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Klimaaktivisten haben an der Passauer Innpromenade einen Baum besetzt. Sie protestierten damit gegen das Klimaschutzkonzept der Stadt. Weil die Demonstranten nicht zum Abstieg überredet werden konnten, rückte das SEK aus München an.

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Passau: SEK holt Klimaaktivisten unter Buh-Rufen vom Baum

Nachdem Klimaaktivisten mehr als zwölf Stunden einen Baum an der Passauer Innpromenade besetzt hatten, rückte ein Spezialeinsatzkommando aus München an und holte die Frauen und Männer aus dem Baum. Verletzt wurde bei dem Einsatz niemand.

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Von
  • Katharina Häringer
  • BR24 Redaktion

Eine Handvoll Klimaaktivisten hatte in Passau einen Baum besetzt. Am Ende war es ein großer SEK-Einsatz, bei dem die Demonstranten nach zwölf Stunden abgeseilt werden mussten. Verletzt wurde niemand.

Solidaritätsdemo am Rande

Die Polizisten des Spezialeinsatzkommandos (SEK) aus München wurden über Drehleitern nach oben gezogen, kletterten in die Baumkrone und ließen die Aktivisten per Seil ab. Alles unter Buhrufen von rund 200 Zuschauerinnen und Zuschauern an der Innpromenade. Während des SEK-Einsatzes wurde die Solidaritätsdemo, die am Morgen mit nur 15 Leuten begann, immer größer. Die Teilnehmenden bezeichneten den SEK-Einsatz als "völlig unverhältnismäßig". Querdenkerdemos mit Tausenden Demonstrierenden würden zugelassen, eine Baumbesetzung junger Leute würde geräumt, so die Kritik.

Polizei entschied sich für Auflösung

Die Polizei stufte die Besetzung des Baumes als "nicht genehmigte politische Versammlung" ein. Mehrfach hatten Beamte versucht, die Besetzer zum Absteigen zu überreden - ohne Erfolg. "Für uns war damit klar, dass wir die Versammlung auflösen müssen. Nur das Wann musste geklärt werden", sagt Einsatzleiter Christian Dichtl. Da die Wettervorhersage für die kommenden Tage stürmisch und regnerisch sei, habe man sich letztlich dazu entschlossen, noch heute zu reagieren. Außerdem: "Aufgrund verschiedener Verstöße gegen das Versammlungsrecht, aber auch gegen die Stadtsatzung und aufgrund bestehender Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung war eine Auflösung der Versammlung unumgänglich", so die Polizei.

Die Aktivisten bekamen Bedenkzeit bis 15 Uhr, dann war klar: Die Passauer Polizei fordert Spezialeinsatzkräfte aus München an. Nur eine Aktivistin reagierte auf das Angebot und seilte sich freiwillig ab. Dichtl zeigt sich erleichtert, dass alle unverletzt den Einsatz überstanden haben. "Das ist für mich das Entscheidende", sagt er. Wer die Kosten für den SEK-Einsatz übernimmt, ist noch nicht klar, so Dichtl.

© Eine Handvoll Klimaaktivisten hatte in Passau einen Baum besetzt. Am Ende war es ein großer SEK-Einsatz, bei dem die Demonstranten nach zwölf Stunden abgeseilt werden mussten.
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Das SEK holt die Aktivisten vom Baum

Netzgemeinde mit geteilter Meinung

Die Reaktionen der Internetuser auf die Aktion der Klimaschützer und die Auflösung des Protests durch die Polizei gehen weit auseinander. So schreibt BR24-User "Biobauer": "Völlig unverhältnismäßige Aktion. Ein Kasten Bier und eine Brotzeit unterm Baum hätte auch gereicht." BR24-User "DrMettWurscht" meint: "Was für ein Armutszeugnis für unseren Staat und unsere Gesellschaft, wenn man für eine kleine Gruppe harmloser, gewaltfreier, junger Idealisten - unabhängig davon, ob man deren Ansichten teilt oder nicht - ein SEK anrücken lässt..."

Angemessen findet hingegen Userin "Geli" die Aktion: "Hier hat die Polizei vollkommen richtig reagiert und die Baumbesetzter runtergeholt!! Jetzt müssen die nur noch die volle Rechnung für den gesamten Einsatz bezahlen. Denn ich behaupte mal einfach das keiner von denen schon Geld mit normaler körperlichen harten Arbeit verdient!!!!"

Auch die Art und Weise des Einsatzes wurde kommentiert. Das Klettern sei "unprofessionell und damit ultra gefährlich" abgelaufen, schreibt User "Seb" auf Twitter:

Aktivisten hatten sich für länger eingerichtet

Die Aktivisten drückten über eine Mitteilung, die dem BR vorliegt, ihr Bedauern über den Abbruch der Aktion aus: "Es ist sehr schade, dass die Behörden unsere harte Arbeit in diesem Baumhaus so schnell zunichte machten, aber unsere harte Arbeit geht natürlich weit über den materiellen Wert des Baumhauses hinaus", erklärte Mirjam Herrmann.

Die Klimaaktivsten hatten den Baum an der Passauer Innpromenade seit sechs Uhr morgens besetzt. Sie planten, länger in den Ästen zu verweilen: Sie hatten Essen, Trinken und Schlafsäcke dabei. Ihre Forderung: Die Politik solle mehr für den Klimaschutz in Stadt und Landkreis tun, zum Beispiel den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs fördern und die Belastung durch den Autoverkehr senken. Ursprünglich wollten sie erst vom Baum herunterkommen, wenn ihre Forderungen erfüllt würden.

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