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Bildrechte: picture alliance/dpa | Daniel Karmann

Bayerische AfD hat den Bundestagsabgeordneten Peter Boehringer als Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl am 26. September aufgestellt

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Boehringer AfD-Spitzenkandidat in Bayern für die Bundestagswahl

Bayerns AfD hat den Bundestagsabgeordneten Peter Boehringer auf Platz 1 ihrer Landesliste für die Bundestagswahl am 26. September gewählt. Der Vorsitzende des Haushaltsausschusses im Bundestag war einziger Bewerber für die Spitzenkandidatur.

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Von
  • Johannes Reichart
  • BR24 Redaktion

Im mittelfränkischen Greding (Landkreis Roth) hat die bayerische AfD den Bundestagsabgeordneten Peter Boehringer als Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl am 26. September aufgestellt. Der Vorsitzende des Haushaltsausschusses im Bundestag war der einzige Bewerber für die Spitzenkandidatur. Der AfD-Politiker aus dem Wahlkreis Amberg konnte 94 Prozent der 310 Delegierten von sich überzeugen, wie der Versammlungsleiter verkündete. Damit konnte er die Stimmen beider AfD-internen Lager auf sich vereinen.

Boehringer sieht sich als "Mann der Parteimitte"

Boehringer, der sich auch für den Austritt Deutschlands aus dem Euro und aus der EU einsetzt, kritisierte in seiner Rede die Corona-Politik der Bundesregierung. Man befinde sich immer noch in einer "Schlacht um unsere Grundrechte". Dass er mit deutlicher Mehrheit zum Spitzenkandidaten gewählt wurde zeigt, dass es in der Partei trotz aller Strömungen doch einen großen Kernbestand an gemeinsamen Werten gebe, wie der 52-Jährige sagte. Er wolle die AfD nun als "Mann der Parteimitte" in den Wahlkampf führen.

Laut Boehringer müsse die AfD weiterhin auch unbequeme Positionen vertreten: "Wir brauchen unser Parteimotto 'Mut zur Wahrheit'. Die Wahrheitssuche muss über allem stehen, manchmal sogar über der Mehrheitssuche", so Boehringer. Es gäbe Situationen, in denen man eine Minderheitenposition durchhalten müsse und nicht der massenmedialen Mehrheit folgen dürfe, selbst wenn das kurzfristig Ärger ersparen würde, und vielleicht sogar ein paar flüchtige Stimmen brächte.

AfD derzeit in Bayern bei zehn Prozent

Umfragen zufolge würden sich bei der Bundestagswahl zehn Prozent der Bayern derzeit für die AfD entscheiden. 2017 hatten 12,4 Prozent der Wähler im Freistaat der Partei ihre Stimme gegeben. "Mein Ziel wäre schon, dass wir das Ergebnis halten", sagte Boehringer.

Miazga auf Listenplatz zwei

Spannend wurde das Rennen um Listenlatz zwei: in einer Stichwahl setzte sich die bayerische AfD-Landesvorsitzende Corinna Miazga mit 156 zu 133 Stimmen gegen ihren Stellvertreter Hansjörg Müller durch. "Ich bin wieder da", hatte Miazga mit den Tränen kämpfend bei ihrer Bewerbungsrede gesagt. Für die 38-Jährige war es einer der ersten großen öffentlichen Auftritte nach der Bekanntgabe ihrer Krebserkrankung Ende 2020.

Miazga zählte früher zum Lager des völkischen "Flügels", hat sich mittlerweile aber von diesem zusehends entfernt. Ihr Sieg über Müller gilt damit gleichzeitig als Sieg des gemäßigteren AfD-Lagers, dem Miazga inzwischen angehört. Müller hingegen war in der Vergangenheit immer wieder durch provokante Reden aufgefallen und hatte dem Vernehmen nach viele Unterstützer im offiziell aufgelösten Flügel. Das Verhältnis zwischen Miazga und Müller gilt als zerrüttet.

310 Delegierte nehmen am Parteitag teil

Die Wahl in Greding bestimmt, in welcher Reihenfolge die Partei Abgeordnete aus Bayern in den nächsten Bundestag entsendet. Auf den dritten Platz wurde der niederbayerische AfD-Bezirkschef Stephan Protschka gewählt. Die übrigen Plätze sollten am Samstag und an den darauffolgenden sechs Terminen bis Mitte Juni vergeben werden.

Aufgrund der Corona-Auflagen bestimmt die AfD entgegen ihrer Satzung und üblichen Praxis die Liste zur Bundestagswahl nicht in Form eines Mitglieder- sondern eines Delegiertenparteitags. Für das Treffen in Greding hat das Landratsamt in Roth eine Genehmigung gegeben. Die AfD klagte erfolgreich gegen das Verbot des Verzehrs von Essen und Trinken während des Parteitags sowie gegen die Auflage, an aufeinander folgenden Tagen die Delegierten jedes Mal aufs Neue auf Corona zu testen. Laut Versammlungsleiter waren am Samstag knapp über 300 akkreditierte Delegierte anwesend.

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