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Passen Windräder in die bayerische Landschaft? | BR24

© Picture Alliance/dpa/Armin Weigel

Bislang gilt in Bayern die 10H-Abstandsregel von neu zu errichtenden Windrädern zur nächstgelegenen Siedlung.

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    Passen Windräder in die bayerische Landschaft?

    In einigen Regionen Bayerns wollen die Kommunen Windräder. Die Bürger in den betroffenen Landkreisen können derzeit ihre Fragen und Bedenken äußern. Dabei wird oft das Landschaftsbild angeführt. Passen Windräder in die bayerische Landschaft?

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    Eine Bilderbuchlandschaft südlich von München: grüne Hügel, Bergpanorama, zwischendrin spitzt ein Zwiebelturm hervor. Daran angrenzend der Ebersberger Forst. Auch der ist ein möglicher Standort, an dem fünf Windräder aufgestellt werden könnten.

    Die Vorstellung, dass in dieser schönen Landschaft große weiße Rotorblätter über den Baumwipfeln schweben, bringt Sören Schöbel nicht in Rage, im Gegenteil: Der Landschaftsarchitekt lehrt an der Technischen Universität München und betont, dass die Landschaft seit jeher verändert werde, um Energie zu erzeugen.

    "Energiewende holt Stromerzeugung zurück in unsere Landschaft"

    Habe man früher in Bayern komplette Naturwälder abgeholzt, so seien die Flächen zur Energieerzeugung in den letzten Jahrzehnten ausgelagert worden, etwa in die Braunkohlegebiete im Ruhrgebiet oder in die Ölfelder im Nahen Osten. Mit der Energiewende holen wir die Energie-Erzeugung zurück in unsere Landschaft, meint der Wissenschaftler. Entscheidend sei, wie man damit umgeht.

    Dass da Windräder in die schönen Voralpen-Landschaften passen, daran gibt es für Schöbel keinen Zweifel - sofern sie nicht ohne Konzept wahllos aufgestellt werden. Der erste Schritt sei, die Anlagen an große Dimensionen oder starke Strukturen in der Landschaft anzugliedern. "Dann kann man diese Strukturen wieder erkennen und verstehen, warum die Windräder genau dort errichtet sind", sagt Schöbel. Wenn dies nur nach Eigentumsgrenzen organisiert werde, bedeute dies, an den Windrädern ablesen zu können: "Wo war der schlaueste Bürgermeister oder der schlaueste Bauer?"

    Abstandsregel in Bayern verhindert Windräder in Siedlungsnähe

    Windenergieanlagen so zu positionieren, dass sie natürliche Formen unserer Landschaft nachzeichnen, ist bisher allerdings nicht Stand der Planung. Da geht es vor allem darum, besonders schöne Landschaften auszuschließen und sie dort zu konzentrieren, wo es am wenigsten Widerstand gibt.

    Die Alternative wäre, dass Windräder näher an Siedlungen heranrücken müssten. Doch die in Bayern eingeführte Abstandsregel verhindert das. Landschaftsarchitekt Schöbel findet das grundsätzlich auch gut. Denn einen Mindestabstand brauche es, sagt er: "Es ist nicht schön, wenn man sehr nah an einer Windenergieanlage wohnt."

    Allerdings gebe es klare Erkenntnisse der Wissenschaft, die besagen, dass man sich ab dem dreifachen Abstand von einer Windenergieanlage nicht mehr bedrängt fühle. "Also brauchen wir ganz bestimmt kein 10 h. Ein Unterschied von 4 h bis 10 h ist überhaupt nicht mehr relevant. Aus wissenschaftlicher und landschaftsästhetischer Sicht gibt es keinen Grund, den Abstand von 4 h auf 10 h zu erhöhen", sagt Schöbel.

    Bislang werden kaum neue Anlagen in Bayern gebaut

    Der zehnfache Abstand der Höhe, heute in der Regel zwei Kilometer, steht in Bayern zwar in der Kritik, ist aber immer noch klare Vorgabe. Ein wesentlicher Grund, warum im Freistaat kaum noch neue Anlagen gebaut werden.

    Landschaftsarchitekt Sören Schöbel sieht in der Regelung aber auch eine Chance, denn Windräder ohne den zehnfachen Abstand zu errichten sei möglich, wenn Kommunen selbst aktiv werden und einen Baubauungsplan erstellen. Das wäre dann automatisch ein Positiv-Plan, sagt Schöbel. "Der Plan muss sagen: Wo wollen wir Windenergieanlagen errichten? Der kann nicht beinhalten: Ja, wir müssen, und deswegen suchen wir uns eine Restfläche und da stellen wir die Anlagen dann hin."

    Die Beteiligten könnten sich so aktiv mit der Windenergie auseinandersetzen und eine Entscheidung für den Klimaschutz treffen, die von einer gesellschaftlichen Mehrheit getragen werde.

    Abstand soll dreifacher Höhe der Anlage entsprechen

    Schöbel wohnt selbst auf dem Land und hat Blick auf einen potentiellen Windradstandort. Wie er dazu steht, zeigt, wie unverkrampft man darüber denken kann. Wichtig sei für ihn, dass der Abstand etwa der dreifachen Höhe der Anlage entspricht. Noch wichtiger für ihn ist, dass die Stelle Sinn mache. An einem Ort, den nicht ein privater Grundstücksbesitzer bestimmt hat, sondern: "An einer Stelle, von der ich sagen kann: Hier hat mein Landkreis oder meine Gemeinde sich überlegt, wo die Windenergieanlagen am besten hinpassen. Und ich schaue auf ein Projekt unserer Gemeinde. Dann ist das für mich eine schöne Landschaft!"

    Neben der Frage, ob und wie sich Windräder am besten in die Landschaft einfügen, geht es aber auch um die Wirtschaftlichkeit. Die Messungen im Münchner Südosten zeigen, dass Windenergie auch in Südbayern kostengünstig klimafreundlichen Strom liefern kann. Bayern ist also nicht nur Sonnenland, sondern auch Windland.

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