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PETA-Forderung: Roboter-Delfine für den Nürnberger Tiergarten | BR24

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Roboter statt lebender Delfine? Der Nürnberger Biologe und Delfin-Experte Lorenzo von Fersen hält wenig von der PETA-Forderung.

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    PETA-Forderung: Roboter-Delfine für den Nürnberger Tiergarten

    Eine Erfindung aus den USA bringt die Tierschutzorganisation PETA zu einer überraschenden Forderung: Der Tiergarten in Nürnberg soll seine Delfine gegen Roboter ersetzen. Biologe und Delfin-Experte Lorenzo von Fersen hält wenig von der Idee.

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    Die Tierschutzorganisation PETA hat den Nürnberger Tiergarten in einem Schreiben aufgefordert seine echten Delfine gegen mechanische zu ersetzen. Laut einer Mitteilung von PETA sollen die "Roboter-Delfine die Gefangenschaft von Delfinen beenden". Neben der Bitte, die Delfine in eine betreute Bucht im Meer abzugeben, fordert PETA den Tiergarten auch auf, die Zucht der Tiere einzustellen.

    Nürnberger Delfinen geht es gut

    Der am Nürnberger Tiergarten für die Delfine zuständige Biologe, Lorenzo von Fersen, betont angesichts dieser Forderungen, dass es keine Notwendigkeit gebe, die Nürnberger Delfine in betreute Buchten zu bringen. Zum einen gäbe es solche Einrichtungen kaum. Zum anderen gäbe es keine Hinweise darauf, dass es den Tieren in Nürnberg schlecht gehe.

    Zoos wollen Delfinarten vom Aussterben bewahren

    Gerade in der heutigen Zeit, in der man zusehen könne, wie die Tierarten aussterben, seien Zoos und Tiergärten wichtiger denn je, so von Fersen auf Anfrage des BR. Der Tiergarten unterstütze gerade Projekte, die Delfinarten wie die Vaquitas in Mexiko oder die Irawadi in Kambodscha vor dem Aussterben bewahren wollen. "Bei den Vaquitas in Mexiko gibt es nur noch neun Exemplare. Da können wir die Uhr stellen, bis wann der letzte überlebt", sagte von Fersen.

    Delfine abgeben wäre "großer Fehler"

    Die Großen Tümmler aus Nürnberg irgendwo andershin zu bringen, wäre für von Fersen ein großer Fehler. Die Nürnberger Tiere sind Teil pädagogischer Programme, die dazu da sind, die Menschen für die Natur, die Tiere und speziell die Delfine zu sensibilisieren. Dank der lebenden Exemplare am Nürnberger Tiergarten konnten auch Gelder generiert werden, die wiederum anderen Projekten, zum Beispiel den Vaquitas und vielen anderen bedrohten Delfinarten in ihrem Lebensraum helfen sollen. Zudem sei es fraglich, ob die Zuständigen in solchen betreuten Buchten (Dolphin Sanctuarys) überhaupt das Know-How hätten, um die Nürnberger Delfine sinnvoll zu halten.

    Forschung rettet Tierleben

    Gerade aber Zoos und der Tiergarten hätten mittlerweile viel Forschung zu den Delfinen betrieben, die auch den freilebenden Tieren zugutekomme. Unter anderem wird über die Elektrorezeption der Delfine geforscht. Das Wissen darüber findet möglicherweise eine Anwendung bei den Tieren in Freiheit. Gestrandete Tiere könnten gerettet werden, durch veterinärmedizinische Erkenntnisse, die unter anderem im Tiergarten gemacht wurden. All das wäre nicht möglich, wenn man die Tiere nicht zeigen könne.

    Roboter: Entfernung von Mensch zu Natur

    Solch ein Roboter, wie ihn PETA vorschlägt, koste ein paar Million Euro; "das Geld sollten sie in die Rettung der Tiere geben, die wirklich vom Aussterben bedroht werden“, meinte von Fersen. Davon gäbe es eine lange Liste "von Arten, die wir in den nächsten Jahren verlieren werden". Roboter leisteten einen weiteren Beitrag dazu, dass die Menschen sich noch weiter von der Natur und dem lebenden Tier entfernen. Dabei habe der Mensch eine angeborene Neigung zum Lebendigen, die Biophilie. Und werde diese unterstützt, würden die Menschen auch die Natur besser begreifen und damit schützen.

    Roboter statt echte Tiere in Wasserparks

    Eine Firma aus dem US-amerikanischen San Francisco, Edge Innovation, hatte den Prototyp eines lebensechten Roboter-Delfins erfunden. Die Erfinder äußern gegenüber der britischen Tageszeitung "The Guardian" den Wunsch, dass die animatronischen "Tiere" irgendwann ihre lebendigen Gegenstücke zum Beispiel in Wasserparks ersetzen.

    PETA immer wieder in der Kritik

    Die Tierschutzorganisation setzt immer wieder auf provokante Forderungen. Der Stadt Hamburg bot PETA zum Beispiel vegetarische Burger im Wert von 10.000 Euro an, wenn sie sich in Veggieburg umbenennen sollte. Aufgrund ihrer Methoden steht PETA zudem immer wieder in der Kritik. So unterstützt PETA die Einschläferung von Tieren in Heimen.

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