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Petition: Mohr im Coburger Stadtwappen sorgt für Ärger | BR24

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Weil ein Mohr das Wappen Coburgs ziert, steht die Stadt plötzlich in der Kritik. In einer Petition fordern bereits mehr als 2.000 Menschen, die Stadt solle ihrem Motto Taten folgen lassen und ihr Wappen ändern.

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Petition: Mohr im Coburger Stadtwappen sorgt für Ärger

Weil ein Mohr das Wappen Coburgs ziert, steht die Stadt plötzlich in der Kritik. In einer Petition fordern bereits mehr als 2.000 Menschen, die Stadt solle ihrem Motto Taten folgen lassen und ihr Wappen ändern.

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Eine Petition im Internet fordert Coburgs Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD) dazu auf, das Stadtwappen, den "Coburger Mohr", zu ändern. Das stößt in der Stadtspitze auf Ablehnung und die Stadt Coburg steht plötzlich in der Kritik.

Der Mohr, ein rassistisches Überbleibsel der Kolonialzeit

Die Initiatoren der Petition, Juliane Reuther und Alisha Archie, kritisieren die Darstellung eines dunkelhäutigen Menschen mit dicken Lippen und großem Ohrring als ein höchst rassistisches Überbleibsel der Kolonialzeit. In einem Brief fordern sie Coburgs Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD) deshalb auf, die Stadt solle sich von dem Wappen distanzieren und ihrem Motto "Werte und Wandel" gerecht werden.

"Schutzpatron der Stadt ist eine Ehre"

Coburgs zweiter Bürgermeister Hans-Herbert Hartan (CSU) sagte dem Bayerischen Rundfunk, es sei ihm völlig schleierhaft, was man in das Wappen hineininterpretieren wolle.

"Wenn ein farbiger Mensch der Schutzpatron einer Stadt ist, dann ist das ja eine Ehre und keine Diskriminierung." Hans-Herbert Hartan (CSU), Coburgs Zweiter Bürgermeister

Er halte das Ansinnen für völlig sinnbefreit. Er vermute, dass die Diskussion von außen nach Coburg eingetragen werde und die Initiatoren keine Coburger seien. Ein Coburger würde eine solche Diskussion kaum führen, so Hartan weiter.

Heiliger Mauritius als Heiliger und Schutzpatron

Auch der Kultur- und Museumswissenschaftler und ehemalige Stadtheimatpfleger Coburgs, Hubertus Habel sagte dem BR, die Übernahme des Kopfes des Heiligen Mauritius ins Stadtwappen sei Zeichen einer immensen Hochachtung und keine Abwertung.

Ursprünglich sei der Heilige Mauritius, der auf dem Coburger Wappen abgebildet sein soll, Ende des Dritten Jahrhunderts der Führer einer römischen Legion aus Ägypten gewesen und christlichen Glaubens. Er sei nicht schwarz gewesen, allerdings habe man ihm schon im Spätmittelalter als stereotypen Afrikaner als Schwarzen dargestellt. Bei einem Kriegseinsatz in der Schweiz sei der Mann wegen seines Glaubens hingerichtet und als Märtyrer und später als Heiliger angerufen worden. Der Heilige Mauritius habe schon als Schutzpatron des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen gedient.

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Im Rathaus weiß man nicht, wer die Diskussion über den Coburger Mohr in die Stadt getragen hat.

Reliquien Ursprung der Verbindung zwischen Mauritius und Coburg

Die Verbindung zwischen dem Heiligen Mauritius und der Stadt Coburg kam durch den Transport der Reliquien von der Schweiz nach Magdeburg zwischen dem 10.- und 12. Jahrhundert zustande, als die sterblichen Überreste in einer Kirche, der heutigen Morizkirche zwischenlagerten und die Kirche damit die Schutzherrschaft erlangte. Somit wurde er auch Heiliger der Coburger Bürgerschaft, so Habel. 1354 tauchte der Kopf das erste Mal auf einer Münze in Coburg auf und wurde zum Symbol der bürgerlichen Gesellschaft. 1580 erschien der Kopf des Mauritius dann zum ersten Mal im Wappen der Stadt.

1934 schufen die Nazis ein neues Stadtwappen, ein SA-Abzeichen. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte der Kopf des Mauritius als Wappen zurück, in seiner jetzigen Form existiert das Wappen seit 1959.

Initiatorinnen: "Wird Zeit für Änderung des Wappens"

Juliane Reuther, eine der beiden Initiatorinnen der Online-Petition für die Änderung des Wappens, sagte dem BR, die Idee dazu sei den beiden im Zuge der Black-Live-Matters Bewegung nach dem Tod des Schwarzen George Floyd gekommen. Die beiden Initiatorinnen stammen aus Oberfranken und kannten den Coburger Mohr schon lange. Doch spätestens jetzt sei aus ihrer Sicht die Zeit gekommen, etwas zu ändern.

"Es geht hier um einen eurozentrischen Stereotyp, der von Coburg aus weiterverbreitet wird, obwohl bewusst ist, dass Mauritius gar nicht so aussah, und dass diese Merkmale, die man an diesem Mann sieht, sehr rassistisch geprägt sind." Juliane Reuther, Initiatorin der Online-Petition

Hoffnung auf Veränderung

Es wäre für sie und ihre Mitstreiterin Alisha Archie enttäuschend, wenn sich durch die Petition nichts ändern würde und man nicht anerkennen würde, dass sich schwarze Menschen von diesem Wappen rassistisch beleidigt fühlten, so Reuther. Es gehe ihnen nicht darum, die Tradition der Stadt Coburg oder die Stadt Coburg als rassistische Stadt darzustellen. Man wolle einen Wandel anregen, dass alle Menschen, die Coburg besuchen, sich dort wohl- und respektiert fühlen und nicht mit diesem Bildnis konfrontiert werden. Bislang haben über 2.200 Menschen die Petition unterschrieben

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