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PFC-Belastung in Manching: Bundesrepublik steht vor Gericht | BR24

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Manching gegen die Bundesrepublik Deutschland: Am Landgericht Ingolstadt beginnt am Mittwoch der Prozess wegen der PFC-Verunreinigung des Bodens und des Wassers.

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PFC-Belastung in Manching: Bundesrepublik steht vor Gericht

Der Markt Manching hat die Bundesrepublik Deutschland verklagt. Jahrelang hat die Bundeswehr auf dem Militärflugplatz die gefährliche Chemikalie PFC verwendet. Die Schäden sind bislang nicht behoben. In Ingolstadt beginnt am Mittwoch der Prozess.

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Der Markt Manching trifft die Bundesrepublik Deutschland vor Gericht. Wegen der PFC-Verunreinigung ihres Bodens und Wassers hat die Kommune die Bundesrepublik verklagt – zur Feststellung von "Beseitigungs-, Schadens- und Aufwendungsersatzansprüchen". Erster Verhandlungstermin am Landgericht Ingolstadt ist am Mittwoch.

Schaden durch PFC-Verunreinigung

Auslöser für die Verhandlung im Sitzungssaal 100 ist die jahrelange Ausbringung der gefährlichen Chemikalie PFC auf dem Militärflugplatz Manching durch die Bundeswehr, deren Rechtsträger die Bundesrepublik Deutschland ist. Von der will die Kommune nun sehr viel Geld und eine Beseitigung des Schadens. Der besteht vorwiegend in der PFC-Verunreinigung des Bodens und des Grundwassers auf dem Gemeindegebiet.

Über 120 PFC-Fälle bundesweit

Um welche Summen es bei der Klage konkret geht, will Manchings Bürgermeister Herbert Nerb noch nicht öffentlich machen. Nach Angaben des Freie-Wähler-Politikers ist seine Kommune die Erste, die wegen der PFC-Verunreinigung gegen die Bundesrepublik klagt, doch betroffen seien zahlreiche weitere Kommunen. Nerb hat bundesweit über 120 größere Fälle von PFC-Belastung aufgelistet.

Hohes Klagerisiko

Wie gut oder schlecht die Erfolgsaussichten des klagenden Marktes sind, will auch der Bürgermeister nicht kommentieren. Nerb denkt, dass es ein gewisses Klagerisiko gibt: "Die Aussichten sind nicht abschätzbar“.

Wohl langwieriges Verfahren

Als sicher gilt, dass die Klage nicht so schnell vom Tisch ist. Für den ersten Verhandlungstag am Mittwoch hat das Gericht gerade einmal eine Stunde angesetzt. Bürgermeister Nerb rechnet damit, dass mehrere Gutachten angefordert werden, sich das Verfahren also in die Länge ziehen wird.

Nerb weiß, dass der gesamte Marktgemeinderat hinter ihm stand. In der vergangenen Wahlperiode war der Entschluss zur Klage einstimmig gefällt worden.

Schadensverursacher ist die Bundeswehr

Klar ist, dass die Bundeswehr verantwortlich ist für die PFC-Verunreinigungen. Das hat sie selbst 2018 in ihrem Gefährdungsbericht eingeräumt. Viele Jahre hat sie auf dem Militärflugplatz Manching und an zahlreichen weiteren Standorten PFC-haltigen Löschschaum eingesetzt und dadurch die Ursache gesetzt für die Verunreinigungen im Grundwasser und im Boden. Diese Verunreinigungen begrenzen sich in Manching nicht auf das Gebiet des Militärflugplatzes, sondern breiten sich zunehmend über das Grundwasser aus.

Gefährdungspotential von PFC lange unbekannt

Lange Zeit war über das Gefährdungspotential von PFC wenig bekannt. 2011 wurde der Einsatz von PFC-haltigem Löschschaum europaweit verboten. Seitdem wird die Chemikalie auch in Manching nicht mehr verwendet, sagt die Bundeswehr.

2012 wurde erstmals eine PFC-Verunreinigung eines Weihers, konkret des Lindacher Weihers, bekannt. Er befindet sich in Sichtweite des Manchinger Militärflugplatzes. Allerdings wurde erst 2015 ein Zusammenhang hergestellt mit dem ehemaligen Einsatz des PFC-haltigen Löschschaums durch die Bundeswehr.

Erst weitere drei Jahre später legte die Bundeswehr 2018 einen umfassenden Gefährdungsbericht vor, in dem sie ihre Verursacher-Rolle und das Ausmaß der PFC-Verunreinigung offen legte.

Eigentümer fürchten hohe Wertverluste

In dem Jahr organisierte sich die Bürgerinitiative PFC Flugplatz Manching e.V.. Sie zählt rund 200 Mitglieder. Eine weitere Bürgerinitiative gründeten die Landwirte. Neben der Tatsache, dass die Menschen in den beiden Manchinger Ortsteilen Westenhausen und Lindach seit 2018 ihre Gärten nicht mehr mit Grundwasser gießen dürfen, drohen den Grundstücks- und Hauseigentümern hohe Wertverluste.

Schaden ist noch nicht behoben

Der Markt selbst besitzt in dem betroffenen Gebiet rund 65 Hektar. Sowohl die Bürgerinitiativen als auch Manchings Bürgermeister Nerb monieren, dass die Bundeswehr bis heute nicht mit der Schadensbehebung und –eindämmung begonnen hat.

Signal der Bundeswehr kurz vor Prozessauftakt

Nur wenige Tage vor dem ersten Verhandlungstag am Mittwoch meldet sich nun die Bundeswehr und nennt einen konkreten Termin für den Auftakt der Sanierung. Für den 20. Juli ist eine erste Bohrmaßnahme geplant. Sie dient dem Bau eines Probebrunnens nach dem Pump&Treat-Verfahren.

Wie der Sprecher des Landratsamts Pfaffenhofen erläutert, laufen in den folgenden Monaten Pumpversuche zur Bestimmung der hydraulischen Eigenschaften des Grundwasserleiters. Parallel finden Tests zur Ermittlung des optimalen Reinigungsverfahrens statt. 

Sanierung kommt für Bürgermeister reichlich spät

Für den Manchinger Bürgermeister kommt dieser erste Anlauf in Richtung Sanierung reichlich spät. "Wir könnten schon seit zwei Jahren sanieren", so Herbert Nerb. Er verweist auf die PFC-Sanierung, die Audi auf dem ehemaligen Ingolstädter Gelände von Bayernoil durchführt, dem heutigen IN-Campus. Dort reinigen mehrere Brunnen mit Pumpen und Filtern das vom Gelände in der Fließrichtung austretende Grundwasser, sodass kein PFC mehr nachströmt und die Belastung der Umgebung dadurch immer weniger wird.

Bürgerinitiative: "Ein Brunnen reicht nicht"

"Diese Verfahren brauchen wir auch im Norden des Flugplatzes, und zwar mit mindestens fünf Brunnen", so Gudrun Lemle von der Bürgerinitiative. Die Bürgerinitiative fordert zudem den Austausch des Bodens an den besonders verunreinigten Stellen sowie die Überprüfung, ob die Bundeswehr nicht noch durch andere Maßnahmen weiterhin PFC-haltige Stoffe ausbringt.

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