BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Pfeilschützen-Prozess: Landgericht weist Mann in Psychiatrie ein | BR24

© BR

Der Pfeilschütze von Nordendorf muss dauerhaft in die Psychiatrie. Das hat das Landgericht Augsburg entschieden.

4
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Pfeilschützen-Prozess: Landgericht weist Mann in Psychiatrie ein

Nach vier Prozesstagen ist das Urteil gegen den Pfeilschützen aus Nordendorf gefallen. Das Landgericht Augsburg hat den Mann wegen versuchten Totschlags und Körperverletzung verurteilt. Allerdings kann er dafür nicht verantwortlich gemacht werden.

4
Per Mail sharen

Der Pfeilschütze von Nordendorf muss dauerhaft in einem psychiatrischem Krankenhaus untergebracht werden - wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung in zwei Fällen. Das hat das Landgericht Augsburg am Donnerstag entschieden. Das Urteil ist rechtskräftig.

Pfeilschütze hatte zwei Passanten schwer verletzt

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 35-Jährige von seinem Balkon in Nordendorf aus zwei Passanten mit Pfeilen beschossen und schwer verletzt hatte. Die Pfeile waren mit Metallspitzen bestückt gewesen. Eines der beiden Opfer wurde im Gesicht getroffen. Deshalb wird seine rechte Gesichtshälfte laut Gericht wohl für immer betäubt sein. Der andere Mann wurde an der Brust verletzt.

Täter litt an wahnhafter Störung

Die Anklage wollte ursprünglich eine Verurteilung wegen versuchten Mordes und gefährliche Körperverletzung in zwei Fällen erreichen. In seiner Entscheidung milderte das Schwurgericht die Tat aber zum versuchten Totschlag ab. Die Richterin erklärte, dass zum einen das Mord-Merkmal der Heimtücke nicht gegeben sei. Der 35-Jährige habe zwar billigend in Kauf genommen, die Personen tödlich zu verletzen. Allerdings leide er an einer wahnhaften Störung und sei deswegen am Tattag nicht schuldfähig gewesen. In seinem Wahn, so das Gericht, hätte der 35-Jährige befürchtet, von den Hells Angels verfolgt und bedroht zu werden, und wollte sich deswegen mit der Druckluftpistole verteidigen.

35-Jähriger weiterhin Gefahr für die Allgemeinheit

Das Gericht geht davon aus, dass der Mann aufgrund seiner psychischen Verfassung weiterhin eine Gefahr für die Allgemeinheit ist. Deshalb muss der Mann in der psychiatrischen Klinik bleiben, in der er seit der Tat untergebracht ist. Das Urteil ist bereits rechtskräftig. Der 35-Jährige hatte nach kurzer Rücksprache mit seinem Anwalt Walter Rubach das Urteil angenommen. Rubach erklärte gegenüber dem Bayerischen Rundfunk, dass das Urteil nachvollziehbar und gut begründet sei. Sein Mandant könne jetzt so schnell wie möglich die Therapie antreten.

Keine Bewährung für den Pfeilschützen

Das Urteil ist nicht auf Bewährung ausgesetzt. Die Richterin erklärte dem Verurteilten, der bislang im Sicherheitstrakt des BKH Günzburg untergebracht ist: "Wir können Sie nicht von heute auf morgen nach Hause entlassen, auch wenn sich Freundin und Eltern bereit erklärt haben, sich um Sie zu kümmern."

Er müsse sich jetzt erst erproben, bis er draußen wieder zurechtkomme, so die Richterin. Einmal jährlich werde die Unterbringung in der psychiatrischen Einrichtung geprüft. Deswegen sei seine Situation nicht perspektivlos. Zum Abschluss wünschte die Richterin dem Verurteilten noch viel Kraft, das alles durchzustehen. Sie habe aber keinen Zweifel daran, dass das mit Hilfe der Familie gelingen werde.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!