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Durch Kontaktbeschränkungen vermissen viele Menschen Körperkontakt zu anderen. Der Stofftier-Hersteller "Sigikid" bei Bayreuth verzeichnet 2020 Rekordzahlen bei der Nachfrage an Kuscheltieren für Erwachsene.

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Partnerersatz: Kuscheltiere für Erwachsene sind angesagt

Durch die Beschränkungen in der Corona-Krise vermissen viele Erwachsene den zwischenmenschlichen Körperkontakt. Offenbar trösten sie sich immer häufiger mit einem Kuscheltier, Hersteller verzeichnen 2020 Rekordzahlen.

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Von
  • Marc Neupert

Die Corona-Krise und die damit verbundenen Einschränkungen auf das persönliche Leben sind für viele Menschen eine große Belastung. Vor allem für die, die keinen Partner haben. In dieser Ausnahmesituation sehnen sich viele nach Geborgenheit und körperlicher Nähe. Durch das Abstandsgebot wird das aber oft schwierig. Die Sehnsucht nach Wärme und körperlicher Nähe stillen immer mehr Menschen offenbar auf ganz andere Weise: mit Kuscheltieren.

Kuscheltiere mit Charakterzügen sind ein Verkaufsschlager

Ein grimmig dreinblickender Pavian, ein versonnen grinsender Löwe, ein tollpatschig wirkender Storch –diese haarigen Plüsch-Genossen sind der Verkaufsschlager beim oberfränkischen Spielwarenhersteller "Sigikid" in Mistelbach bei Bayreuth. Seit Jahren schon steige der Absatz dieser Kuscheltiere stetig an, so die Firmenleitung. Im Corona-Jahr 2020 betrage der Zuwachs wohl mindestens 20 Prozent. Geknuddelt würden Affe, Storch und Löwe aber nicht etwa von Kindern, sondern in diesem Jahr vorwiegend von erwachsenen Menschen. Das Plüschtier als kuscheliger Begleiter in Zeiten von Social Distancing.

Plüschtiere trösten während der Pandemie

Renate Kellner arbeitet seit über 30 Jahren als Kuscheltier-Designerin bei dem oberfränkischen Spielwarenhersteller und hat die meisten der Verkaufsschlager selbst entworfen. Dass offenbar viele alleinstehende Erwachsene sich in diesem Jahr Plüschtiere kaufen und mit diesen dann auch kuscheln, überrascht sie nicht Schließlich seien diese weich, und man könne sie fest an sich drücken. Sie kann sich durchaus vorstellen, dass das für viele Menschen tröstlich sein könne. Auch "Sigikid"-Geschäftsführer Axel Gottstein glaubt, dass Kuscheltiere in der aktuellen Pandemie fehlende soziale Kontakte ersetzen.

"Es sind Kuscheltiere, die man mitnehmen kann, um einen Begleiter zu haben. Und es ist ein Stückchen Emotion, das man sich nach Hause holt und aufs Sofa oder an den Computer setzt. Dadurch bekomme ich ein bisschen Wärme und ich glaube, das ist es, was die Menschen im Moment einfach interessiert." Axel Gottstein; Geschäftsführer "Sigikid"

Kuscheltiere sorgen für Nähe und Geborgenheit

Für kleine Kinder sind Kuscheltier Experten zufolge elementar wichtig. So helfen sie Säuglingen bei der Ablösung von der Mutter; sie sorgen für Nähe und Geborgenheit. Der Nürnberger Psychiater Günter Niklewski beobachtet seit Jahren, dass das Kuscheltier bei vielen Menschen mittlerweile immer häufiger übers Kinderalter hinaus eine große Bedeutung hat. Das Kuscheltier helfe, sich wieder als Kind zu fühlen, Sorgen und Nöte eines Erwachsenendaseins für kurze Zeit auszublenden, erklärt Niklewski.

Menschliche Nähe wird durch Stofftier kompensiert

Zunehmender Stress und Leistungsdruck würden immer häufiger zu einer Sehnsucht nach der unbeschwerten Kinderzeit führen. Nach Ansicht des Psychiaters erleben vor allem einsame, alleinstehende Menschen die Corona-Krise oft als persönliche Krise. Der Versuch durch ein Kuscheltier das Defizit an menschlicher Nähe zu kompensieren – für Psychiater Günter Niklewski eine völlig normale Reaktion.

"Diese Situationen erzeugen das Bedürfnis nach Nähe, Geborgenheit und Zuversicht. Und da ist das Kuscheltier ein so genanntes Übergangs-Objekt, wie in der Kindheit. Es weist nach vorne, in die Zukunft. Nach vorne, wenn dann irgendwann wieder alles an Nähe möglich ist. Es bringt für mich also eigentlich nur ein Grundbedürfnis zum Ausdruck." Dr. Günter Niklewski, Psychiater

Sex-Spielzeug – Partnerersatz in einsamen Stunden

Doch nicht nur Kuscheltiere dienen im Corona-Jahr 2020 als Ersatz für fehlende menschliche Wärme und Nähe. Auch Sex-Spielzeuge wie lebensgroße Puppen erfreuen sich derzeit wachsender Beliebtheit. Erich Söllner betreibt in Nürnberg zwei Sexshops. Er kann sich noch gut daran erinnern, wie nach dem ersten Lockdown im Frühjahr Sexpuppen und andere Accessoires zur Selbstbefriedigung plötzlich reißenden Absatz fanden. Bis heute habe sich daran nichts mehr geändert.

"Es sind ja noch immer die ganzen Swingerclubs und Freudenhäuser dicht. Auch die Massage-Salons dürfen aktuell nicht öffnen. Die Leute haben aber trotzdem ihre Bedürfnisse und kommen dehalb jetzt zu uns, um sich zu hole n,was sie brauchen." Erich Sölner, Sexshop-Betreiber

Viele befürchten, dass es Anfang des kommenden Jahres noch einmal einen Lockdown geben könnte. Deshalb glaubt Erich Söllner, dass die Nachfrage nach seinen Sex-Spielsachen weiter hoch bleibt. Und auch bei "Sigikid“ in Mistelbach ist man überzeugt, dass die Kuscheltiere auch 2021 nicht nur bei Kindern hoch im Kurs stehen werden.

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