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Passionsspiele: Oberammergauer im Clinch mit Stückl | BR24

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2020. Noch weit hin, werden Sie sagen. Für Oberammergau nicht – seit Wochen dreht sich nämlich alles schon um die Passionsspiele, die 2020 wieder auf die Bühne kommen. Heute der erste große Akt: Die Spielerwahl. Doch die wird diesmal überschattet.

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Passionsspiele: Oberammergauer im Clinch mit Stückl

Seit Wochen schon dreht sich in Oberammergau alles um die nächsten Passionsspiele, die 2020 auf die Bühne kommen. Heute der erste große Akt: Die Auswahl der Darsteller. Doch diese Wahl ist auch Anlass für heftigen Streit in der Gemeinde.

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Strahlend blauer Himmel über Oberammergau, die Sonne glitzert auf dem Plakat am Ortseingang. Stolz verkündet es die Passionsspiele 2020. Doch der Schein trügt. Hinter den Kulissen wird seit Wochen gestritten. Einige Einheimische wollen sogar nichts mehr wissen von den Passionsspielen.

"Normal ist es für einen Oberammergauer Ehrensache, es ist ja immer noch ein Gelübde. Man sollte mitmachen. Auch bei der Spielerwahl am Samstag. Da weiß ich aber viele, die nicht mehr rausgehen." Florian Lang, Oberammergauer Schnitzermeister

Grund ist Passionsspielleiter Christian Stückl, der selbst in Oberammergau geboren wurde. Von den einen gefeiert, von den anderen verflucht. Zum vierten Mal inszeniert Stückl jetzt die Passionsspiele. Sie gehen auf ein Pest-Gelübde von 1633 zurück. Die Oberammergauer schworen seinerzeit alle zehn Jahre das Leiden und Sterben Christi aufzuführen, sofern niemand mehr an der Pest stirbt.

Zu viel Show, zu wenig Gelübde?

Für so manchen in Oberammergau macht Stückl zu viel Show und zu wenig Gelübde. Andere vermissen das Laienhafte und klagen über zu viele Profis auf und neben der Bühne.

"Es gibt ja in Oberammergau zwei Theatervereine und die werden gar nicht berücksichtigt. Der Christian hat nur seine eigenen Leute und das gefällt mir nicht. Er sagt, er kann mit ihnen nicht. Aber das ist eine ungute Sache, da kriegt er einen Keil ins Dorf hinein." Florian Lang, Oberammergauer Schnitzermeister

Für Ärger sorgt auch die heutige sogenannte Spielerwahl. Eigentlich dürfen nur Oberammergauer mitspielen, die mindestens 20 Jahre im Dorf leben. Doch das hat Stückl aufgeweicht. Früher hat der Gemeinderat die Spieler bestimmt. Jetzt entscheidet Stückl – alleine.

"Der Gemeinderat kann sowas nicht entscheiden. Da kann es nur politisch werden, da kann es nur um andere Dinge gehen. Bei mir geht es nur darum, wer ist der beste Spieler und die suche ich mir, die suche ich hart und die bilde ich aus, und dann mache Theater in den Jahren dazwischen und versuche, sie heranzuziehen. Und deswegen muss ich die auch bestimmen." Christian Stückl, Leiter Passionsspiele

Muslim wird eine der Hauptrollen spielen

Eine Personalie, die für Diskussionen sorgen könnte, hat Stückl bereits dem "Spiegel" verkündet: Ein 18-jähriger Muslim wird eine der Hauptrollen spielen. "Er ist für den Christus noch zu jung, aber er wird einer der drei großen Apostel werden: Johannes, Petrus oder Judas", zitiert das Magazin in seiner Samstagsausgabe den Regisseur.

Einige wollen Auswahl boykottieren

Als Zeichen wollen einige Oberammergauer heute von der Spielerwahl fernbleiben. Das ist schade, findet auch Oberammergaus Bürgermeister Arno Nunn. Doch Christian Stückl bleibt für ihn unangefochten.

"Jetzt hat man es wie im Sport. Da bestimmt der Trainer, wer spielt. Und so haben wir uns aufgestellt. So haben wir ihm diese Aufgabe gegeben und das beinhaltet auch, dass er, wie es manche negativ formulieren, diese Machtfülle hat." Arno Nunn, Bürgermeister Oberammergau

Eines ist damals wie heute gleich: Je näher die Passion rückt, desto mehr wird im Dorf gestritten. Da brauchen sich die Oberammergauer wirklich keine Sorgen zu machen. Die Passion ist lebendig wie eh und je.