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Ein Plakat bei der letzten Bundestagwahl 2017. In diesem Jahr dürfen die Parteien in Nürnberg zwei Wochen länger für sich werben.

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    Parteien in Nürnberg dürfen länger auf Stimmenfang gehen

    Der Wahlkampf für den Bundestag nimmt Fahrt auf. In Nürnberg überlegen die Politiker, wie sie trotz der Corona-Beschränkungen die Wähler erreichen können. Dabei setzen sie große Hoffnungen auf Wahlplakate. Diese dürfen heuer länger hängen als sonst.

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    Von
    • Michael Reiner

    "Wir haben früher als SPD immer am Freitag vor der Bundestagswahl noch eine große Kundgebung gemacht. Mit Gerhard Schröder damals am Kornmarkt", erinnert sich Thorsten Brehm, Fraktions-Chef der SPD im Rathaus. Tausende kamen. So wie bei anderen Parteien auch. Doch im Wahlkampf 2021 käme eine derartige Großveranstaltung kurz vor Schluss viel zu spät, meint Brehm. "Die meisten Wähler haben sich zu diesem Zeitpunkt schon entschieden oder ihre Stimme per Briefwahl abgegeben."

    Gespräche an Infoständen werden fehlen

    Die Pandemie hat den Trend zu Briefwahl noch einmal verstärkt. Und auch der Wahlkampf selbst wird sich durch Corona massiv verändern, sagt Marc Schüller von den Nürnberger Grünen: "Es ist die Frage, ob wir überhaupt Präsenzveranstaltungen machen können". Auch das direkte Gespräch an Infoständen dürfte wohl zu kurz kommen, schätzt Andreas Krieglstein, Vorsitzender der CSU-Fraktion im Stadtrat, die Lage ein. Der Wahlkampf wird digital werden. Aber nicht nur. "Es ist wichtig, dass wir den Wahlkampf bewusst mit den Wahlplakaten einläuten."

    Ab 31. Juli dürfen Plakate hängen

    Der Beginn der Plakatierung war schon immer der Startschuss für die heiße Wahlkampf-Phase. Wegen Corona haben die großen Parteien im Stadtrat beantragt, dass sie die Plakate früher als sonst üblich aufhängen dürfen. Die Stadtverwaltung hat das genehmigt und die Frist um 14 Tage verlängert. Das heißt: Statt ab dem 14. August dürfen die Plakate jetzt schon ab dem 31. Juli hängen. Wahltermin ist am 26. September.

    Umstrittene Wirkung von Plakaten

    Der Bamberger Politikwissenschaftler Prof. Thomas Saalfeld befasst sich mit politischen Parteien in Wahlkämpfen. Er stellt fest, dass konventionelle Wahlkampf-Formen wie Plakate unwichtiger werden. Trotzdem werden sie nicht verschwinden. "Es wird plakatiert, weil die Parteien glauben, dass das Wirkungen hat", sagt er. Untersuchungen hätten gezeigt, dass Plakate die Wählermeinung über eine Partei nicht ändern. "Aber man kann signalisieren, dass der Wahlkampf angefangen hat, man kann Aufmerksamkeit für die Spitzenkandidaten erzeugen und man kann wichtige Themen der Parteien schon mal durch kurze Slogans auf den Wahlplakaten hervorheben."

    Wahlwerbung im Internet wird wichtiger

    Nach Saalfelds Auffassung, mobilisieren Plakate vor allem die Stammwähler. Um neue Wähler zu gewinnen, wird es jedoch immer wichtiger, die Menschen über spezielle Formate im Internet zu erreichen, nicht nur in den USA. Das hätten die jüngsten Landtags-Wahlkämpfe gezeigt, bei denen die Parteien beispielsweise kurze Videoclips im Internet veröffentlich haben. "Das Interessante ist, dass vermutlich dadurch manche Politiker bessere Chancen haben, weil sie sich da gut präsentieren können." Gute Versammlungs-Rednerinnen und -Redner könnten dagegen ihre Stärken häufig nicht ausspielen.

    Parteien wollen niemanden ausgrenzen

    Trotzdem setzen die Parteien in Nürnberg weiterhin auf herkömmliche Wahlwerbung. Gerade mit Plakaten, sagt Marc Schüller von den Grünen, könnten sehr viel mehr Menschen erreicht werden als nur übers Internet: "Social Media schließt ja auch viele aus. Und wir haben auch viele Mitbürger und Mitbürgerinnen, die da nicht unbedingt unterwegs sind."

    Anfang Oktober müssen die Plakate weg sein

    700 Wahlplakate sind in Nürnberg pro Partei erlaubt. Sie dürfen acht Wochen lang kostenlos aufgestellt werden. Und auch das hat die Stadt festgelegt: Die Parteien haben einen Tag länger Zeit, die Werbung zu entfernen. Am 4. Oktober müssen auch die letzten Plakate verschwunden sein.

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