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Sie holt Wissenschaftlerinnen und Professoren an die Schule, kocht in Latein mit ihren Schülern römisches Essen oder sprayt Graffiti zur Reformation. Annette Wörmann aus Pfaffenhofen gewinnt den Deutschen Lehrerpreis als "ausgezeichnete Lehrkraft".

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Pfaffenhofener Lehrerin gewinnt Deutschen Lehrerpreis

Sie holt Wissenschaftler an die Schule, kocht in Latein römisches Essen oder sprayt Graffitis in Religion: Annette Wörmann aus Pfaffenhofen gewinnt neben Maximilian Gebhard aus Weilheim den Deutschen Lehrerpreis als "ausgezeichnete Lehrkraft".

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Von
  • Manuel Rauch

Einmal im Jahr werden Deutschlands beste Lehrerinnen und Lehrer ausgezeichnet – mit dem Deutschen Lehrerpreis. Heuer haben gleich drei Pädagoginnen und Pädagogen aus Bayern Preise in der Kategorie "Ausgezeichnete Lehrkräfte" abgeräumt. Sie bekommen jeweils ein Preisgeld in Höhe von 500 Euro für den Unterricht: Lena Büttner aus Nürnberg, Maximilian Gebhard aus Weilheim und Annette Wörmann vom Schyren-Gymnasium Pfaffenhofen. Die 38-Jährige unterrichtet Religion und Latein, koordiniert die berufliche Orientierung und leitet die Begabtenförderung an der Schule.

Einfühlsam auch im Homeschooling

"Ich bin kein besserer und kein schlechterer Lehrer als jeder andere", sagt Annette Wörmann gleich zu Beginn des Gesprächs mit dem BR. "Ich versuche eben, mein Bestes zu geben und guten Unterricht zu machen." In den Worten ihrer Schülerinnen und Schüler klingt das Lob freilich überschwänglicher. Schließlich haben sie Frau Wörmann für den Preis nominiert. "Sie ist so eine nette, lustige und sympathische Lehrerin", lobt eine Schülerin. Spannender Unterricht, bestens vorbereitet, ein offenes Ohr für alle und immer gut gelaunt – so beschreiben sie die meisten ihrer Schüler. "Außerdem kenn ich keine Lehrerin, die so viele Eselsbrücken bei den Vokabeln parat hat", ergänzt eine Schülerin aus der siebten Klasse.

Am staatlichen Schyren-Gymnasium in Pfaffenhofen unterrichtet Annette Wörmann Latein und Religion. Momentan wegen Corona meistens vom heimischen Schreibtisch in Allershausen - am liebsten aber natürlich live im Klassenzimmer. "Ich glaube, die größte Ressource, die ich mitbringe, ist, dass ich mich sehr gut einfühlen kann in die Schüler", erzählt Annette Wörmann. "Außerdem schau ich immer, dass das Klassenzimmer offen für Neues ist."

Unterricht mit Experten

Das merkt man vor allem beim schulischen Begabten-Förderprogramm LEAP (Leistung-Engagement-Anregung-Perspektive), das die Lehrerin leitet – und zu dem sie regelmäßig Experten aus unterschiedlichen Fachgebieten in die Schule einlädt: Wissenschaftlerinnen und Professoren, die Vorträge halten und mit den Schülerinnen und Schülern diskutieren. Etwa über künstliche Intelligenz, humanitäre Hilfe in Afghanistan, zeitgemäßes Wohnen oder Musiktheorie am Beispiel Heavy Metal. "Das belebt den Unterricht unglaublich", erzählt Annette Wörmann begeistert.

In Religion und Latein verlässt Frau Wörmann mit ihren Schülerinnen und Schülern gerne mal das Klassenzimmer. "Einmal hat sie mit der ganzen Klasse römisches Essen gekocht", erinnert sich eine Schülerin. Eine andere denkt gerne an einen Wettbewerb zurück, bei dem die Schülerinnen und Schüler mit Frau Wörmann ein Graffiti zum Thema Reformation gesprayt haben. Den Unterricht lebendig gestalten, damit wirklich was hängenbleibt – eins der Hauptanliegen von Annette Wörmann. Das Wichtigste sei schließlich, dass die Kinder und Jugendlichen gerne in ihren Unterricht kommen.

Lehrerin mit Leib und Seele

Nicht umsonst ist Frau Wörmann bei ihren Schülern für ihre ansteckende, gute Laune bekannt. "Ich bin wirklich mit Leib und Seele Lehrerin und gehe jeden Tag gerne in dieses Schulhaus", sagt Annette Wörmann, und das spürt man auch, wenn sie von ihrem Beruf erzählt: "Für mich war immer klar: Ich möchte Lehrerin werden – und ich habe es nicht bereut."

Ihren Schülern will sie auf Augenhöhe begegnen. Immer ein offenes Ohr für die Anliegen der Kinder und Jugendlichen zu haben, sei dafür ganz wichtig. "Ich achte darauf, dass ich jedem Schüler bei der Begrüßung in die Augen schau, sodass sich jeder gesehen fühlt. Nicht nur die sehr guten und die sehr lauten Schüler, sondern wirklich jeder, der in den kommenden 45 Minuten vor mir sitzt", erklärt Annette Wörmann.

Auch im Distanzunterricht: Keiner bleibt zurück

In Zeiten von Corona und Online-Unterricht sei die Beziehungsarbeit freilich eine andere als beim Präsenzunterricht. Nichtsdestotrotz sei der Austausch nach wie vor da – per Mail oder Sprachnachricht. Und zum Schluss sagt Annette Wörmann einen Satz, der ihre Arbeit wohl am allerbesten zusammenfasst: "Ich glaube, als Lehrerin tut man gut daran, wenn man Hoffnung in jeden einzelnen Schüler setzt – und keinen zurücklässt."

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Maximilian Gebhard, Realschullehrer für Mathe und Religion in Weilheim

Das Staunen an der Realschule Weilheim war groß, als ein Brief des Bundespräsidenten einen besonderen Preis ankündigte: Maximilian Gebhard gehört in seiner Kategorie zu Deutschlands besten Lehrern.

Ehemalige Schülerinnen: Großer Motivator

Seine frühere Schülerin Jessica Schulze hat letztes Jahr die Realschule mit Erfolg abgeschlossen und macht jetzt Abitur. Den Erfolg ihrer schulischen Laufbahn schreibt sie zwei Faktoren zu: Mathe und Religionslehrer Maximilian Gebhard. Sie sagt wie zwei Mitstreiterinnen aus dem letzten Jahr: Er hat die Auszeichnung als einer der besten Lehrer Deutschlands verdient.

Sie erinnern sich gerne an den vor Leben nur so sprühenden Gute-Laune-Pauker, der so gar nicht ins Klischee von Schule und Lernen passt. Die Jury ist unter anderem durch die Schulsprecherin des letzten Jahres auf Gebhard aufmerksam geworden: Jessica Palmer bezeichnet ihn als großen Motivator.

Geprägt durch Jugendarbeit

Der 32-jährige Gebhard machte 2008 in Aschaffenburg Abitur. Er studierte Mathematik und evangelische Religionslehre. Geprägt wird er durch die Jugendarbeit, wo er seine soziale Ader und pädagogisches Geschick entwickelt. Er möchte stets „individuelles Denken ins Schulsystem einbringen.“

Das hat auch die Jury des deutschen Lehrerpreises überzeugt. 500 Euro sind mit dem Preis verbunden, die in ein Schulprojekt fließen werden. Maximilian Gebhard ist Vertrauenslehrer der Realschule und leitet die Schulband.

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