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PFC-Belastung in Penzing: SPD kritisiert schleppende Sanierung | BR24

© Bayerischer Rundfunk

Fliegerhorst Penzing (BR-Archiv)

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    PFC-Belastung in Penzing: SPD kritisiert schleppende Sanierung

    SPD-Politiker Florian von Brunn kritisiert den Umgang mit der PFC-Belastung am ehemaligen Fliegerhorst Penzing. Die Behörden hätten zu spät gehandelt. Ein Gutachten zu den Altlasten auf dem Gelände sei zudem immer noch nicht veröffentlicht worden.

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    Von
    • Florian Regensburger

    Der umweltpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Florian von Brunn, kritisiert die schleppende Sanierung des mit per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) belasteten ehemaligen Fliegerhorsts in Penzing bei Landsberg am Lech. Außerdem sei die Bevölkerung zu spät über mögliche Gefahren informiert worden, sagte er dem BR.

    Warnung erst durch schärfere Grenzwerte nötig

    Aus einer Anfrage von Brunns an den Bayerischen Landtag geht hervor, dass das Landratsamt Landsberg am Lech im November 2019 darüber informiert hat, dass Fische aus dem nahegelegenen Verlorenen Bach aufgrund einer PFC-Belastung "nicht für den dauerhaften Verzehr geeignet" seien. Zwar wurden dort laut Landratsamt bereits seit 2013 Fische auf PFC untersucht. Die Warnung war demnach jedoch erst im vorletzten Jahr notwendig geworden, nachdem zwischenzeitlich die Grenzwerte verschärft worden waren. Außerdem empfiehlt das Landratsamt Bachanliegern auf seiner Website seitdem zur Vermeidung von weiteren PFC-Kontaminationen "eine Bewässerung von Nutzpflanzen mit Wasser aus dem verlorenen Bach zu unterlassen, bzw. keine Nutztiere mit dem Bachwasser zu tränken".

    Von Brunn: Behörden haben zu spät gehandelt

    Laut von Brunn sei es "völlig unverständlich, dass die zuständigen Behörden erst 2019 vorübergehende Schutz-Maßnahmen für die Bevölkerung ergriffen haben", nachdem die Verwendung der Chemikalien auf dem Gelände bereits bekannt gewesen und die Verwendung schon seit 2006 weitgehend verboten sei. Beim Verzehr bereits von fünf Forellen aus dem Bach pro Jahr bestehe die Gefahr, dass "Herz-Kreislauferkrankungen ausgelöst und der Impfschutz bei Kindern massiv reduziert" werde.

    Ministerium verweist auf umfangreiche Maßnahmen

    Das Umweltministerium betont in seiner Antwort auf von Brunns Anfrage, dass "die Quellen aus der Umwelt, die zur Belastung der Bürger mit PFAS insbesondere PFOS im betroffenen Bereich geführt haben könnten", durch die Warnungen des Landratsamts geschlossen worden seien. Auch sei eine Trinkwasserquelle bei Untermühlhausen bereits 2013 als Vorsichtsmaßnahme dauerhaft geschlossen worden. Die weitere Absicherung des Geländes schreite voran: Etwa am besonders betroffenen Bereich am Feuerlöschübungsbecken werde parallel zur Gutachtenerstellung bereits an einer "Detailplanung" zur Abdeckung dieses Bereichs gearbeitet. Diese soll dafür sorgen, dass kein Regenwasser mehr Schadstoffe aus dem Boden in das umliegende Gelände ausschwemmt. Außerdem sei an dem Becken bereits eine Aktivkohlereinigungsanlage in Betrieb, die weiteres Eindringen von PFC aus dem stark kontaminierten Bereich "minimiert".

    Gutachten soll noch im ersten Quartal kommen

    Von Brunn bemängelt außerdem die seiner Ansicht nach schleppende Erstellung eines Gutachtens zu den Altlasten auf dem ehemaligen Fliegerhorst, das derzeit erstellt wird. In der Antwort des Umweltministeriums heißt es dazu, "die bislang letzten PFC-Untersuchungen wurden Anfang 2020 ausgeführt". Ergebnisse habe die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BimA), die das Gelände des früheren Fliegerhorsts verwaltet, in einem Vorabzug dem Landratsamt Landsberg am Lech Ende Juni 2020 vorgelegt und Corona-bedingt im September 2020 erläuternd vorgestellt. "Aufgrund der Komplexität des Falls" sei die Untersuchung sehr aufwendig. Im Oktober 2020 habe die BimA den Gutachter beauftragt, "einige Passagen im Gutachten noch ausführlicher darzustellen und zu ergänzen". Mit der endgültigen Fassung des Gutachtens sei im Laufe des 1. Quartals 2021 zu rechnen.

    Pläne für Forschung, Gewerbe und Wohnbebauung

    Auf eine Anfrage des BR im Dezember an die BimA bezüglich der langen Zeitspanne bis zur Fertigstellung des Gutachtens, war dies mit der Umfänglichkeit des Gutachtens und der Auslastung des Gutachters begründet worden. Das Gutachten wird eine wesentliche Grundlage bei der Umsetzung der Konversionspläne für das ehemalige Fliegerhorstgelände darstellen, die derzeit von der Gemeinde Penzing sowie der Stadt und dem Landkreis Landsberg erarbeitet werden. Unter anderem sollen dort Unternehmen mit Forschung und Entwicklung, weiteres Gewerbe sowie auch Wohnbebauung angesiedelt werden.

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