansl, BRK-Kreisgeschäftsführer im Landkreis Deggendorf

2. Die Beschäftigung der Senioren in den Heimen mit Malen, Basteln und ähnlichen Angeboten läuft zwar weiter, aber in sehr reduzierter Form: Therapien werden auf den Wohnbereichen im kleinen Rahmen mit vier Personen abgehalten. Gegessen wird nicht mehr in den großen Gruppen, sondern auch auf den Wohnbereichen. Die Cafeteria wurde geschlossen. Feste wie Maibaumaufstellen oder Starkbierfest wurden abgesagt.

3. Ab dieser Woche wurde auch die Tagespflege in Deggendorf geschlossen. Das Risiko sei einfach zu groß, dass von außen der Virus ins Heim gebracht wird. Deshalb: Tagespflegegäste bleiben zuhause.

Pflege zuhause für die Risikogruppe

Derartige Standards wie in Heimen können zuhause für ältere Menschen, die zur Risikogruppe gehören, kaum geschaffen werden – mit Isolation im Fall einer Infektion zum Beispiel. Trotzdem sollte man besonders daheim die einfachen Hygieneregeln beachten, wie Gansl sagt. Heißt: nicht die Hand schütteln, niesen und husten in die Ellenbeuge, nicht in die Hand, sowie öfter die Hände waschen und desinfizieren.

Die Räume sollten gut belüftet sein und auch daheim sollte nach Gansl gelten: Kontakt zu kleinen Kindern am besten vermeiden. Wenn Besuch zur pflegebedürftigen Person daheim kommt, sollte der Besucher am besten einen Abstand von zwei Metern einhalten. Ganz wichtig: Die Person, die pflegt, sollte möglichst auf soziale Kontakte und große Menschenmengen verzichten, damit sie nicht selbst zur Gefahr wird für die zu pflegende Oma oder Mama daheim. Schutzkittel oder Mundschutz wie in Heimen ist kein Muss, wie der Deggendorfer BRK-Heimleiter Jürgen Gems sagt: Die Kleidung sollte nach dem Pflegen einfach gewaschen werden – der Virus ist so empfindlich, dass er durchs Waschen abgetötet wird.

💡 Schutz für ältere Menschen während der Corona-Pandemie

Gesundheitsminister Jens Spahn empfiehlt beispielsweise Menschen über 60 Jahren, sich gegen Pneumokokken impfen zu lassen. Die Impfung wirkt zwar nicht gegen das Coronavirus – doch sie könnte verhindern, dass durch das Virus eine Lungenentzündung gefährlicher wird.

In der Schweiz sind zum Schutz für ältere Menschen drastische Maßnahmen beschlossen worden – hier dürfen Menschen über 65 Jahre nicht mehr auf Kinder aufpassen oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Das ist in Deutschland und Bayern nicht Gesetz. Dennoch raten Experten dazu, besonders den Kontakt zwischen Großeltern und Enkelkindern zu vermeiden.

Sich als älterer Mensch ganz zu isolieren, macht aber auch krank. Deswegen empfiehlt die WHO älteren Menschen beispielsweise, anderen bei der Begrüßung nicht die Hand zu geben, besonders auf die eigene Hygiene zu achten und sich vor allem von erkälteten Menschen fernzuhalten.

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