Logos der im Bayerischen Landtag vertretenen Parteien: CSU, Grüne, Freie Wähler, AfD, SPD, FDP.

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Parteimitglieder: CSU und SPD büßen in Bayern weiter ein

Parteimitglieder: CSU und SPD büßen in Bayern weiter ein

Trotz Bundestagswahl haben CSU und Bayern-SPD im Jahr 2021 Mitglieder verloren. Die Christsozialen verzeichneten laut einer Studie so viele Austritte wie nie. Die Mitgliederzahl von Grünen und FDP im Freistaat steigt derweil, auf niedrigerem Niveau.

Jahre mit einer Bundestagswahl gelten eigentlich als mobilisierend - trotzdem ist die Mitgliederzahl bei CSU und Bayern-SPD zuletzt erneut gesunken. Grüne und FDP im Freistaat legen derweil weiter zu, während AfD und Linkspartei aktuell in Bayern etwas weniger Mitglieder haben als Ende 2020. Das zeigt eine BR24-Abfrage bei allen Parteien, die bei der Landtagswahl 2018 mehr als ein Prozent der Stimmen erhalten haben.

CSU: Mitgliederzahl sinkt seit Jahren

Unübersichtlich ist die Lage bei den Christsozialen: Ein CSU-Sprecher teilt mit, die Partei habe Ende Juli "mehr als 134.000 Mitglieder" gehabt. Dazu zählen allerdings auch Probe- und Onlinemitgliedschaften. Diese Onlinemitglieder, wie es sie bei den Christsozialen seit einiger Zeit gibt, sind aber nicht stimmberechtigt - von einem "besseren Newsletter" spricht ein CSU-Basisvertreter. Wie viele der über 134.000 Mitglieder auf Probe oder ohne Stimmrecht dabei sind, beantwortet der Parteisprecher auf BR24-Nachfrage nicht.

So oder so sinkt die Mitgliederzahl seit Jahren. 2015 hatte die CSU noch knapp 145.000 Mitglieder, 2010 waren es sogar fast 154.000. Aktuell kursieren verschiedene Zahlen, die teils widersprüchlich wirken. Laut einem Beitrag des Parteienforschers Oskar Niedermayer in der "Zeitschrift für Parlamentsfragen" hatten die Christsozialen Ende vergangenen Jahres rund 130.400 Mitglieder. Dabei dürfte die Zahl der Probe- und Onlinemitgliedschaften herausgerechnet sein.

CSU: 2021 so viele Austritte wie lange nicht

Die Niedermayer-Studie nennt unter Berufung auf die CSU-Geschäftsstelle eine weitere interessante Zahl, die der Parteisprecher trotz Nachfrage ebenfalls nicht herausgibt. Demnach traten im vergangenen Jahr so viele Mitglieder aus der CSU aus wie seit mindestens einem Jahrzehnt nicht - nämlich knapp 5.900, immerhin 4,3 Prozent der Vorjahresmitglieder. Dem gegenüber standen knapp 2.900 Eintritte, so wenige wie seit zehn Jahren nicht mehr.

Der CSU-Sprecher teilt lediglich mit: Die Zahl der Austritte habe sich "nach der deutlich zu spürenden Corona-Delle, in der kaum Parteiarbeit in Präsenz möglich war, in den vergangenen Monaten stabilisiert". Nun gehe es darum, "in der persönlichen Begegnung neue Mitglieder zu gewinnen".

Bayern-SPD: Rund 8.000 weniger Mitglieder als Ende 2015

Trotz aller Verluste liegt die CSU in Sachen Mitgliederzahl weiter deutlich vor den anderen Parteien in Bayern - und hat mehr Mitglieder als alle anderen abgefragten Landesverbände zusammen. Auf Platz zwei folgt die bayerische SPD, die seit Jahren ebenfalls einen massiven Rückgang verzeichnet. Aktuell haben die Sozialdemokraten im Freistaat nach eigenen Angaben knapp 52.000 Mitglieder. Ende 2015 waren es noch fast 60.000.

Auch in der Bayern-SPD gab es im vergangenen Jahr mehr Aus- als Eintritte: Knapp 2.000 Menschen verließen die Partei, rund 1.200 kamen neu dazu. Das sozialdemokratische "Standard-Mitglied" bleibt zudem vergleichsweise alt: Das Durchschnittsalter liegt derzeit bei 62 Jahren. Die CSU beantwortet übrigens auch die Frage nach dem Alter aktuell nicht - vor rund einem Jahr betrug das Durchschnittsalter bei den Christsozialen 59.

Bayern: Grüne und FDP gewinnen weiter Mitglieder

Während die beiden mitgliederstärksten Parteien im Freistaat verlieren, legen Grüne und FDP weiter zu. Bayerns Grüne haben aktuell nach eigenen Angaben knapp 19.800 Mitglieder. Zum Vergleich: Vor einem Jahr waren es rund 19.000, Ende 2015 nur knapp 8.400. "Das macht Mut: So viele Menschen wie nie zuvor sind Teil von uns Grünen in Bayern", sagt Landeschefin Eva Lettenbauer. Der aktuelle Altersdurchschnitt der Grünen-Mitglieder im Freistaat liegt demnach bei 48,5 Jahren.

Bei den Liberalen setzt sich der Anstieg ebenfalls fort: Die bayerische FDP verzeichnet derzeit rund 8.800 Mitglieder - das sind gut 1.100 mehr als vor einem Jahr. "Die Richtung stimmt", freut sich der Landesvorsitzende der Liberalen, Martin Hagen. Der Altersschnitt ist niedriger als bei CSU, SPD und Grünen: 42 Jahre alt ist ein bayerisches FDP-Mitglied im Durchschnitt.

Sonderfall Freie Wähler: Stabile Mitgliederzahl in der Vereinigung

Bei den Freien Wählern (FW) ist das mit den Zahlen kompliziert. Denn neben der parteilich organisierten Landesvereinigung gibt es einen Landesverband mit rund 40.000 Mitgliedern. Dieser Landesverband umfasst etliche Orts- und Kreisverbände - ist aber nicht so hierarchisch organisiert wie klassische Parteien.

Die bayerische Landesvereinigung der Freien Wähler wiederum hat nach eigenen Angaben aktuell gut 3.600 Mitglieder. Das Durchschnittsalter liegt bei 53,9 Jahren. Vorsitzender von Landesvereinigung und -verband ist Hubert Aiwanger.

Leichter Rückgang bei AfD und Linken

Unterdessen hat die bayerische AfD mit 4.450 aktuell etwas weniger Mitglieder als vor eineinhalb Jahren. Der Landesvorsitzende Stephan Protschka verweist auf eine "kleine dreistellige Zahl", die aufgrund nicht gezahlter Beiträge ausgeschieden sei. Eine "mittlere zweistellige Zahl" sei verstorben. Den genauen Altersschnitt der Mitglieder nennt der AfD-Landesvorsitzende nicht. Trotz des Rückgangs wertet Proschka die Mitgliederentwicklung seines Landesverbands im Vergleich zu anderen Parteien im Großen und Ganzen positiv.

Die Linke - im Bundestag mit Abgeordneten vertreten, im Landtag nicht - verzeichnet im Freistaat ebenfalls einen leichten Rückgang. Aktuell habe man 3.248 Mitglieder, teilt der Landesvorsitzende Ates Gürpinar mit. Vor einem Jahr waren es gut 3.300. "Wir hatten nach der Bundestagswahl eine Eintrittswelle, schließlich im ersten Halbjahr 2022 viele Austritte - was nun abgeebbt ist", erläutert er. "Zu Beginn waren unsere Antworten auf die gesellschaftlichen Krisen - Pandemie und Krieg - zu leise und unbefriedigend für viele." Das ändere sich langsam, sagt der Linken-Landeschef.

BR24-Abfrage zeigt: Frauen in allen Parteien in der Minderheit

An einem anderen Befund vergangener Jahre hat sich bis heute nichts geändert: Frauen bleiben bei den Mitgliedern aller abgefragter Parteien in der Minderheit. Den bayernweit höchsten Frauenanteil verzeichnen aktuell die Grünen mit 43 Prozent, den geringsten die FDP mit 18 Prozent.

Bei der CSU sind knapp 22 Prozent der Mitglieder weiblich, bei der Landesvereinigung der Freien Wähler gut 23 Prozent, bei der AfD 20 Prozent und bei der Bayern-SPD knapp 34 Prozent. Auch bei der bayerischen Linken sind weniger Frauen als Männer Mitglieder - nämlich 31 Prozent.

Frauenanteil bei den Mitgliedern der im Landtag vertretenen bayerischen Parteien (Stand Juli 2022, CSU: Ende 2021)

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Mitglieder: ÖDP verliert - Bayernpartei legt zu

Bleiben bei den Mitgliederzahlen noch zwei relevante Parteien, die weder im Landtag noch im Bundestag vertreten sind. Die ÖDP hat in Bayern nach eigenen Angaben aktuell gut 4.900 Mitglieder - rund 200 weniger als vor einem Jahr. Darunter sind 56 Prozent Männer und 44 Prozent Frauen. Der Altersdurchschnitt liegt bei 54. Den zuletzt leichten Mitgliederrückgang erklärt ein ÖDP-Sprecher mit fehlenden Kontakten während der Pandemie: "Wir sind viel mehr auf physische Präsenz angewiesen, weil wir medial weniger vorkommen."

Einen deutlichen Anstieg verzeichnet dagegen nach eigenen Angaben die Bayernpartei - von 5.300 vor einem Jahr auf aktuell 6.500. Hauptgründe für die jüngeren Neueintritte waren nach Einschätzung von Landesgeschäftsführer Hans Eberle die Energiesituation Bayerns sowie Corona-Maßnahmen und die "Gender-Thematik". Der Altersdurchschnitt bei der Bayernpartei beträgt 45 Jahre; 70 Prozent der Mitglieder sind männlich, 30 Prozent weiblich.

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