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Pfandringe als Geste der Solidarität und Nachhaltigkeit | BR24

© BR/Olga Henich

Pfandring in Roth

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Pfandringe als Geste der Solidarität und Nachhaltigkeit

Damit wertvolle Pfandflaschen nicht im Restmüll verschwinden und Sammlern das Wühlen in Mülleimern erspart bleibt, führt Roth nach erfolgreicher Testphase mehr Pfandringe ein. Eine nachhaltige und soziale Initiative auch für andere Städte.

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Von
  • Olga Henich

Unauffällig und schlicht fügt sich der Pfandring am Rother Marktplatz in das Gesamtbild ein. Die rote Metallhalterung am Straßenpfosten lädt Passanten dazu ein, ihre leeren Pfandflaschen hier abzustellen, statt sie in den Müll zu werfen. Insgesamt finden im Behälter, der über dem öffentlichen Abfalleimer montiert ist, sechs Flaschen oder Dosen Platz. Erst wenn Leergut darin steht, lässt sich der Nutzen des Pfandrings erkennen.

Beitrag für Umweltschutz und Bedürftige

Angeregt wurde das Projekt vom Jugendhaus in Roth. "Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit sind für die Jugend ein großes Anliegen", so der ehrenamtliche Jugendhausrat Martin Winkler. "Wir möchten die Würde der Menschen, die sich durch Pfandgut ein Zubrot verdienen, schützen und ihnen das Wühlen in Mülleimern ersparen", erklärt Simon Weiß vom Jugendhaus. "Gleichzeitig wollen wir damit auch Verschwendung vermeiden, weil zu viele Ressourcen wie Pfandflaschen im Abfall landen."

Den jungen Initiatoren ist aufgefallen, dass moderne Mülleimer oftmals kleinere Öffnungen haben, was die Pfandsuche für Sammler erschwere. Darüber hinaus birgt das Durchforsten von Abfall auch ein hohes Verletzungsrisiko. "Wer im öffentlichen Mülleimer nach Flaschen suchen muss, kann sich an Scherben schneiden und gerade in Pandemiezeiten ist es nicht hygienisch, zwischen Essensresten und anderen ekligen Dingen suchen zu müssen", so Simon Weiß.

Stadt Roth installiert Pfandringe

Die Stadt Roth unterstützte die Initiative und investierte zunächst in einen Prototyp am Marktplatz. Nach dem erfolgreichen Probelauf wurde das Angebot im Stadtgebiet erweitert. Nun können Passanten nicht mehr benötigte Pfandflaschen an zehn weiteren Orten wie dem Bahnhof, an Spielplätzen oder in der Nähe von Supermärkten loswerden. "Vor allem wir Jugendliche werfen gern irgendwas weg, da ist es eine schnelle und saubere Lösung für mich", bemerkt ein junger Mann. Ein Pfandring kostet die Stadt 179 Euro. "Natürlich muss man immer beobachten, an welchen Stellen der größte Bedarf für die Ringe ist und sie im Zweifelsfall mal umstellen", sagt Martin Winkler.

Städte reagieren unterschiedlich

Ursprünglich von einem Kölner Design-Studenten entworfen und erstmals im Jahr 2014 in Bamberg installiert, sorgten die Pfandringe in Deutschland bisher für unterschiedliche Erfahrungen.

Während in Bochum oder Düsseldorf die Ringe gut ankommen, haben andere Städte wie Regensburg oder Bamberg den Versuch nicht ausgeweitet. In Mittelfranken möchte die Stadt Fürth im Frühjahr einen Testlauf mit Pfandringen starten. In Nürnberg wurde die Idee bisher immer wieder abgelehnt, private Einrichtungen für Pfandflaschen werden allerdings geduldet. Befürchtet wird zum einen, dass die Pfandringe zweckentfremdet zur Ablagefläche für anderen Müll wie etwa To-Go-Becher missbraucht würden und die Arbeit der Müllabfuhr erschwerten. Zum anderen könnten gut situierte Menschen Bedürftigen das Pfand wegschnappen, sobald die Hürde wegfällt, das Leergut aus dem Müll zu holen.

Pfandringe noch unbekannt

In Roth fiel die Resonanz bisher positiv aus. "Es gibt genügend Flaschensammler, die die Ringe nutzen. Das ist ein Haufen Geld für sie", bestätigt der Spaziergänger Franz Ackermann, der eine leere Flasche im Ring abstellt. "Es ist nicht so, dass Anzugträger den ganzen Tag durch die Stadt rennen und versuchen, Pfandflaschen abzugreifen", sagt Martin Winkler. "Und selbst wenn es jemand mitnimmt, der es eigentlich nicht braucht, ist es trotzdem eine vernünftige Verwertung der Ressourcen. Die Flaschen erzeugen keinen Restmüll und der Recycling-Kreislauf wird aufrechterhalten."

Letztendlich hängt der Erfolg der Pfandringe davon ab, wie sich die Einwohner einer Stadt verhalten. "Je bekannter die Pfandringe sind und je mehr die Bevölkerung weiß, wie man sie benutzt, desto mehr profitiert auch jeder Einzelne davon", so Simon Weiß.

© BR

Die Gemeinde Roth führt Pfandringe im gesamten Stadtgebiet ein. So sollen Pfandflaschen nicht im Müll landen und Pfandsammlern das Wühlen in Mülleimern erspart bleiben.

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