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Personalmangel bei den Bahnen: Lokführer verzweifelt gesucht | BR24

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Früher galt Lokführer als Traumberuf, heute dagegen gibt es zu wenige Bewerber. Deshalb kommt es zu massiven Zugaufällen.

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Personalmangel bei den Bahnen: Lokführer verzweifelt gesucht

Die Bahnen suchen händeringend Lokführer: Laut Gewerkschaften war der Personalmangel absehbar, die Bahnen seien sehenden Auges in die Schwierigkeiten geschlittert. Die Frage ist nun: Was tun, um den Lokführer-Beruf attraktiver zu machen?

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Die Gewerkschaft der Lokomotivführer (GdL) in Bayern schätzt, dass derzeit allein im Freistaat zwischen 400 und 500 Stellen unbesetzt sind. Das sagte der Vorsitzende der GDL in Bayern, Uwe Böhm, dem Bayerischen Rundfunk. Erschwerend komme hinzu, dass in den kommenden zehn Jahren viele in Rente gingen. Allein die Deutsche Bahn habe bundesweit rund 11.000 Abgänge.

Mit dem Personalmangel haben alle Bahnen in Bayern zu kämpfen – die Deutsche Bahn wie auch die Privatbahnen. Diese werben derzeit stark um Auszubildende, sogar um Quereinsteiger. "Die Bahnen reagieren jetzt – aber das Problem war schon viel früher absehbar", sagt Uwe Böhm.

Die Gründe für den Personalmangel

Die Ursache für den jetzigen Personalmangel sieht der Gewerkschafter in der Umwandlung der früheren Deutschen Bundesbahn zu einer Aktiengesellschaft im Jahr 1994. Zuvor hatten Lokomotivführer die Chance, bei der Bahn verbeamtet zu werden. Mit der Umwandlung in ein gewinnorientiertes Unternehmen allerdings wurde das abgeschafft. "Früher fühlten sich die Lokführer durch die Verbeamtung an die Bahn gebunden. Heute sind viele Bahnunternehmen froh, wenn die Fahrer nicht in den ersten vier Jahren das Unternehmen wieder verlassen", sagt Böhm.

Arbeitszeiten von Lokführern nicht jedermanns Sache

Die Bahnen hätten außerdem viel zu spät auf die Altersabgänge reagiert. "Jetzt ist es schon fast zu spät", gibt Böhm zu bedenken. Dass sich die Unternehmen schwer tun, Nachwuchs zu finden, liegt möglicherweise auch an den Arbeitszeiten der Lokführer: Sie arbeiten im Schichtdienst, oft an Wochenenden und Feiertagen.

"Jeden Samstag oder Sonntag mit den Freunden in die Disko gehen ist dann nicht mehr drin", sagt Ronald Schrader, S-Bahn-Fahrer in München. "Aber dafür kann ich auch, wenn alle anderen arbeiten, in die Berge fahren." Schrader ist seit 37 Jahren Lokführer. Seinen Beruf mag er sehr – aber es gebe natürlich auch Nachteile, gibt er zu. Der jahrelange Schichtdienst hat bei vielen seiner Kollegen auch zu Schlafstörungen oder Erschöpfung geführt. "Da braucht man dann einfach mal einen Tag oder ein Wochenende komplett Ruhe. Aber gerade in letzter Zeit habe ich immer wieder Anfragen, ob ich nicht doch an meinem Ruhetag einspringen kann."

Günstigen Wohnraum schaffen, um Fachkräfte zu locken

Schrader lebt in einem Wohnwagen, mit dem er an einem der Münchner Bahnhöfe parkt. "Dann kann ich gleich mit meinem ganzen Zuhause in die Natur fahren", sagt er. "Und in den Pausen mal einen Kaffee machen – das spart natürlich auch Geld." Fertig ausgebildete Lokführer verdienen – wenn sie nach Tarifvertrag bezahlt werden – zwischen 2.900 und 3.500 Euro brutto, hinzu kommen noch Zuschläge für Nacht- und Schichtarbeit. "Das ist in einer Stadt wie München dann schon nicht ganz so einfach", sagt Lokführer Schrader.

Die Deutsche Bahn hat das Problem auch erkannt und will nun in München günstigen Wohnraum schaffen, um Fachkräfte in die Hauptstadt zu locken. "Es ist ein Anfang, aber gemessen an der Zahl der Mitarbeiter in München sind 70 Wohnungen nicht gerade viel", sagt Gewerkschafter Böhm.