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Pestizide in Gemüsegärten – Naturschützer fordern Untersuchungen | BR24

© BR/Judith Zacher

Salat, Gurken, Tomaten oder Kräuter aus dem eigenen Garten, mehr bio und Gesundheit geht nicht, sollte man meinen. Der Bund Naturschutz Donauwörth hat über zwei Jahre Kräuter aus Privatgärten untersucht, mit erstaunlichen Ergebnissen.

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Pestizide in Gemüsegärten – Naturschützer fordern Untersuchungen

Pestizide im Gemüse aus dem heimischen Garten - Familie Brandner aus Graisbach wollte das unbedingt vermeiden und verzichtet auf Spritzmittel. Der Bund Naturschutz aber hat bei Proben Rückstände von chemischen Herbiziden festgestellt.

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Im eigenen Garten baut Familie Brandner aus Graisbach ihr gesamtes Gemüse selbst an. Ihre vier Kinder sollen sich gesund ernähren, sagt Bianca Brandner. Doch nun hat der Bund Naturschutz Rückstände von Pestiziden in mehreren untersuchten Gärten im Landkreis Donau-Ries festgestellt – auch bei den Brandners.

Grenzwerte für Unkrautvernichtungsmittel nicht überschritten

In zehn von elf Kräuterproben des Bund Naturschutzes wurden Rückstände von Unkrautvernichtungsmitteln nachgewiesen. Die gemessenen Werte sind gering. Sie liegen unter den Grenzwerten, größtenteils sogar unter dem Orientierungswert für Bioprodukte. Bei einer Verarbeitung zu Säuglingsnahrung hätte es durch die Spritzmittel aber Probleme geben können, erklärte Alexander Helber vom Bund Naturschutz.

Rückstände trotz jahrelangem Verzicht auf Spritzmittel

Bianca Brandner ist von den Ergebnissen überrascht: "Seit 18 Jahren habe ich meinen Garten und setze keine Spritzmittel ein. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass hier Rückstände von Pestiziden festgestellt werden."

Laut Bund Naturschutz handelt es sich bei den gefundenen Schadstoffen um chemisch hergestellte Herbizide, also Wirkstoffe gegen Unkraut aus der konventionellen Landwirtschaft. Bei der Untersuchung wurden bereits im Jahr 2018 die Wirkstoffe Prosulfocarb, Terbuthylazin und dessen Abbauprodukt Desethylterbuthylazin nachgewiesen. 2019 kamen Chloridazon und dessen Abbauprodukt Chloridazondesphenyl dazu.

Bund Naturschutz will Übertragungsweg der Pflanzenschutzmittel klären lassen

Nach ihren nicht-repräsentativ ausgewählten Proben fordern die Naturschützer jetzt weitere Untersuchungen. Es gelte die Frage zu beantworten, wie die Pflanzenschutzmittel übertragen wurden. Außerdem müsse man überlegen, ob besonders kritische Pflanzenschutzmittel nicht verboten werden müssten, fordert der Bund Naturschutz.

Amt für Landwirtschaft verweist auf strenge Regeln für Spritzmittel

Auf Nachfrage des Bayerischen Rundfunks teilte das Amt für Landwirtschaft und Forsten in Nördlingen mit, eine Übertragung könnte nur mit einem kompletten Verbot von Spritzmitteln verhindert werden. Behördenleiter Manfred Faber erklärte, ein Verbot aber hätte massive Ernteeinbußen zur Folge. Gleichzeitig seien die Grenzwerte sehr gering und die Vorschriften für den Spritzmitteleinsatz in Deutschland bereits sehr streng. Unter anderem dürften bestimmte Herbizide nur bei Windstille ausgebracht werden und es gebe Abstandsregelungen. So könne eine Verbreitung weitgehend – aber eben nicht ganz – ausgeschlossen werden, sagte Faber.

Pestizide, Herbizide, Insektizide: Was ist der Unterschied?

Pestizide ist der Oberbegriff für alle Pflanzenschutzmittel. Darunter fallen drei große Gruppen: Herbizide, Fungizide und Insektizide. Herbizide werden gegen Wildkräuter eingesetzt, damit Getreide, Mais, Zuckerrüben, Raps und Kartoffeln ungestört wachsen können. Fungizide sollen Pilze wie Schimmel, Rost und Mehltau bekämpfen. Insektizide töten Milben, Läuse und Käfer.