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Pflege und Corona: Zwischen Besuchsverbot und menschlicher Nähe | BR24

© picture alliance / BARBARA GINDL / APA / picturedesk.com

Pflegebesuch in Corona-Zeiten: Was kommt in einer zweiten Welle auf die Altenpflege zu?

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    Pflege und Corona: Zwischen Besuchsverbot und menschlicher Nähe

    Von März bis Mai galt in Bayern ein generelles Besuchsverbot in Alten- und Pflegeheimen. Jetzt steigen die Corona-Infektionszahlen wieder. Wie gehen die Einrichtungen nun mit dem Infektionsgeschehen um, ist ein erneutes Besuchsverbot denkbar?

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    Der Anfang war die Hölle, erinnert sich Ute Schaal an die Zeit des Besuchsverbots. Schaal ist Hauswirtschaftsleiterin im BRK-Altenheim Alt-Lehel, mitten in München. Sie sorgt dafür, dass die Bewohner mit Essen versorgt werden, Reinigungsmittel vorhanden sind – und sie hat für ihre Reinigungskräfte Masken genäht.

    Schaal geht in einen kleinen Besprechungsraum voraus, schiebt die Jalousien zur Seite, deutet auf die Fensterfront. "Auf der Straße standen die Besucher, hier saßen die Bewohner. Da gab es keine Berührungen, die haben sich nur übers Telefon gehört und durchs Fenster gesehen", sagt Schaal.

    Seit Mai geht Besuchen mit Auflagen

    Eine Zeit, die wahnsinnig schwierig war, für alle, beschreibt Pfleger und Stationsleiter Emil Kvrgic. Auf seiner Station leben viele demente Menschen: "Sie konnten einfach nicht verstehen, was da passiert. Ihnen war es schwer beizubringen, was da jetzt alles auf sie zukommt."

    Seit Mitte Mai ist die Situation entspannter, die Türen des Altenheims sind zwar nicht mehr offen, wie vor Corona. Aber immerhin, Besucherinnen und Besucher müssen sich nicht mehr im Vorfeld anmelden. Der Mund-Nase-Schutz ist Pflicht, genau wie das Hände desinfizieren, gleich am Anfang, wenn man den lichtdurchfluteten Eingangsbereich betritt.

    An der Anmeldungstheke müssen Besucher noch den Kopf hinhalten, zum Fieber messen, sich – wenn alles in Ordnung ist – in eine Liste eintragen, und schon können sie zu ihrem Angehörigen.

    Besuchsverbote verhindern

    Geht es nach Peter Bauer, dem bayerischen Patienten- und Pflegebeauftragten, dann bleibt es bei Regelungen wie denen im BRK-Altenheim in der Münchner Altstadt. Bauer will verhindern, dass Senioreneinrichtungen wieder komplett abgeriegelt werden.

    Auch ein Sprecher aus dem bayerischen Gesundheitsministerium erklärt, dass Besucherstopps unbedingt vermieden werden sollen. Doch wenn es mehr als 35 Infektionen pro 100.000 Personen gibt, können die Gesundheitsämter vor Ort tätig werden, schreibt der Pressesprecher. Das heißt: Sowohl die Gesundheitsämter vor Ort, als auch in Einzelfällen die Heime selbst oder landesweit das Gesundheitsministerium können Besuchsverbote anordnen.

    Ein generelles Verbot gilt aber als ziemlich unwahrscheinlich. Das begrüßt auch Georg Sigl-Lehner, er ist Präsident der Vereinigung der Pflegenden in Bayern: "Wir sind jetzt etwas besser vorbereitet, aber wir fahren immer noch auf Sicht. Man wisse nie, wie sich der Tag entwickelt", sagt Sigl-Lehner.

    Herbst könnte wieder zur großen Herausforderung werden

    Neben Schutz- und Hygienekonzepten komme es aber auch darauf an, die Arbeitsbelastung der Pflegenden besser in den Blick zu nehmen: Das heißt, diese Berufsgruppe langfristig zu entlasten, indem mehr Personal eingestellt wird, die Gehälter angehoben werden.

    Emil Kvrgic und Ute Schaal betonen eines immer wieder: Durch die Corona-Zeit sei das Haus mehr zusammengewachsen. Doch der Herbst mit möglicherweise steigenden Infektionszahlen könnte für die Heime wieder eine große Herausforderung werden. Gilt es doch, eine Balance zwischen Gesundheitsschutz und ebenso notwendiger menschlicher Nähe zu finden.

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