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Personalmangel: Grundschullehrer müssen mehr unterrichten | BR24

© dpa-Bildfunk

Grundschullehrer müssen künftig eine Unterrichtsstunde in der Woche mehr halten. So soll dem Lehrermangel entgegengewirkt werden.

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Personalmangel: Grundschullehrer müssen mehr unterrichten

Um den Lehrermangel aufzufangen, müssen Grundschullehrer in Bayern ab nächstem Schuljahr eine Stunde pro Woche mehr unterrichten. Ein Rentenbeginn vor dem 66. Lebensjahr soll nur noch ausnahmsweise möglich sein. Der Lehrerverband BLLV protestiert.

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Der Zoff ist programmiert: Viele Grundschullehrer müssen nach dem Willen von Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) ab dem Schuljahr 2020/21 mehr arbeiten. Hintergrund ist der Lehrermangel:

"Wir prüfen jedes Jahr den Bedarf - und nach unseren Rechnungen brauchen wir im Grund-, Mittel- und Förderschulbereich fürs nächste Schuljahr 1.400 sogenannte Vollzeitkapazitäten mehr." Kultusminister Michael Piazolo

Aber die gibt der Markt nicht her – selbst wenn alle fertigen Referendare eingestellt würden. Auch die Begeisterung der Gymnasiallehrer sich umschulen zu lassen, hält sich in Grenzen. Deswegen soll es vom nächsten Schuljahr an verpflichtende Maßnahmen geben.

Eine zusätzliche Stunde pro Woche, keine Frührente

Insbesondere müssen Grundschulpädagogen eine Unterrichtsstunde mehr ableisten. Das heißt 29 statt bisher 28 Stunden pro Woche. Die zusätzlichen Stunden werden auf einem Arbeitszeitkonto gutgeschrieben und später wieder ausgezahlt. Anders gesagt: Wenn Lehrer nicht mehr Mangelware sind, müssen sie entsprechend weniger arbeiten.

Wer außerdem gehofft hatte, früher in den Ruhestand gehen zu können, wird enttäuscht werden. Grundschullehrer dürfen ebenso wie ihre Kollegen aus den Mittel- und Förderschulen künftig nur noch in Ausnahmefällen vor dem 66. Lebensjahr in Rente gehen.

Alle Maßnahmen sind nur vorübergehend

Bei Teilzeitverträgen steigt die Mindeststundenzahl, Sabbatjahre - also eine längere Auszeit - werden gänzlich abgeschafft. Alle Maßnahmen seien nur vorübergehend, betonte Kultusminister Piazolo. Er setzt darüber hinaus auf die freiwillige Bereitschaft von Lehrern, etwa bei Beurlaubungen vorzeitig zurückzukehren, den Ruhestand hinauszuschieben oder den Umfang ihrer Teilzeit aufzustocken.

"Wir wollen es nicht so handhaben wie die anderen Bundesländer, die Stellen nicht besetzen oder in großem Maße auf Quer- und Seiteneinsteiger, die nicht qualifiziert sind, zurückgreifen müssen." Kultusminister Michael Piazolo

Lehrerverband kündigt Widerstand an

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) lehnt die vom Kultusministerium geplanten Maßnahmen strikt ab. "Dass nun die Lehrkräfte für den Lehrermangel büßen sollen, akzeptieren wir nicht", betonte BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann. Sie warf dem Kultusministerium massive Versäumnisse vor, für die nun die Lehrkräfte gerade stehen sollten. Sie kündigte Widerstand des BLLV an.

Auch die bildungspolitische Sprecherin der SPD im Landtag, Simone Strohmayr, bezeichnete die Maßnahmen als völlig verfehlt und demotivierend. Sie forderte ebenfalls eine bessere Bezahlung und Aufwertung des Berufs statt Mehrbelastung.

© BR

Zwangsmaßnahmen gegen Lehrermangel