Passionsspiele Oberammergau 2022
Bildrechte: Martin Breitkopf

Passionsspiele Oberammergau 2022

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Passionsspiele starten mit Leseprobe und Corona-Sorgen

Passionsspiele starten mit Leseprobe und Corona-Sorgen

Alle zehn Jahre blickt die Welt auf die berühmten Passionsspiele in Oberammergau. Eigentlich sollten sie schon 2020 auf die Bühne kommen, doch die Coronapandemie machte das unmöglich. Jetzt startet ein neuer Anlauf - wieder mit Corona-Sorgen.

Es ist nicht irgendeine Probe, sondern die Leseprobe der Passionsspiele in Oberammergau. Jede und jeder, der eine Sprecherrolle im Stück hat, ist anwesend. Über 100 Personen sitzen im Ammergauer Haus, alle Corona-getestet, mit Abstand - aber ohne Maske. Für Jesus-Darsteller Frederik Mayet ein "grad extra Moment" nachdem die Passion 2020 acht Wochen vor der Premiere wegen Corona abgesagt wurde. Noch wird der Text abgelesen, später muss er auswendig sitzen. Es ist das erste und auch das einzige Mal, dass die Spieler das Stück miteinander hören. Die Leseprobe war schon immer ein wichtiges Ritual, aber diesmal sogar noch mehr. Auch Spielleiter Christian Stückl will zeigen, dass man sich von Corona nicht unterkriegen lasse.

Testen, testen, testen für die Passion 2022

Egal ob auf der Bühne oder daneben, ob Sängerinnen oder Darsteller, jeder muss vor jeder Probe einen Corona-Schnelltest durchführen, schreibt Stückl vor. Darüber hinaus gilt 3G Plus. Wer nicht geimpft oder genesen ist, muss regelmäßig PCR-Tests vorlegen. Für die Leseprobe ist sogar extra das Bayerische Rote Kreuz angerückt und hat alle durchgetestet. Weit über 150 Tests und kein einziger war positiv. Bis auf drei sind von den mehr als 100 Darstellern mit Sprechrolle alle geimpft. Doch trotz aller Vorsichtsmaßnahmen ist unklar, wie die Passionsspiele überhaupt stattfinden können.

Damoklesschwert Corona schwebt über Passionsspiele

Weil die Passionsspiele ein echtes Großereignis sind und bei den über 100 Aufführungen eine halbe Million Gäste aus aller Welt erwartet werden, hat sich Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) mit den Verantwortlichen in Oberammergau getroffen. Vieles ist unklar. Etwa wieviel Besucher dürfen in eine Vorstellung oder welche Auflagen gelten und vor allem: Rechnet sich dann überhaupt noch der Aufwand? Walter Rutz ist der Geschäftsführer der Passion und soll das Unplanbare planen. Er stellt im BR24-Gespräch aber klar, dass vor März keine Entscheidung fallen werde. Zu unklar sei die Coronalage. Doch dann wäre der Vorlauf für die rund 2.100 Laiendarsteller, die alle aus Oberammergauer kommen müssen, zu kurz. Darum werde Corona so gut es geht ausgeblendet und sich voll und ganz auf die Passion konzentriert, so Rutz.

So gut wie der halbe Ort ist dabei bei der Passion

Die Texte sind lang und haben es in sich - und alle sind Laiendarsteller. Die Mitwirkenden müssen entweder in Oberammergau geboren sein oder seit 20 Jahren im Ort leben. Genau das sei aber auch der Reiz, so Theater-Profi Stückl. In der Leseprobe habe sich schnell gezeigt, wer noch textfit sei. Alle anderen müssten jetzt einfach fleißig lernen. Schon in den nächsten Tagen will der Spielleiter mit den szenischen Proben in kleinen Gruppen beginnen. Alle Hauptrollen sind doppelt besetzt - das ist schon immer so gewesen. Bei mehr als 100 Aufführungen von Mitte Mai bis Anfang Oktober sei die Belastung für den Einzelnen zu groß, erklärt Stückl. Jetzt aber in Zeiten von Corona, könne die Doppelbesetzung spielentscheidend werden.

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Frederik Mayet und Rochus Rückel sind die beiden Jesus-Darsteller

Das Pest-Gelübde muss erfüllt werden

Spätestens am 14. Mai zur Premiere muss der Text sitzen, bei allen. An den Oberammergauern wird die Passion nicht scheitern - so viel steht fest. Jesus-Darsteller Rochus Rückel blickt zuversichtlich auf die Spielzeit. Er glaube fest daran, dass das Stück diesmal zur Aufführung komme. Eine weitere Verschiebung würde die Passion auch zu nah an die Passion 2030 rücken. Jedoch sei die Frage, in welchen Umfang das Leben und Sterben Christi auf die Bühne kommen werde, so Rückel. Die weltweit bekannteste Passion geht auf ein Pest-Gelübde von 1633 zurück. Die Oberammergauer versprachen damals, alle zehn Jahre das Spiel aufzuführen, wenn niemand mehr an der Seuche sterbe - was der Legende nach eintrat. Und auch diese Generation will das Gelübde einlösen.

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