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Der Pflegenotstand bringt Pflegende an ihre Grenzen. Und trotzdem ist es für viele ein Traumjob.

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Pflege: Traumjob unter harten Bedingungen

Die meisten Pflegenden lieben ihre Arbeit. Menschen zu helfen, erfüllt sie. Dahinter steht allerdings seit Jahren ein "aber". Denn der Pflegenotstand erschwert es den Pflegenden oft, so zu arbeiten, wie sie gerne würden. Ein Beispiel aus Roth.

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Vera HeldVera Held
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Für viele Pflegende ist ihr Beruf auch Berufung. Doch der Pflegenotstand gerade auch in Corona-Zeiten bringt sie an ihre Leistungsgrenzen. Der Berufsalltag ist extrem fordernd und anstrengend, der Zeitdruck enorm, die Ressourcen knapp. Das belegt auch der Alltag in einem Krankenhaus in Roth.

Seit sechs Uhr morgens ist Ayleen Kollmann im Dienst auf der Station zehn in der Kreisklinik Roth. Nach der Visite bespricht sie mit den beiden diensthabenden Ärztinnen, wie es mit den Patienten weitergeht, welche Medikamente oder Behandlungen sie brauchen. Die 21 Jahre alte Ayleen vermerkt alles im Computer und in den Akten der Patientinnen und Patienten. Dann geht es für die frisch ausgelernte Gesundheits- und Krankenpflegerin weiter. Sie muss bei einer Patientin Blutdruck messen und ihr Tropfen geben. Aber die Werte passen nicht. "Das kann man nicht so lassen", sagt sie und holt einen Arzt.

Tausende Schritte in einer Schicht

Schon geht es weiter zur nächsten Patientin. Die Frau hatte eine Entzündung am Auge. Ayleen muss die Infusion wechseln. Sie unterhält sich mit der Frau, die bald nach Hause darf. Aber sie arbeitet dabei hochkonzentriert weiter. Ayleen hat keine Zeit. Sie muss weiter. Denn draußen auf dem Gang piepst es. Ein anderer Patient braucht Hilfe. Rund 12.000 Schritte läuft Ayleen Kollmann in einer Schicht. "Ins Fitnessstudio brauch ich danach nicht mehr gehen", schmunzelt sie.

"Die beste Entscheidung"

Die Patienten auf ihrem Weg zu begleiten und die Dankbarkeit, die sie zurückbekommt, das macht für Ayleen die Arbeit aus. Dass sie einmal in der Pflege arbeiten würde, hätte sie sich früher nicht vorstellen können. Aber nach der Schule wusste sie nicht so recht, was sie machen soll. Da hat sie es einfach ausprobiert. "Ich muss wirklich sagen, dass es die beste Entscheidung war. Ich hätte nicht gedacht, dass ich so viel mit dem Beruf verbinden kann, dass er mir so viel Spaß macht und ich ihn wirklich gern ausübe", sagt die 21-Jährige.

Überstunden und Stress wegen Personalmangels

Ayleen Kollmann liebt ihre Arbeit. Umso mehr schmerzt es sie, dass sie Bedingungen für die Pflegenden so hart sind. Überstunden stehen auf der Tagesordnung, immer wieder muss sie auch als Vollzeitkraft einspringen, weil das Personal fehlt. Schichtdienste und Stress tun ihr übriges. "Es ist sowohl körperlich als auch psychisch eine große Belastung. Den großen Personalmangel bekommen wir wirklich stark zu spüren", erklärt die Ayleen Kollmann.

Zahl der Pflegebedürftigen hat sich verdoppelt

Die Lösung wäre mehr Personal. Doch es entscheiden sich immer weniger Menschen für den Pflegeberuf. Gleichzeitig gibt es immer mehr pflegebedürftige Menschen. Einer Studie des Statistischen Bundesamtes zufolge hat sich die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland in den vergangenen 20 Jahren auf rund vier Millionen verdoppelt. Tendenz steigend. Der Pflegenotstand ist seit Jahren bekannt. Es tut sich aber wenig. Leidtragende sind die Pflegenden, die nicht so arbeiten können, wie sie es gerne möchten.

Forderung: Mehr Personal und faire Gehälter

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) fordert seit Jahren, die Personalausstattung zu verbessen. Außerdem seien bedarfsgerechte Personalbemessung, faire Gehälter und attraktive Karrierewege nötig, erklärt die Vorsitzende des DBfK, Christel Bienstein, in einer Mitteilung. "Sonst lässt sich die Pflegekrise nicht lösen. Es wird nun endlich Zeit, dass die neue Bundesregierung Pflegepolitik angeht", so Bienstein.

Pflegende gehen an die Schmerzgrenze

Für Ayleen Kollmann ist der Pflegeberuf nach wie vor ein Traumjob. Allerdings kann er es für sie nur bleiben, wenn sich die Bedingungen verbessern würden. Denn derzeit geht sie wie viele andere Pflegende an ihre Schmerzgrenze und darüber hinaus, um die Menschen zu versorgen, die Hilfe brauchen. Auch an diesem Tag kann sie ihre Schicht nicht pünktlich beenden. In der Spätschicht ist jemand ausgefallen.

Krankenschwestern wie Ayleen Kollmann spüren den Personalmangel in der Pflege jeden Tag.

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